Neue Mobilfunk-Masten: Krailling will Standorte selbst festlegen

Krailling - Die Gemeinde Krailling schwenkt in punkto Mobilfunk auf die Gräfelfinger Linie ein. Der Gemeinderat will den Mobilfunkbetreibern Standorte verbindlich vorschreiben.

Im Zuge des Netzausbaus sind Mobilfunkbetreiber zunehmend auf der Suche nach Standorten für Sendeanlagen. So auch in Kraillinger Wohngebieten. In der Würmtal-Gemeinde gab es in den vergangenen Jahren keine Anfragen, jetzt mit einem Schlag mehrere, wie Bürgermeisterin Christine Borst im Gemeinderat berichtete. Vodafon und E-Plus suchen Standorte für Funkmasten im Umfeld des Hackerbergs; Vodafon außerdem im Bereich des Alten Friedhofs. „Wir müssen jetzt reagieren, sonst stehen die Masten irgendwo, wo wir sie nicht haben wollen“, sagte Borst. Die Gemeinde wird deshalb baurechtliche Schritte einleiten.

Strittig ist, inwieweit Mobilfunk-Strahlung gesundheitsschädlich ist - auch unterhalb festgelegter Grenzwerte. Borst hatte als Experten Hans Ulrich-Raithel vom Umweltinstitut München eingeladen, das Kommunen technische Beratung bei der Suche von Standorten mit möglichst geringer Strahlenbelastung anbietet. Eine gesundheitsgefährdende Beeinträchtigung durch solche Anlagen sei nicht nachweisbar, aber auch nicht ausschließbar, erklärte Ulrich-Raithel. Er riet den Gemeinderäten, in jedem Fall selbst tätig zu werden und nicht auf eine bloße Verhinderungstaktik zu setzen. In einem so genannten „dialogischen Verfahren“ könne man gemeinsam mit Netzbetreibern geeignete Standorte festlegen und dadurch Immissionen reduzieren. Voraussetzung sei aber eine Kompromissbereitschaft seitens der Unternehmen. E-Plus hatte diese bereits vor der Ratssitzung signalisiert - im Gegensatz zu Vodafon. „Vodafon fährt grundsätzlich eine härtere Gangart als andere Netzbetreiber. Das ist bekannt“, so Bauamtsleiter Helmut Mayer.

Der Gemeinderat kam überein, einen Bebauungsplan Mobilfunk aufzustellen. Mit der Untersuchung verschiedener Standortvarianten will man das Umweltinstitut beauftragen, das jetzt ein Angebot unterbreiten soll. Für einen Suchbereich fallen laut Ulrich-Raithel Kosten von mehr als 5000 Euro an, bei mehreren Bereichen reduziere sich der Betrag.

In Krailling gibt es bis dato auf Privathäusern drei Sendemasten, die Bestandsschutz genießen. Über die von ihnen ausgehende Strahlung ist in der Gemeinde aber nichts bekannt. Bislang habe es keine Beschwerden gegeben, sagte Borst. Adrienne Akontz (Grüne) sprach sich dafür aus, die Werte zu eruieren, man müsse zumindest wissen, welche Belastung bereits existiere.

In jedem Fall will sich die Gemeinde im Hinblick auf drohende juristische Auseinandersetzungen fachanwaltlichen Rat einholen. Außerdem soll das weitere Vorgehen mit den Nachbargemeinden abgestimmt werden.

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