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Der Bürgermeister packt an: Harald Zipfel macht die Hängeregister aus seinem alten Büro umzugsfertig. 

Von der Ortsmitte an den Hainbuchenring

Ein Rathaus zieht um

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Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Gemeindeverwaltung mit Sack und Pack umzieht. Doch vor dem Neurieder Rathaus rückten am Freitag die Möbelpacker an. Ab Dienstag ist die gesamte Verwaltung bis auf das Bauamt im Gewerbegebiet zu finden. Wir haben den Rathaus-Umzug begleitet.

Neuried – In den Gängen türmen sich Umzugskartons. Zwei Tranchen à 500 Stück musste die Gemeinde bestellen. Gelbe, grüne und rote Aufkleber verraten, in welches Zimmer welche Kiste anschließend kommen soll. Die Amtsstuben sind bis auf ein paar Schreibtische leergeräumt, nur die Computer und Telefone darauf verraten, dass hier bis vor wenigen Augenblicken noch gearbeitet wurde. Sie werden als Letztes eingepackt. Nur die Schränke an den Wänden dürfen stehen bleiben, zu häufiges Auf- und Abbauen tut ihnen nicht gut. Und ohnehin freuen sich die Nachfolger über ein paar Möbel, die sie nicht selbst mitbringen müssen.

Es ist Donnerstagnachmittag, das große Kistenpacken in Neuried geht in seine heiße Phase. Kurz zuvor war im alten Rathaus in Neurieds Ortsmitte noch Parteiverkehr, wenige Minuten vor 12 Uhr haben Bürger es zum letzten Mal durch die Tür an der Planegger Straße verlassen. Nun heißt es Kisten packen. Denn die 24 Mitarbeiter der Gemeinde Neuried, die bisher ihre Büros im alten Rathaus, der 1912/13 erbauten einstigen Grundschule, hatten, ziehen nun in das Gewerbegebiet am Hainbuchenring. Verwaist bleibt das Gebäude allerdings nicht lange. Im April werden Bauamt und Archiv dort angesiedelt. Denn die weiß-grünen Bauamts-Container müssen für den Abriss des alten Grundschultraktes weichen. Die Baumaschinen kämen anders nicht an das Gebäude hinter dem alten Rathaus heran.

Ausmisten und wegwerfen

Für viele der Mitarbeiter ist der Umzug auch eine Art Befreiungsschlag, eine Gelegenheit, das wegzuwerfen, was sie eigentlich schon immer wegwerfen wollten. Etwa den vom Vorgänger geerbten Aschenbecher. Auch bei den Akten durften die Rathausmitarbeiter ausmisten. Dafür hat die Gemeinde eigens einen blauen Container ausschließlich für Papiermüll, der der Aktenvernichtung zugeführt werden muss, aufgestellt. Etwa anderthalb Tonnen Papier haben sich darin schon gesammelt, gut möglich, dass da noch etwas dazu kommt, wenn dann das Bauamt umzieht. Vier Vorhängeschlösser sichern den Inhalt, aus Datenschutzgründen.

Charmant, aber nicht auf dem neusten Stand

Manches werden die Mitarbeiter an ihrer bisherigen Wirkungsstätte vermissen, anderes nicht. Denn das über 100 Jahre alte Schulgebäude hatte zwar Charme, war aber nie barrierefrei. Jedesmal, wenn jemand mit Kinderwagen kam, musste Johanna Johna, eigentlich Vorzimmerdame des Bürgermeisters, helfen, den Wagen die Treppenstufen hochzutragen – und hatte davon mehr als nur einmal Rückenschmerzen. „Es ist eine Verbesserung in jeder Hinsicht“, sagt Johna über den Umzug in den Hainbuchenring. „Ein bisschen Wehmut ist aber schon dabei.“

Größte Sorge: die Technik

Da kann ihr Neurieds Geschäftsleitender Beamter Alois Sailer nur zustimmen. Dennoch sieht er den Rathaus-Umzug eher gelassen, als „ganz normalen Umzug“. Denn: „Die Umzugskiste schaut immer gleich aus“, sagt Sailer. Viel wichtiger ist ihm, jetzt nach vorne zu blicken. Er hofft, dass am Dienstag, wenn es im „Verwaltungsgebäude mit Rathauscharakter“, wie Bürgermeister Harald Zipfel die neuen Räumlichkeiten einmal nannte, richtig losgeht, auch alles funktioniert, vor allem die Technik.

