Modellfliegen wird immer beliebter, auch weil die Modelle günstiger werden. Auf der Kraillinger Sanatoriumswiese führt dies zu Konflikten. Foto: dpa

Modellflieger dürfen weiter abheben

Krailling - Die zunehmende Zahl von Modellfliegern auf der Sanatoriumswiese führt zu Konflikten.

„Irgendwann ist eine Frequenz erreicht, die wir nicht mehr wollen“, sagt Rudolf Heidrich (FBK). Vertreiben will die Gemeinde die Hobbypiloten aber vorerst nicht - es gibt eine Testphase.

Die Sanatoriumswiese ist Kraillings Refugium für Erholungssuchende. Seit langem lassen dort auch Hobbybastler ihre Modellflieger in den Himmel steigen. „Es gab immer ein wunderbares Miteinander“, sagt Bürgermeisterin Christine Borst. Doch nun häufen sich Beschwerden - auch von Seiten des örtlichen Gartenbauvereins. Der macht den Lärm der Fluggeräte dafür verantwortlich, dass der über viele Jahre im Giebel der Bauhof-Remise nistende Turmfalke verschwunden ist. Was im Naturerlebnisgarten der Vereins zu einer Wühlmausplage geführt hat (wir berichteten).

Ob die Modellflieger de facto die Schuld daran trifft, dass der Turmfalke 2014 erstmals seit Jahren nicht am Bauhof brütete, ist strittig. Auch in der Vergangenheit sei dies schon vorgekommen, heißt es aus dem Rathaus. Unstrittig ist dagegen, dass immer mehr Modellflieger auf der Sanatoriumswiese ihrem Hobby nachgehen, vor allem an Wochenenden. Er halte es für bedenklich, wenn die Gemeinde für den Modellflug-Verkehr eine Fläche ausweise, erklärte Rudolf Heidrich (FBK) im Gemeinderat. Erika Harder (SPD) berichtete, dass die Flieger auch der Straße recht nahe kämen. „Das ist kein gutes Gefühl.“ Ihr Fraktionskollege Martin Hoffmann betonte, die Gemeinde sei nicht verpflichtet, eine Sondernutzung der Wiese zu akzeptieren. „Die Leute können auch woanders hinfahren.“

Das ist für die Modellflieger allerdings nicht so einfach. Umliegende Vereine in Hadorf und Hochstadt nehmen keine Mitglieder mehr auf. In Krailling ist derzeit ein eigener Verein in Gründung. Zum Vorsitzenden wurde bereits der Stockdorfer Karsten Vogel gewählt. Man wolle lediglich nach Feierabend und am Wochenende mit kleinen Modellen fliegen, heißt es in einem von 18 Mitgliedern unterzeichnetem Schreiben an die Gemeinde. Keinesfalls sei ein richtiger Modellflugplatz das Ziel. Auch sei geplant, Jugendliche an das „kreative Hobby“ heranführen, etwa über Schnupperfliegen im Rahmen des Ferienprogramms.

Die Gemeinde müsse an der Sanatoriumswiese Schilder aufstellen und für Modellflieger ein Betretungsverbot aussprechen, wenn man Modellflugverkehr unterbinden will, erklärte Bürgermeisterin Borst. So weit wollte der Gemeinderat nicht gehen. Er kam überein, die Modellflieger aufzufordern, künftig nur noch den südlichen Teil der Wiese in Richtung Schusterhäusel zu nutzen. Die Situation will Gemeinde jetzt erst einmal ein Jahr lang beobachten.

Die Turmfalken sind übrigens offenbar zurückgekehrt. Dietlind Freyer-Zacherl (FBK) berichtete jedenfalls, sie habe drei Vögel am Bauhof kreisen gesehen.

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