Warten auf die Räumung: Auf einem der Baumhäuser harrten am Sonntag bis zu zehn Personen aus.
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Warten auf die Räumung: Auf einem der Baumhäuser harrten am Sonntag bis zu zehn Personen aus.

Protest gegen Rodungen

Münchner Klimaaktivisten kämpfen mit neuer Aktion gegen Wald-Vernichtung im Forst Kasten

  • Laura Felbinger
    VonLaura Felbinger
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Neue Baumhäuser im Neurieder Wald: Der Protest von Münchner Klimaaktivisten gegen mögliche Rodungen in Forst Kasten erreicht eine neue Stufe. Die Polizei schaut - bisher - nur zu.

Klimaaktivisten haben am Wochenende zwei neue Baumhäuser im Neurieder Wald errichtet. Die Polizei war mit einem Helikopter vor Ort, griff aber zunächst nicht ein. Erst vor Kurzem hatte die Polizei dort das erste Baum-Plateau gleich geräumt. Doch die Aktivisten wollen weiter gegen eine Rodung protestieren.

Ein zweites Baumhaus befindet sich in luftigen 14 Metern Höhe.

Der Sage nach war König Sisyphus dazu verdammt, einen Felsblock auf ewig einen Berg hinaufzuwälzen, der – fast am Gipfel – jedes Mal wieder ins Tal rollt. Ein ähnliches Schicksal droht nun auch den Baumbesetzern im Forst Kasten, nachdem sie am Wochenende erneut Baumhäuser gebaut haben. Sie werden nicht lange bleiben. Schon die erste Baumbesetzung vor zehn Tagen wurde aufgelöst, das Plateau von der Polizei entfernt*. Dennoch wollen die Aktivisten weiter in luftiger Höhe Widerstand leisten, denn „die Alternative ist, zu Hause zu sitzen. Und dann wird der Forst gerodet“, erklärt Ingo Blechschmidt (32). Der Mathematik-Dozent aus Augsburg war schon bei der ersten Baumbesetzung dabei.

Forst Kasten: Aktivisten kündigen an, bis zum Start möglicher Rodungen zu bleiben

Hintergrund: Der Forst Kasten befindet sich als Stiftungswald im Eigentum der Stadt. Vor einem Monat beschloss der Sozialausschuss, einer zweiten Firma den Zuschlag für den Abbau von Kies zu erteilen – eine erste Kiesgrube gibt es schon. Für das nächste Projekt müssten rund 9,5 Hektar Forst gerodet werden. Seither gibt es durchgehend Proteste im Wald. Die Aktivisten haben angekündigt, bis zum möglichen Start der Rodung in ein bis zwei Jahren zu bleiben.

Polizeihubschrauber schwebte am Samstag über dem Wald.

Dieses Mal haben die Waldschützer, beginnend in der Nacht zum Samstag, zwei Baumhäuser errichtet. Eines davon ist an der gleichen Stelle wie das erste, aber mit 14 Metern doppelt so hoch. Auf der Plattform sowie in Hängematten darunter harren vier Personen aus. Eine zweite Plattform hängt 250 Meter weiter drei bis vier Meter hoch in den Bäumen. Sonntagmittag hielten sich darauf bis zu zehn Aktivisten auf. Auf ebener Erde und bei einer bereits länger existierenden Mahnwache in der Nähe haben sich weitere Klimaschützer versammelt.

Mit Klettergurten und Seilen bewegen sich die Aktivisten von Wipfel zu Wipfel.

Forst Kasten: Die Polizei hält sich bei Protestaktion bislang bedeckt

Auch Stadträtin Marie Burneleit (41) kam vorbei – „zur Unterstützung“, wie sie sagt. Vergangene Woche hatte ihre Fraktion, Die Linke/Die Partei, einen Dringlichkeitsantrag für den Sozialausschuss am 24. Juni gestellt. Demnach solle die Stadt keine Verträge unterzeichnen, solange nicht alle Rechtsfragen geklärt sind. Derzeit laufen Dienstaufsichtsbeschwerden und mindestens eine Klage (wir berichteten).

Nahe der Baumbesetzung findet seit Mai eine Mahnwache statt. Die Polizei beobachtet das Geschehen.

Am Sonntag war die Lage im Wald entspannt. Die Polizei hält sich bedeckt. „Wir klären noch mit dem Landratsamt, wie wir vorgehen“, so ein Sprecher. Tags zuvor kreiste in den Abendstunden ein Hubschrauber über der Szenerie, und die Polizei brachte sieben Personen zur Identitätsfeststellung zur Planegger Inspektion. „Der Hubschrauber kam uns so nah, dass ich einmal Blickkkontakt mit dem Piloten hatte“, erzählt einer der Baumbesetzer (29), der sich Mücke nennt. Für die Aktivisten steht fest: Der Luftkampf im Forst Kasten ist noch lange nicht vorbei. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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