Die Angeklagte beim Prozessauftakt im Gerichtssaal. Foto: Oliver Lang/ddp

39-Jährige steht wegen zweifacher Kindstötung vor Gericht

Haar - Sie hat ihr Leben nicht in den Griff gekriegt: Die 39-Jährige aus Haar, die zwei ihrer Babys nach der Geburt getötet haben soll, erzählte vor Gericht von ihren Problemen. Zu den Taten schwieg sie.

Keiner sieht das Gesicht der Angeklagten (39), die mutmaßlich zwei ihrer Kinder sterben ließ. Als die Fotografen im Raum sind, verhüllt sich die Frau mit einem schwarzen Tuch. Während der Verhandlung dreht sie dem Publikum beharrlich den Rücken zu. Zu den Vorwürfen, dass sie ein neugeborenes Mädchen und einen Buben nach der Geburt tötete, schweigt sie. Nur zur Person äußert sie sich. Ihr Lebenslauf ist eine einzige Aufzählung von Problemen.

Sie habe ihr Leben nicht im Griff gehabt, sagt die 39-jährige, gelernte Einzelhandelskauffrau. Vor allem seit einem Motorradunfall im März 2002, bei dem sie sich das Handgelenk zertrümmerte, habe sie „gar nichts mehr auf die Reihe gekriegt“ – in Bezug auf ihr Leben, ihre Wohnung, ihre beiden Kinder, ein heute 18-jähriger Sohn und eine achtjährige Tochter. Seit dem Unfall nahm sie Schmerzmittel und Stimmungsaufheller in rauen Mengen. Dann war sie „fröhlicher“. Um an die Mittel zu kommen, ging sie immer wieder zu verschiedenen Ärzten und erzählte ihnen, sie habe Brustkrebs und leide unter der Chemotherapie. Die erfundene Krankheit hatte auch einen Effekt auf ihr Umfeld: „Die Leute sind dadurch besonders auf mich eingegangen.“

Die Angeklagte stammt aus schwierigen familiären Verhältnissen. Alle Probleme seien „totgeschwiegen“ worden. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, die Mutter war alkoholkrank und ließ sich vom Stiefvater scheiden. Die Schwester der 39-Jährigen war drogensüchtig und stürzte sich vom fünften Stock in den Tod. Die Angeklagte brach in Tränen aus, als sie davon erzählte. „Meine Mutter schob mir die Schuld zu, weil ich sie wegschickte.“

In jungen Jahren war die Angeklagte verheiratet. Seit der Scheidung hatte sie wechselnde Männerbekannschaften. Zuletzt war sie mit einem 19-Jährigen zusammen. Sie sagte nicht, wer die Väter ihrer toten Babys sind. Auf die Verhütung angesprochen sagte sie, dass sie bis 1994 die Pille genommen habe, danach unregelmäßig und seit dem Unfall überhaupt nicht mehr. „Ich hab mir darüber keine Gedanken gemacht, dann wär das Kind einfach gekommen.“ Der Richter fragte, wie sie das dann organisatorisch gemacht hätte, wo sie schon zwei Kinder habe. Antwort: „Meine Tante hätte mich unterstützt. Ich hätte es alleine eh nicht geschafft.“ Der Frau wird vorgeworfen, dass sie 1995 in Neuried ihre Tochter und 2009 in Haar ihren Sohn nach der Geburt tötete.

Von Nina Gut

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