Unterricht am Esstisch: Franziska und Michael Schrader mit ihren Töchtern Felicia (6) und Amelie (6). Marlon und Louis verfolgen gleichzeitig den Online-Unterricht in ihren Zimmern.
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Unterricht am Esstisch: Franziska und Michael Schrader mit ihren Töchtern Felicia (6) und Amelie (6). Marlon und Louis verfolgen gleichzeitig den Online-Unterricht in ihren Zimmern.

Was der Lockdown für Familien bedeutet

Homeschooling mit vier Kindern

  • Peter Seybold
    vonPeter Seybold
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Vor allem für Familien mit Kindern ist die Corona-Ausnahmesituation mit Homeschooling eine Herausforderung. Die Schraders aus Neuried haben vier Kinder in der Schule. Mama Franziska hat ihren Job gekündigt, und Marlon (16) wird das Jahr wohl wiederholen. Ein Beispiel, was der Lockdown für Familien bedeutet.

Neuried – Der zweite Corona-Lockdown bringt für sehr viele Würmtaler Schwierigkeiten mit sich. Wer mehrere Kinder hat, merkt das ganz besonders. Mit den Zwillingen Felicia und Amelie (beide sechseinhalb und in unterschiedlichen ersten Klassen), Marlon (16, Realschüler zehnte Klasse) und Louis (21, 13. Klasse FOS) hat die Neurieder Familie Schrader vier Kinder im Homeschooling – zwei in ihrem ersten Schuljahr, zwei in ihrem jeweiligen Abschlussjahr. Eine besondere Herausforderung für die Familie. „Ich machte viele Stunden fast nichts anderes mehr und habe bereits im September meinen Job gekündigt. Anders würde es fast nicht gehen“, sagt Mama Franziska Schrader.

Die Sozialpädagogin hatte im Fürstenrieder Alten- und Servicezentrum (ASZ) gearbeitet und während des ersten Lockdowns Probleme gehabt: Denn Homeoffice ging in dem ASZ naturgemäß nicht. „Ich hatte daher im Frühjahr alle meine Überstunden abgebaut, den kompletten Resturlaub genommen, dann Minusstunden aufgebaut“, berichtet Schrader. Doch das ging nicht unendlich lang, weswegen die vierfache Mama schließlich in Erwartung eines zweiten Lockdowns ihren Job kündigte.

Nach der Pandemie beginnt wieder die Jobsuche

Eine im Nachhinein richtige Entscheidung, auch wenn dadurch ein finanzielles Minus für die Familie entstand und Franziska Schrader sich nach Ende der Ausnahmesituation auf Jobsuche begeben muss. Die Familie ist dadurch nicht in finanziell existenziellen Nöten, sie hatte sich mit ihrem Gehalt die Urlaube finanziert, die im Augenblick ohnehin wegfallen.

Auch ohne Arbeitsstelle hat die vierfache Mutter mehr als genug zu tun. Papa Michael arbeitet in der Finanzbranche und kann im Homeoffice im Notfall einspringen, muss sich allerdings sonst auf seine Arbeit konzentrieren. Felicia und Amelie bekommen Materialien über die Plattform Padlet zur Verfügung gestellt. Als Erstklässler können sie sich jedoch noch nicht lange auf digitale Geräte konzentrieren. Realschüler Marlon hat ein iPad von der Schule bekommen – sagt aber selbst, dass ihm oft die Motivation fehlt, daheim etwas zu tun. „In der Schule gibt es ja keine Ausweichmöglichkeiten, zu Hause schon, wo er oft mal am Handy daddelt statt zu lernen. Seine Noten sind sehr nach unten gegangen, und es sind derart große Lücken entstanden, dass wir ernsthaft dazu tendieren, dass er die Zehnte wiederholen soll“, sagt Franziska Schrader.

Sohn Louis, der Älteste, kann gut selbstständig arbeiten und versteht auch im Online-Unterricht mit Video-Konferenzen und anderen Methoden vieles, muss sein Fachabitur aber unter erschwerten Bedingungen machen. So hat Louis trotz des angestrebten Wechselunterrichts derzeit weiter nur vereinzelt Unterricht in der Schule. „Die Schulen sind sehr bemüht und machen den digitalen Unterricht oft auch toll. Eine Doppelstunde Mathe digital ist aber schon schwierig. Es fehlt allen insbesondere die soziale Komponente, die Treffen mit den Freunden sowie die gemeinsamen Pausen“, berichtet Mama Franziska.

Die ganze Familie ist die meiste Zeit zu Hause

Da im Moment auch die Hobbys wie Tanzen, Schwimmen und Badminton wegfallen, sind alle sechs Familienmitglieder die meiste Zeit zu Hause. Wo Schraders sonst „schöne Sachen“ am Wochenende gemacht haben, bleibt im Moment allenfalls Spazierengehen. „Natürlich kracht es dann auch mal. Ich habe das Gefühl, dass unser Reihenhaus jede Woche fünf Meter kleiner wird“, sagt Franziska Schrader.

Die Sozialpädagogin hat „absolut Verständnis“ für viele Maßnahmen. Auch helfen die Eltern ihren Kindern etwa bei Fragen, wo es nur geht. Die vier Schrader-Kinder haben es damit besser als viele andere. „Trotzdem frage ich mich“, so Franziska Schrader, „wie sich unsere Gesellschaft nach der Zeit verändert haben wird und was auf uns alle noch zukommt.“

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