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Endlich wieder Würmtaler Brot: Rupert Reithmeier fehlten während seines Jahres in Tansania vor allem das heimische Brot, die Wurst und der Käse. Kaum zu Hause, ging es zum Bäcker in die Planegger Bahnhofstraße.

Nach zwölf Monaten zurück aus Tansania

Planegg - Mit Wehmut, aber auch Vorfreude ist Rupert Reithmeier (29) nach Planegg zurückgekehrt. Im Interview spricht er über seinen Freiwilligendienst in Tansania und die Zukunft.

Hinter Rupert Reithmeier (29) aus Planegg liegen zwölf spannende Monate in Ostafrika, wo er an einer tansanischen Schule gearbeitet hat. Im Würmtal-Merkur hat der Diplom-Sportwissenschaftler oft von seinem Freiwilligendienst berichtet, nun spricht er im Interview über bewegende Momente, seine Rückkehr und Zukunftspläne.

Wie ist es wieder in der Heimat?

Ich weiß nicht, ob ich schon ganz angekommen bin. Erstmal war ich beim Klettern und mit einer Gruppe von St. Elisabeth im Zeltlager. Dass ich so manche Leute verlassen musste, war schwer. Vor allem die Schüler und auch Martin, mein tansanischer Caritas-Chef, werden mir fehlen. Aber ich bin froh, wieder daheim zu sein.

An was werden Sie sich noch lange erinnern?

Schwer beeindruckt hat mich der Besuch bei Schülern zu Hause auf dem Land. In Deutschland hat jedes Haus Bäder, Teppichböden, alles ist gefliest. Viele Tansanier wohnen auf Lehm und haben Glück, wenn sie einen Betonboden haben, der mit Linoleumfolie überzogen ist. Auch der Schulalltag hat mich fasziniert. Der Tagesablauf ist streng geregelt: Frühstück, Kirche, Lernen.

Was konnten Sie zum Unterricht beitragen?

Von der Arbeit her war ich etwas enttäuscht. Es stand mehr der kulturelle Austausch im Vordergrund. Ich hätte gerne mehr bewegt. Immerhin habe ich mitgeholfen, ein Volleyballteam aufzubauen, und das Schultheater war ein absolutes Highlight.

Was haben Sie vermisst?

Das deutsche Essen. Vor allem Brot, Käse und Wurst. Dort gibt es nur Toastbrot und ein recht fades Käseprodukt. Fleisch ist reichlich vorhanden, aber Wurst wird wegen der komplizierten Produktion, vielleicht auch wegen Kühlungsproblemen, nicht hergestellt. Außerdem habe ich die Berge vermisst und dass man keinen professionellen Sport machen kann. Fußball wird zwar überall gespielt. Aber auf buckligen Feldern, und das Niveau ist nicht gerade hoch. Wenn der Ball im Gebüsch landet, muss man ihn erst wieder flicken.

Ja, als Europäer betrachtet man Afrika von einem anderen Standpunkt aus. Wie ist es bei den Tansaniern? Beschäftigen sie sich mit Europa, und kennen sie Deutschland?

Ja. Jeden Abend läuft eine Nachrichtensendung im Fernsehen. Eine Stunde lang gibt es hauptsächlich tansanische Nachrichten, aber auch Informationen aus aller Welt. Viele Einwohner verfolgen gemeinsam das Weltgeschehen am Bildschirm mit. Sie wissen, wie rückständig sie leben und wie wenig technisches Wissen sie haben. Deutschland hat einen guten Ruf. Die Leute erzählen sich, wie hilfreich die Deutschen früher waren, als sie zum Beispiel Bahnstrecken und Polizeistationen gebaut haben. Deutsche gelten als fleißig, ordentlich und als erfolgreiche Arbeiter. Man kennt sogar Angela Merkel und den FC Bayern.

Mit Ihrer weißen Hautfarbe waren Sie in Tansania eine Ausnahmeerscheinung. In Deutschland sind sie einer von vielen. Beschäftigt Sie sowas jetzt?

Es fällt schon auf, dass mir kein Kind mehr „Mzungu“, also „Weißer“, nachruft. Damit wollten sie meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, damit ich sie grüße.

In welcher Sprache konnten Sie denn Kontakt aufnehmen? Sprechen Sie inzwischen Swahili?

Kidogo. Ein bisserl. Zum Small Talk reichts.

Was macht es so schwer, die Sprache zu lernen und zu verstehen?

In der Sprache wird alles zusammengefügt, so dass man das eigentliche Wort nicht mehr erkennt. Artikel, Person und Zeit werden in ein Wort gestopft. Zum Glück können viele Einheimische Englisch.

Hat Sie das Jahr in Tansania verändert?

Von der Persönlichkeit her war ich nicht so der typisch Deutsche, der vom Studium bis zum Job alles plant. Bei mir stehen Freizeit und Freunde auf Platz eins. Das mit Job und Geld funktioniert schon irgendwie.

Ist etwas in Aussicht?

Ein paar Pläne gibt es schon. Ich will im Winter als Skilehrer arbeiten und im Sommer Inselhüpfer im Mittelmeer als Reiseleiter begleiten.

Was ist mit Tansania? Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages dorthin auszuwandern?

Nein. Auswandern ist nicht mein Ding, ich fühle mich hier wohl. Irgendwann werde ich vielleicht wieder nach Tansania fliegen, aber erst will ich hier mein Leben auf die Reihe kriegen und etwas auf die Beine stellen.

Näherer Einblick in den Afrika-Aufenthalt von Rupert Reithmeier ist auch unter www.rupertanzania. wordpress.com möglich.

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