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Das alte Neurieder Feuerwehrhaus wird abgerissen, um den Bau des neuen Grundschultraktes zu ermöglichen.

Zwei Feuerwehrhäuser auf einen Streich

80 Jahre Ortsgeschichte verschwinden

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Das alte Feuerwehrhaus in der Neurieder Ortsmitte muss weichen – für den Ersatzneubau des alten Grundschultrakts, für ein zukünftiges Rathaus. Anlass genug, einen Blick auf die Geschichte des Gebäudes zu werfen – denn die ist bewegt.

Neuried – Drei Feuerwehrhäuser, aber kein einziges Rathaus habe sich die Gemeinde Neuried binnen eines Jahrhunderts gebaut, scherzte Bürgermeister Harald Zipfel in seiner Rede anlässlich des 140. Geburtstags der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr im Mai. Zwei dieser Feuerwehrhäuser verschwinden nun auf einen Schlag. Denn um den alten Grundschultrakt abreißen und durch einen Neubau ersetzen zu können, müssen die Baumaschinen dort hinkommen. Da steht das Feuerwehrhaus im Weg. Und wenn Neuried sich anschließend ein modernes Rathaus in der Ortsmitte schaffen möchte, wird es ungefähr dort stehen, wo nun das alte Feuerwehrhaus steht. Beziehungsweise die zwei.

Dass es sich um eigentlich zwei Gebäude handelt, sieht man erst auf den zweiten Blick. „Das neue Gerätehaus wurde einfach um das alte Gebäude herumgebaut“, erklärt Reinhard Lampe, Archivar der Gemeinde Neuried. Denn das erste Feuerwehrhaus stammt aus den 1930er-Jahren. Im Gemeinderatsprotokoll vom 20. Oktober 1936 heißt es: „Die Gemeinde beabsichtigt, ein Gerätehaus für die Freiwillige Feuerwehr zu bauen.“

Gerätschaften vorher wohl in Schuppen untergebracht

Davor waren die Gerätschaften der Floriansjünger im Gemeindehaus an der Gautinger Straße untergebracht. „Wahrscheinlich in einem Anbau oder in einem Schuppen“, vermutet Lampe. Doch, so steht es im Protokoll, sei das Gebäude baufällig und die räumliche Situation mehr als beschränkt. Also baute die Gemeinde ein ordentliches Gerätehaus, das 1969/70 umgebaut und durch Anbau erweitert wurde.

Geplant wurde der Umbau noch unter Bürgermeister Franz Schuster, selbst seit 1914 Feuerwehrler, ab 1927 Feuerwehrkommandant, dann Kreisbrandmeister, Ehrenkommandant der Neurieder Feuerwehr und Ehren-Kreisbrandmeister. Da Schuster 1968 starb, sah er den erweiterten Bau nicht mehr vollendet. „Aber er hat das auf alle Fälle noch mit geplant“, sagt Archivar Lampe. Und auch am Vorgängerbau war er beteiligt gewesen. Auch wenn Schuster zu Zeiten der Planung für den aus den 1930-er Jahren stammenden Teil selbst nicht im Gemeinderat saß, familiär war er durch seinen Bruder in dem Gremium vertreten. In einem Zeitungsartikel zu seinem 25-jährigen Jubiläum als Kommandant vom 12. Februar 1952 heißt es, sein Einsatz habe entscheidend zur Errichtung eines neuen Feuerwehrhauses beigetragen.

Aktuelles Feuerwehrhaus wird 2001 bezogen

Das eigentlich aus zwei Gebäuden bestehende alte Feuerwehrhaus war bis zum Neubau des heutigen Gerätehauses in Betrieb. Spatenstich hierfür war am 1. Juni 1999, das Richtfest für den Neubau am Floriansbogen wurde im Februar 2000 gefeiert. Mit einem Fackelzug am 20. Mai 2001 schlossen die Feuerwehrler ihren Umzug symbolisch ab.

Und das alte Gerätehaus? Das diente nach der Jahrtausendwende noch als Heimstätte für Vereine. Als etwa der Keyl-Teff, der im Gebäude Haderner Weg 1 gleich gegenüber untergebracht war, wegen Einsturzgefahr schließen musste, bekamen die Jugendlichen kurzerhand eine Wohnung im alten Feuerwehrhaus als Ersatztreffpunkt. Seinen ursprünglichen Zweck als Feuerwehrhaus konnte das alte Feuerwehrhaus alsbald nicht mehr erfüllen. Um die fünfarmige Kreuzung in der Neurieder Ortsmitte in eine vierarmige zu verwandeln, wurde das Teilstück des Haderner Wegs mit dem Feuerwehrhaus für den Verkehr gesperrt und somit zur „toten Straße“.

Nach Leitungsbruch waren die Tage des Feuerwehrhauses gezählt

Bis vor etwa drei Jahren nutzte die Mittagsbetreuung das Gebäude noch. Auch das Archiv der Gemeinde war im obersten Stock untergebracht, die Fahrzeughalle diente als Abstellraum. Als wegen eines Leitungsbruchs im Winter 2016/17 die Zentralheizung sowie Strom und Wasser abgestellt werden mussten, wurden sie nach Behebung des Schadens nicht wieder angestellt. „Die Tage waren ohnehin gezählt“, sagt Reinhard Lampe. Dennoch harrte der Archivar mit seinen Dokumenten im alten Feuerwehrhaus aus – ohne Strom, Heizung, Wasser, Telefon und Internet. Doch als Anfang dieses Jahres die Gemeindeverwaltung an den Hainbuchenring umzog und das Bauamt das alte Rathaus bezog, kam Lampe mit seinem Archiv mit. Nun steht das alte Feuerwehrhaus leer. Und wartet auf die Abrissbirne. Mit ihm wird ein mehr als 80 Jahre altes Stück Ortsgeschichte verschwinden.

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