Polizei im Forst Kasten
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Polizeibeamte bei ihrem Einsatz im Forst Kasten.

Protest gegen Rodung für Kiesabbau

Polizeieinsatz im Forst Kasten: Beamte holen Demonstranten aus Baumhäusern - Weitere Aktionen angekündigt

  • Laura Felbinger
    vonLaura Felbinger
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Eine kleine Gruppe von Aktivisten hat zwei Baumhäuser im Forst Kasten errichtet und sie besetzt. Am frühen Donnerstagmorgen griff die Polizei ein.

Update vom 10. Juni, 9.50 Uhr: In einem Waldgebiet nahe München hat die Polizei eine Demonstration gegen die Rodung für Kiesabbau verlegt. Die Beamten holten am frühen Donnerstagmorgen zwei Baumbesetzer von einer Plattform im Forst Kasten (siehe Update von 7.33 Uhr).

Forst Kasten: Polizei holt Baumbesetzer von Plattform - Aktivisten kündigen weitere Baumhausaktionen an

Die Aktion verlief laut Polizei „absolut friedlich“. Den friedlichen Verlauf bestätigen auch die Aktivisten. Nach der Räumung werde man nun aber erst einmal pausieren, sagte ein Mitglied der Gruppe. Aber: Es werde weitere Baumhausaktionen geben, kündigte er an. „Wir geben definitiv nicht auf.“ Solange der Wald weiter gerodet werden solle, werde man weitermachen.

Update vom 10. Juni, 7.33 Uhr: Polizeibeamte haben am frühen Donnerstagmorgen zwei Baumbesetzer von einer Plattform im Forst Kasten geholt. Zusammen mit vier weiteren Aktivisten, die sich am Boden aufgehalten hatten, wurden sie an einen anderen Versammlungsort in der Nähe gebracht. Diesen hatte das Landratsamt München bestimmt. Der Behörde zufolge ist er etwa 100 Meter entfernt und besser zugänglich.

Die Aktion verlief laut Polizei „absolut friedlich“. Die Aktivisten hätten nur passiven Widerstand geleistet. Die beiden Baumbesetzer mussten abgeseilt werden. Die Plattformen wurden danach abgebaut. Insgesamt waren 50 Beamte im Einsatz. Seit etwa drei Wochen protestieren Aktivisten mehrerer Gruppen gegen die geplante Rodung (siehe Ursprungsmeldung).

Neuer Hambacher Forst vor Münchens Toren? Erstes Baumhaus steht - Polizei greift ein

Ursprungsmeldung:

Neuried – Am Mittwochnachmittag untersagte das zuständige Landratsamt München den Teilnehmern, auf Bäume zu klettern und bauliche Vorrichtungen an Bäumen anzubringen. Außerdem soll der Versammlungsort um 100 Meter an „eine besser geeignete Örtlichkeit“ verlegt werden.

Der Bescheid wurde den Aktivisten laut Landratsamt durch die Polizei übergeben. Inwieweit die Polizei bei Verweigerung der Umsetzung einschreitet, war bis Redaktionsschluss nicht bekannt.

Forst Kasten: Polizei unterbindet Vollendung des zweiten Baumhauses

Die beiden Baumhäuser zimmerten die Waldbewohner bereits am Dienstag aus Holzpaletten etwa sieben Meter über dem Boden, wobei nur eines fertig wurde, dann schritt die Polizei ein. Vier Klimaschützer besetzen seitdem das Haus in luftiger Höhe. „Die Polizei wollte, dass wir runterkommen, aber wir haben uns geweigert“, erklärt Ingo Blechschmidt (32), einer der Baumbesetzer.

Mit drei Mitstreitern hat Blechschmidt die Nacht dort verbracht. „Wir stellen uns friedlich gegen eine Rodung des Waldes“, erklärte der Mathematik-Dozent aus Augsburg. Mindestens bis zur geplanten Rodung des Forstes in ein bis zwei Jahren wollen die Klimaschützer bleiben. Sie hoffen, dass immer mehr Gleichgesinnte dazustoßen und ein Baumhausdorf wie im Hambacher Forst entsteht.

Neuried: Bürgerinitiative unterstützt Baumschützer aus zweiter Reihe

Auch die Bürgerinitiative „Wald Neuried erhalten“ war vor Ort. „Als wir die Mitteilung über die Aktion bekommen haben“, sagte auf Anfrage Malwina Andrassy von der Bürgerinitiative, „haben wir gleich Daniela Ewers von der Stadtratsfraktion der Grünen informiert, damit ein parlamentarischer Beobachter vor Ort ist, um zu vermitteln“.

Als Bürgerinitiative, die seit Monaten gegen den Kiesabbau im Forst Kasten kämpft, stehen sie zwar eindeutig hinter den Waldbesetzern und unterstützen sie auch, so Andrassy. Aktiv beteiligen werden sie sich allerdings nicht an der Baumhaus-Aktion. Andrassy: „Wir haben gehofft, dass die Mahnwache im Wald ausreicht.“

Streit um Rodung in Münchens Südwesten: BR-Sendung am Donnerstag

Seit Mai gibt es 250 Meter weiter diese friedliche Demonstration für den Erhalt des Waldes. Auch am Dienstagnachmittag versammelten sich an die 100 Bürger und Unterstützer. Auslöser war eine Berichterstattung der Sendung „quer“ des Bayerischen Fernsehens, die am Donnerstag um 20.15 Uhr zum Thema „Wo sind all die Bäume hin? Wie Bayerns Wälder verschwinden“ einen Beitrag sendet.

Die Bürgerinitiative „Wald Neuried erhalten“ bedauert, dass eine Waldbesetzungsaktion überhaupt nötig ist. Der Sozialausschuss der Stadt München hatte im Mai einer Firma den Zuschlag zum Kiesabbau erteilt. Ob dieser genehmigungsfähig ist, prüft das Landratsamt derzeit. Carolin Högel

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