Zwischenlösung: Die Röntgenstraße in Martinsried wird durch den Erdwall in die Fraunhoferstraße geführt.

Neue Verkehrsachse für Martinsried

Martinsried - Die Planegger Gemeinderäte haben eine Zwischenlösung beschlossen: Die Röntgenstraße wird durch den Erdwall direkt in die Fraunhoferstraße geführt.

Jahre werden noch bis zum Bau der Umgehungsstraße westlich Martinsrieds vergehen. Da ab 2016 aber die neue Ortsmitte entsteht, hat der Verkehrsausschuss der Gemeinde eine Zwischenlösung beschlossen.

Im November 2013 fasste der Gemeinderat Planegg mit großer Mehrheit den Beschluss, eine Parallelstraße zur Röntgenstraße hinter den Garagen zu bauen, die so genannte Sillat-Trasse, und im Anschluss daran die so genannte Gewerbetrasse bis hoch zum Einkaufszentrum AEZ. Im Jahr 2014 begannen die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern. Diese waren bislang noch nicht von größerem Erfolg gekrönt, etliche Eigentümer, darunter Erbengemeinschaften, stellen sich quer und lehnen einen Verkauf ab - sie spekulieren darauf, dass die Gemeinde ihr Angebot nachbessert.

Während die Verhandlungen stocken, sind die Vorbereitungen für die zentralen Bauten in der neuen Ortsmitte weit gediehen. Im Rathaus rechnet man im kommenden Frühling mit einem Baubeginn des großen Kopf-Gebäudes an der Ecke Lochhamer Straße/Fraunhoferstraße. Da die Doppelführung Röntgenstraße/Fraunhoferstraße gleichzeitig aufgehoben werden soll, wie im Masterplan vorgesehen, entstünde ein Nadelöhr in Mitten Martinsrieds. Die Gemeinde möchte den Hauptverkehrsstrom deshalb nicht wie bisher durch die Lochhamer Straße, sondern durch das Gewerbegebiet fließen lassen, sprich die Fraunhoferstraße. In einigen Jahren soll der Verkehr dann über eine mögliche Gewerbetrasse außerhalb des Ortes fließen.

Wie sich der Verkehr ohne Umgehungsstraße bändigen lässt, hat nun ein Planungsbüro im Auftrag des Rathauses geprüft. Die Lösung präsentierte Verkehrsplaner Matthias Reintjes am Donnerstag im Technischen Ausschuss. Er schlug vor, die Röntgenstraße durch den Erdwall in die Fraunhoferstraße zu leiten, um so eine neue Verkehrsader in Nord-Süd-Richtung abseits der Ortsmitte zu schaffen. Einen großen Haken hat der Plan allerdings. Sobald die Sillat-Trasse einmal fertiggestellt ist, müsste die Verkehrsführung nochmals aufwendig geändert werden.

Schon heute das neue Straßennetz westlich der Ortsmitte so zu gestalten, dass die Umgehungsstraße später mit einem Kreisverkehr oder einem Zubringer ohne großen Aufwand angeschlossen werden kann, ist nicht möglich. Eine Erbengemeinschaft weigert sich, ein rund 100 Quadratmeter großes Grundstücksdreieck an die Gemeinde zu verkaufen. Dieses liegt im Knick der südlichen Fraunhoferstraße. Da eine Einigung mit den Eigentümern nicht absehbar ist und eine Enteignung laut Bürgermeister Heinrich Hofmann „bis zu sieben Jahre“ dauern könnte, warb Planer Reintjes im Ausschuss für den Bau des Provisoriums, also der direkten Verbindung Röntgenstraße mit der Fraunhoferstraße durch den Wall. Die Kosten sollen rund 230 000 Euro betragen. 2. Bürgermeister Peter Heizer (FWD) war nicht einverstanden mit dem Bau eines Provisoriums. Er schlug vor, statt der Zwischenlösung gleich die spätere Variante mit Anschluss an die Sillattrasse zu bauen und um die Fraunhoferstraße um das strittige Grundstück herumzuführen. Dies sei technisch allerdings nicht möglich, hieß es von Seiten der Verwaltung. Gerhard Schleburg (CSU) warb eindringlich für die Gewerbetrasse. „Wir lügen uns in die Tasche, wenn wir sagen, dieses Provisorium entlastet Martinsried von Verkehr.“ Diese Lösung sei „verrückt“, so Schleburg. Giovanni Sammataro (CSU) warnte vor einem Verkehrschaos in der Fraunhoferstraße und forderte ein Verkehrsgutachten, „bevor gebaut wird“. Eine „fehlende entlastende Wirkung für Nord-Martinsried“ bescheinigte Fritz Haugg (FDP) dem Vorschlag Reintjes.

„Wer diese Lösung ablehnt, muss eine Alternative bieten, um die neue Ortsmitte zu entlasten“, entgegnete Ralf Tatzel (SPD). Werner Strobl (Gruppe 21) lobte die Übergangslösung als „gelungen“. Mit knapper Mehrheit von 5:4 Stimmen boxten SPD und Gruppe 21 den Bau des Provisoriums gegen CSU, FWD und FDP durch.

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