Umzugskartons und Möbel werden Büro für Büro eingeladen

Freitagmorgen. In den Gängen des alten Rathauses geht es weit wuseliger zu als am Vortag. Das Umzugsunternehmen ist mit zwei Lkw angerückt, sie fahren zwischen altem Rathaus und Hainbuchenring hin und her. Erst wird das Erdgeschoss ausgeräumt, dann ist das obere Stockwerk dran. Die Rathausmitarbeiter sitzen in einem Zimmer, in dem bis zum Vortag noch das Hauptamt untergebracht war. Die Stimmung ist heiter, sie sollen ein bisschen ein Auge darauf haben, dass auch alles so zusammengepackt wird, wie vorgesehen.

Denn anders als bei einem privaten Umzug werden hier nicht Möbel und Kisten getrennt eingeladen, sondern es wird büroweise umgezogen – damit auch alles gleich wieder dort landet, wo es hingehört. Freitag und Samstag haben die Möbelpacker dafür Zeit, der Sonntag dient als Puffer. Am Montag sollen die Kisten wieder ausgepackt werden.

Ein Umzug ist kein Wunschkonzert

Seit April liefen die Vorbereitungen für den Umzug. In die neuen Räume mussten noch Wände eingezogen werden, damit nun jeder ein Einzelbüro hat. Möbel bestellen, Umzugsfirma organisieren – die Gemeinde beschäftigte für die Koordinierung des Umzugs-Projekts extra einen Werkstudenten. Ismail Kaya, 26, BWL-Student. Er hielt Kontakt zum Architekten, versuchte, die Wünsche der Mitarbeiter bei der Gestaltung der neuen Büros so gut wie möglich zu berücksichtigen und zu kommunizieren. Manchmal, wenn jemand noch im letzten Moment umplanen wollte, musste er aber auch taff sein. „Ein Umzug ist eben kein Wunschkonzert“, meint er dazu.

Großzügiger, heller, Wartebereich mit Spielecke

Während das alte Schulgebäude in der Ortsmitte nur etwa 400 Quadratmeter umfasste, sind die neuen Räumlichkeiten mit 1400 Quadratmetern großzügiger. An den Türen der lichtdurchfluteten Büros hängen schon die Namensschilder, nach und nach trudeln Tische und Kartons ein. Es gibt einen Info-Point, einen richtigen Wartebereich mit Spielecke. Und: Toiletten. Getrennte Toiletten für Mitarbeiter und Besucher. Denn im alten Rathaus gab es nur zwei. Im Erdgeschoss die Herrentoilette, im Obergeschoss eine Damentoilette. Besucherinnen und Mitarbeiterinnen mussten sich diese teilen. Und als Teil der ehemaligen Lehrerwohnung war sie sogar noch mit einer Badewanne ausgestattet.

Dass die Toilettenschlange nicht mehr genau vor ihrer Bürotür vorbeigeht, findet Inke Franzen, Pressesprecherin der Gemeinde Neuried, gut. Und dass sie im Sommer ihre Füße nicht mehr in einem Kübel kalten Wassers kühlen muss. Denn in dem über 100 Jahre alten unisolierten Gebäude wurde es extrem heiß, im Winter dagegen sehr kalt. „Es hat gezogen wie Hechtsuppe“, sagt Franzen. Auch wenn sie ihr altes Büro immer sehr gerne hatte – ihrer Meinung nach war es das schönste des ganzen Hauses – versteht sie, dass viele ihrer Kollegen sich schon auf ihre neue Arbeitsstätte freuen.

Endlich barrierefrei

So auch Bürgermeister Harald Zipfel. Er kann es kaum erwarten, endlich in einem wirklich barrierefreien Verwaltungsgebäude seinen Amtssitz zu haben. Und er freut sich darüber, dass nun alles auf einer Ebene liegt, die Wege dadurch kürzer werden. „Da geht man halt mal schnell rüber, bevor man eine E-Mail schreibt“, sagt er. Ganz aus der Welt ist die alte Amtsstube ohnehin nicht. Zipfel: „Ich bin gespannt, wie die vom Bauamt sich dann hier fühlen.“

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