Online-Unterricht: Vergangene Woche war Gitarrenlehrer Jörg Hess noch alleine im Gitarrenraum der Musikschule Planegg-Krailling, wenn er Einzelunterricht gab. Seine Schüler konnte er via Tablet sehen.
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Online-Unterricht: Vergangene Woche war Gitarrenlehrer Jörg Hess noch alleine im Gitarrenraum der Musikschule Planegg-Krailling, wenn er Einzelunterricht gab. Seine Schüler konnte er via Tablet sehen.

Ab Montag wieder Einzel-Präsenzunterricht

Musikschulen fürchten um Nachwuchs

  • Peter Seybold
    vonPeter Seybold
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Ab 1. März können die Würmtaler Musikschulen wieder Präsenz-Einzelunterricht anbieten. Während der zwei Lockdowns ging außer Online-Unterricht nichts. Das hat Lücken gerissen und bringt Schwierigkeiten bei der Nachwuchssuche mit sich.

Würmtal – Konzerte und andere Veranstaltungen, Proben von Ensembles, Orchestern und Chören, Instrumentenunterricht in Präsenz, musikalische Früherziehung: Auf all dies und mehr mussten die Würmtaler Musikschulen im seit Dezember währenden zweiten Lockdown verzichten – wie schon im Frühjahr. Die Musikschulen konnten nur Einzel-Onlinestunden anbieten, „die zwar von einem Großteil angenommen wurden, für die Lehrer aber anstrengend und nicht das Gleiche sind. Von den Schülern hörten wir auch oft, dass sie wieder zu uns kommen wollten“, sagt Christiane Jung-Döhmer, Geschäftsführerin der Jugendmusikschule Gräfelfing. Jung-Döhmer ist daher „sehr froh“, dass jetzt wieder Präsenzunterricht möglich ist. „Wir haben lange darauf gewartet und ein gutes Hygienekonzept entwickelt“, sagt die Geschäftsführerin.

Da auch keine Veranstaltungen organisiert werden konnten, „mache ich mir aber schon Sorgen, was den Nachwuchs im nächsten Schuljahr angeht“, da dieser oft über die Veranstaltungen den Weg zu der Musikschule findet, sagt Jung-Döhmer. Ansonsten sei die Schule den Umständen entsprechend recht gut durch die Ausnahmesituation gekommen: Kein Schüler sei abgesprungen, die finanziellen Einbußen seien im Moment noch zu schultern.

Distanz-Betreuung statt Distanz-Unterricht

Von „Distanz-Betreuung“ und ausdrücklich nicht Distanz-Unterricht spricht Christoph Peters, Leiter der Neurieder Musikschule. „Dies ist ein klarer Unterschied. Musik lehren lebt von Präsenz“, betont Peters. Seine Lehrkräfte hätten sich aber gute Konzepte für die Umstellung überlegt. Das Hauptproblem ist aus Peters Sicht „der Wegfall von unseren Kernaufgaben wie den Begegnungen und dem gemeinsamen Musizieren“, so der Musikschulleiter. „Das ist natürlich komplett ausgefallen und das müssen wir erst wieder aufbauen.“ Durch den Ausfall von Veranstaltungen habe für die Schüler auch ein Ziel für ihre Proben und damit ein entscheidender Motivationsfaktor gefehlt.

Finanziell muss die Musikschule derzeit mit einem geringeren Zuschuss der Gemeinde zurechtkommen. Durch die Treue der Mitglieder, die Unterstützung durch den Förderverein und Kurzarbeit konnten einige Einbußen abgefedert werden. Wie genau die finanzielle Situation ist, „werden wir aber erst am Ende des Jahres wissen“, sagt Peters. Wie der ab Montag wieder erlaubte Präsenz-Einzelunterricht gestaltet wird, wollte die Musikschule erst nach Erhalt des Gesetzestextes entscheiden. Peters, der im Vorstand des Verbands Bayerischer Sing– und Musikschulen sitzt, hatte vergangene Woche auch über den Verband noch nichts gehört.

Bis auf wenige Einzelfälle hat auch die Musikschule Planegg-Krailling keine Mitglieder verloren. „Wir haben bei niemandem abgebucht, ohne dass es eine Leistung von uns gegeben hätte. Wenn Unterricht nicht online stattfinden konnte, gab es von uns aus Erstattungen, auf die aber einige als Spende verzichtet haben“, sagt Leiter Thomas Schaffert. Auch die Gemeinden Planegg und Krailling hätten noch mal den vollen Zuschuss gewährt – allerdings mit dem Zusatz, dass dies vorerst das letzte Mal gewesen sei, weswegen auf die Musikschule künftig Einbußen zukommen.

Wie in Neuried und Gräfelfing wurde der Online-Einzelunterricht von den Schülern in Planegg rege angenommen. Die Musikschule erteilte Mitgliedern von Ensembles Einzelunterricht, damit deren Stunden nicht völlig wegfielen. Dennoch seien Lücken entstanden.

Die Musikschule hofft, den Tag der offenen Tür am Samstag, 8. Mai, vor Ort stattfinden lassen zu können. Durch die anderen wegfallenden Veranstaltungen und Konzerte „fehlt dieser Teil aber natürlich total, die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit ist extrem geschrumpft, und Nachwuchs zu bekommen, wird sicher ein Problem werden“, sagt Schaffert, der sich in den vergangenen Tagen über die Schlagzeilen amüsiert hat. „Dass wir mal mit Baumärkten in einem Zug genannt und auf eine Stufe gestellt werden, hätte ich vor einiger Zeit nicht erwartet.“

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