Neues Forum der Energiewende vor Ort

Würmtal - Der erste Würmtaler Energietag lockte 500 Besucher nach Neuried. Die Veranstalter wollen die Mini-Messe jetzt dauerhaft etablieren.

Zu teuer und nicht umsetzbar, heißt es immer wieder, wenn es auf der großen Bühne um die Energiewende geht. Der steigende Strompreis gefährde den Industriestandort Deutschland, und der Netzausbau stoße auf zu großen Widerstand. Auf regionaler und lokaler Ebene aber ist die Begeisterung ungebrochen. Wer am Samstag die Aula der Neurieder Grundschule besuchte, konnte spüren, wie groß das Interesse am Energiesparen und selbst erzeugen ist. 22 Aussteller aus dem Würmtal und ganz Bayern präsentierten sich, begleitet von einer Vortragsreihe, beim ersten Würmtaler Energietag.

Die Planerinnen der Kraillinger Quartierssanierung an der Ringstraße stellten das Würmtaler Modellprojekt vor, das die energetische Sanierung von 30 Reihenhäusern aus den 1960er Jahren zum Ziel hat. Ein Bauingenieur gab Praxistipps rund um die Sanierung. Weitere Themenschwerpunkte bildeten regionale und genossenschaftliche Initiativen, Mobilitätsfragen und technische Neuerungen für den privaten Bereich. Zu den Ausstellern gehörten Handwerksbetriebe, Energieberater und Erzeugergemeischaften wie der Verein Würmtaler Innovative Energien oder die Bürgerenergiegenossenschaft BENG. Ob Liegefahrräder mit Elektromotorunterstützung oder neue Isolierglasfenster, die Anregungen für kleine und große Beiträge zur Energiewende waren vielfältig. Die Potenziale, so eine der zentralen Botschaften, sind noch lange nicht ausgeschöpft. Jedoch finde „die Wertschöpfung mit Technologie made in Germany“ derzeit leider woanders statt, beklagte Professor Wolfgang Seiler von der Bürgerstiftung Energiewende Oberland in seinem Vortrag.

Zumindest die Photovoltaik, die es schwer hat, seit die Einspeisevergütung für Solarstrom unter den Beschaffungspreis gesunken ist, könnte durch Fortschritte bei der dezentralen Speichertechnik neuen Schub verliehen bekommen. Das Gräfelfinger Energieberatungsbüro EFA-Institut warb für neue Speicher- und Management-Systeme für Solaranlagen. „Mit den neuen Techniken ist für Hausbesitzer beim Strom ein Eigenversorgungsanteil von 70 bis 80 Prozent möglich“, sagte EFA-Geschäftsführer Joachim Eitner. Auch wegen der aktuell niedrigen Zinsen seien solche Investitionen inzwischen rentabel. Die Veranstalter, die Gemeinden Gräfelfing, Krailling, Neuried und Planegg sowie der Wirtschaftsclub Neuried, planen jetzt die Veranstaltung zu etablieren. „Die Würmtaler Energietage wird es im jährlichen Wechsel in den vier Würmtal-Gemeinden wieder geben“, teile der Wirtschaftsclub mit.

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