Musik und Wort geben ein Konzert

- Stadlinger-Quartett tritt auf

VON ARNO PREISER Planegg - Gespannte Aufmerksamkeit verlangte das Gesprächskonzert im Saal der Musikschule mit dem Motto "Thema mit Variationen in Streichquartetten der Wiener Klassik", denn deren Folge wollte der Hörer doch begreifen. Dazu trug Erwin Herthenstein, der in Augsburg Musikwissenschaft studiert, bei seinen Erläuterungen wesentlich bei.

Wiedereinmal hatte sich das Stadlinger-Quartett in die diffizile Materie gut eingearbeitet. Maria Cully und David Schmidt (Violine), Elzbieta Stadlinger (Viola) und Robert Neupert (Violoncello) begannen mit "Un poco adagio e affettuoso" aus Joseph Haydns Opus 20/4 D-Dur von 1772 - dessen einziger Variationensatz in Moll. Zerlegten Geigen- und Bratschenspieler das etwas melancholische Marschthema zunächst, so traten bei der 2. Variation der Cellist solistisch hervor und bei der dritten die Primaria (mit Triolen-Bravour).

Das Ensemble begann die vierte (letzte) Änderung leise (sotto voce), steigerte aber die Tonstärke, wie vorgeschrieben, bei der in Art einer Kadenz ausgedehnten Coda. Von diesem Adagio unterschied es das "Allegretto scherzando" als relativ schnellen langsamen Satz, aus Haydns Opus 64/1 von 1790. Diese zwei Variationen, einfach bis auf eine Abweichung nach Moll, stellen freilich einen neuen, auf Beethoven vorausweisenden Marschtypus dar.

Wenn die Amateure nun von Luigi Tomasini das "Andante con variazioni" aus dem Opus 8/1 der Vergessenheit entrissen, so sprach daraus die ernste Schulung durch Haydn. Einer der Fürsten Esterházy engagierte Tomasini in Italien als Musiker für den Hof in Eisenstadt und schickte ihn zur weiteren Ausbildung nach Venedig. Zurückgekehrt, brachte er es bis zum Konzertmeister und Komponisten.

Das Stadlinger-Quartett spielte von Mozart ebenfalls zwei Beispiele, doch anders als zuvor bei Haydn aus der gleichen Schaffensphase. Aus dem Quartett d-moll KV 421 von 1783 spielte es das Allegretto-ma-non-troppo-Finale. War die Primgeigerin bei Variatio I um reiche Verzierungen bemüht, so strengte sich das Ensemble in II bei kühnen rhythmischen Akzenten an. Die Bratscherin Vom heiteren Gespräch zum Trommelrhythmus ging mit dem nötigen Pathos in Führung, worauf die Vier von beruhigender Schluss-Variation zu lebhafter Coda fanden. Dichte Polyphonie kennzeichnet das Andante aus KV 464 von 1785. In den vier Variationen machte sich einmal mehr der Cellist bemerkbar, ob als Echo zur 1. Violine oder im heiteren Vierergespräch, um bei der sechsten, der letzten Variation, den auch die Coda bestimmenden Trommelrhythmus anzustimmen.

Auf Ludwig van Beethoven führte Vieles hin. Das "Andante cantabile" D-Dur aus dessen Opus 18/5 von 1798/99 konnte als Fortsetzung des zuletzt gehörten Mozart erscheinen. Doch nun erklangen anfangs ein Kanon, später eine Art Choral. Musste das Ensemble bei Franz Schuberts Variationen über "Der Tod und das Mädchen" naturgemäß an seine Grenzen stoßen, so gefiel es beim Andante aus dem Quartett A-Dur des 20-jährig verstorbenen Juan Crisóstomo de Arriaga, der "spanische Mozart".

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