Bis zu 2500 Arbeitsplätze könnten auf dem Martinsrieder Feld (großes M) nördlich von Martinsried entstehen. Das Grundstück liegt im Regionalen Grünzug. grafik: google

Morphosys: Kompromiss mit Schönheitfehler

Martinsried - Im Ringen um Morphosys haben CSU, FWD und FDP in Planegg einen Teilerfolg verbucht. Die Möglichkeit der Gewerbesteuer-Aufteilung mit Gräfelfing wird rechtlich erneut untersucht.

Mit 13:12 Stimmen hat der Gemeinderat am Donnerstagabend nach ausgiebiger Diskussion den gemeinsamen Antrag von CSU, FWD und FDP gebilligt. Darin wird Bürgermeisterin Annemarie Detsch aufgefordert, rechtlich klären zu lassen, ob „allein mit einem Vertrag auf Dauer sichergestellt werden kann, dass die bei einer Ausweisung eines Gewerbegebiets Martinsrieder Feld zu erwartenden Steuereinnahmen zwischen Gräfelfing und Planegg aufgeteilt werden können“. Die geplante Firmenzentrale läge ausschließlich auf Gräfelfinger Flur, ohne die Zustimmung Planeggs wäre eine zügige Ausweisung von Gewerbe jedoch nicht möglich.

Der Wegzug von Morphosys aus dem Würmtal wäre ein erheblicher Imageverlust für den Cluster und könne andere Firmen dazu bewegen, ebenfalls wegzuziehen, begründete CSU-Fraktionssprecher Michael Book den Antrag. Widerspruch kam von SPD und Gruppe 21. „Planegg sollte sich nicht dafür hergeben, Grünzüge zu eliminieren“, sagte Alfred Pfeiffer (SPD). Ins gleiche Horn stießen Herbert Stepp und Anneliese Bradel (beide Gruppe 21). Stepp warnte davor, sich von Gräfelfing „dafür bezahlen zu lassen, dass wir wegschauen, wenn in den Regionalen Grünzug eingegriffen wird“. Ein solches Vorgehen könne man auch „Bestechung“ nennen, sagte Stepp.

Pfeiffer zitierte aus einem Brief von Baron von Hirsch, dem Eigentümer des rund 70 000 m2 großen Martinsrieder Feldes, den dieser an alle Gemeinderäte und die Bürgermeisterin gesandt hatte. Darin fordert er die Entscheidungsträger auf, den Weg für ein Gewerbegebiet auf dem Martinsrieder Feld freizumachen. Durch die Entwicklung neuer Medikamente würde Morphosys „Europa und der ganzen Welt“ von Nutzen sein, so der Baron, dem die Umwidmung der wertlosen Wiese zu Bauland ebenfalls von Nutzen sein dürfte.

Schließlich stellte Thomas Roy (SPD) den Antrag, den Sohn des Barons, CSU-Gemeinderat Philipp von Hirsch, wegen Befangenheit von der Abstimmung auszuschließen. „An Ihrer Stelle hätte ich schon lange meine Sachen gepackt und wäre gegangen“, sagte Roy, der gleichwohl betonte, nicht an Hirschs „Integrität“ zu zweifeln.

Die Bürgermeisterin musste Roy jedoch enttäuschen. Im Vorfeld der Sitzung hatte die Verwaltung die Kommunalaufsicht konsultiert und die Situation geschildert. Dort war man sich einig, dass von Hirsch an der Abstimmung teilnehmen dürfe, da es sich lediglich um eine rechtliche Prüfung handle. So stimmten CSU, FWD und FDP für ihren Antrag und gewannen die Abstimmung mit 13:12. Sollte das Gutachten ergeben, dass eine Teilung der Gewerbesteuer möglich wäre, und der Gemeinderat eine Grundsatzentscheidung treffen muss, wäre die Mehrheit für die Befürworter aber dahin. An dieser Abstimmung dürfte von Hirsch wegen direkter Betroffenheit nicht mehr teilnehmen. Dies hat die Kommunalaufsicht der Gemeinde bereits vorab bestätigt. Sollten SPD und Gruppe 21 ihre Ablehnung aufrecht erhalten, würde die Abstimmung ein Patt ergeben: 12:12 Stimmen, dies bedeutet eine Ablehnung. Damit wäre das Kapitel Morphosys im Würmtal beendet.

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