Das Wort Religion steht auf einer Tafel in einer Schule geschrieben.
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Ökumenischer Religionsunterricht ist auch an den Schulen im Würmtal jetzt möglich. (Symbolbild)

Schule in der Corona-Pandemie

Neue Wege beim Religionsunterricht im Würmtal

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Um die Pandemie einzudämmen, ist an Schulen jetzt ökumenischer Religionsunterricht möglich. Neuried geht diesen Weg und zum Teil auch Gräfelfing. Pionierarbeit aber leistete Martinsried.

Würmtal – Zum Religionsunterricht kommen in der Regel Schüler unterschiedlicher Klassen zusammen. Die Rektorin der Martinsrieder Grundschule Margit Baran-Lander erkannte bereits zu Beginn des Schuljahres, dass dies dem Pandemiegeschehen nicht zuträglich sein könnte und versuchte gegenzusteuern. „Die Situation war für mich untragbar.“

Zu Beginn des Schuljahres stellte sie einen Sonderantrag bei Ordinariat und Dekanat. Ihre ersten und zweiten Klassen bekommen Religions- oder Ethikunterricht seither in kleinen Gruppen. Schüler unterschiedlicher Klassen werden nicht mehr gemischt. „Wir haben dafür mehr Personal bekommen“, erklärt sie. Für die dritten und vierten Klassen habe sie weniger tun können, da diese auch im Fach „Werken und Gestalten“ (WG) gemischt werden. „Da funktioniert das nicht, weil uns die Lehrer fehlen“, sagt Baran-Lander. Daher habe sie die WG-Gruppen nach Konfessionszugehörigkeit eingeteilt, sodass zumindest immer die gleichen Schüler gemischt werden.

Anfang November beschlossen Kultusministerium und Kirchen, was noch zwei Monate zuvor nicht denkbar war: Die Kinder können in ihrem Klassenverband bleiben und bekommen keinen konfessionsspezifischen Unterricht mehr, sondern einen gemeinsam – sofern die Eltern zustimmen. Das ist weniger personalintensiv als Baran-Landers Lösung für Erst- und Zweitklässler.

In Neuried haben die Eltern ihr Einverständnis erklärt. „Es ist toll, das wir so eine positive Resonanz haben“, sagt Schulleiterin Pia Rieger. Seit vergangener Woche bekommen ihre Schüler entweder „weltanschaulich sensiblen evangelischen Religionsunterricht“ oder die entsprechende katholische oder ethische Variante. Bis Ostern wechsle alle sechs Wochen die Lehrkraft.

Damit werden Katholiken, Protestanten und die Kinder, die den Ethikunterricht besucht hätten, gleich behandelt. Die drei Lehrpläne hätten viele Berührungspunkte. Und Rieger findet: Für die Schüler habe die neue Form des Unterrichts Vorteile. Sie könnten damit über den Tellerrand hinausschauen. „Es ist auf jeden Fall ein Gewinn zu sehen, was machen denn die anderen so.“

Auch an der Gräfelfinger Grundschule nutzen zwei vierte Klassen die Möglichkeit des weltanschaulich sensiblen Unterrichts. Was Eltern und Lehrer betrifft, sagt die Leiterin Barbara Reif: „Die Reaktionen waren unglaublich rasch und einige in direkter Weise an mich sehr positiv.“ In Planegg hatte Schulleiter Sebastian Körber überlegt, den Unterricht ebenfalls umzustellen. Doch er entschied sich dagegen. „Wir trennen die Klassen, so gut es geht.“ Aber in Pausen und in der Nachmittagsbetreuung hätten die Schüler Berührungspunkte mit Kindern außerhalb ihrer Klasse. Er setze daher auf einen Abstand von 1,5 Meter und Masken. „Glücklicherweise mussten wir bislang keine Klassen nach Hause schicken.“

In Stockdorf und Krailling wird der Unterricht ebenfalls nicht umgestaltet. „Wir haben ein Konzept in der Schublade, sagt die Rektorin der Grundschule an der Würm in Stockdorf, Bettina Aufhauser. Alles sei vorbereitet. Aber sie sieht zum einen eine hohe Hürde darin, die Unterschrift aller Eltern zu bekommen. Zudem würden die Kinder zum Teil in WG und im Englischunterricht gemischt. Und: „In der Mittagsbetreuung und im Hort sind sie kunterbunt gemischt.“ Kraillings Schulleiterin Alexandra Helfrich sieht das ähnlich. Sie erklärt, ihre Schüler säßen blockweise im konfessionsspezifischen Unterricht. Eine Trennung nach Klassen sei aktuell nicht geplant.

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