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Jetzt soll es schnell gehen: Bis August soll der Abriss des Hettlage_Gebäudes erledigt sein. 

Abriss des Hettlage-GEbäudes

„Ich hätte am liebsten gesprengt“

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Nach Jahren des Wartens soll es nun schnell gehen. In wenigen Monaten soll das alte Hettlage-Gebäude verschwunden sein.

Neuried – In der Ruine an der Forstenrieder Straße arbeiteten einst 150 Menschen. Von hier aus verwalteten sie eine der großen deutschen Textilkaufhaus-Ketten. Gut zwölf Jahre ist es her, dass in Neuried mit der Insolvenz die Geschichte eines Familienunternehmens endete, die 1896 im westfälischen Münster begonnen hatte. Nun ist auch das Ende des letzten Verwaltungssitzes der Firma Hettlage gekommen, der zuletzt vor sich hin schlummerte und verfiel. Draußen wurde bereits gerodet (wir berichteten), und auch im Inneren wird der Einsatz der Abrissbagger vorbereitet.

Das Betreten der Hettlage-Ruine, die jetzt neuen Gewerbebauten weichen muss, ist nur für die Bauarbeiter möglich. Zu gefährlich sei das, heißt es. Deckenteile hängen lose herab, und – wo sie nicht sowieso schon herausgerissen und gestohlen wurden – auch unzählige Kabel. Überall liegen Glassplitter. Selbst der Polizei, der die Eigentümer das Haus zwischenzeitlich als Trainingsstätte für Spezialeinheiten angedient hatten, wollte ihre Einsatzkräfte hier nach kurzer Zeit nicht mehr üben lassen.

Wie es drinnen aussieht, lässt sich auch nachvollziehen, ohne selbst hineinzugehen. Sogenannte „lost places“, verlassene Orte, sind beliebte Motive bei Hobby-Fotografen, die ihre Bilder gerne im Internet präsentieren. Die Bilder belegen jedoch, dass die Hettlage-Ruine wohl nie ein ganz verlassener Ort war.

Die Fotos zeigen unzählige Graffiti, künstlerisch mal mehr, mal weniger anspruchsvoll. Einen Raum in einem der Obergeschosse hat sich jemand mit zwei Matratzen auf dem Boden, einer weiteren auf einem Bettgestell und sogar einem Sessel eingerichtet. Auf einem anderen Foto steht in der Ecke eines Raumes eine große blaue Einkaufstasche eines Möbelhauses voll mit Kleidung, daneben ein Paar Pantoffeln.

Vor dem G7-Gipfel in Elmau im Jahr 2015 hatte die Polizei das Gebäude verstärkt im Blick. Man fürchtete, gewaltbereite Gipfelgegner könnten sich hier sammeln und verstecken. Aber auch danach rückte die Polizei immer wieder an, weil sich Menschen in dem Gebäude aufhielten. Die Beamten beendeten sogar Grill-Partys auf dem Dach.

Viele der Besucher ließen aber einfach nur Zerstörungswut walten. Sie schlugen Feuerlöscher durch Rigips-Wände und zertrümmerten Fensterscheiben. Was in ihren Augen vielleicht unproblematisch schien – es war ja nur eine Ruine–, erweist sich jetzt stellenweise als problematisch. Wegen der Glassplitter muss das Erdreich um das Gebäude herum nun als Sondermüll entsorgt werden.

Überhaupt muss das Gebäude beim Abriss feinsäuberlich in seine Bestandteile zerlegt und nach Materialart in Haufen aufgeschüttet werden, die einzeln entsorgt werden müssen. Die Haufen sollen ganz am westlichen Rand des Grundstücks aufgeschüttet werden, damit auch vor ihrer Entsorgung genug Platz da ist für erste Bauarbeiten.

Nachdem jahrelang nichts passiert war, weil Gemeinde und Eigentümer sich nicht auf ein Nutzungskonzept einigen konnten, soll es jetzt schnell gehen. „Ich hätte am liebsten gesprengt“, sagt Grundstückseigentümer Andreas Lesser. „Doch die Sprengmeister haben mir gesagt, dass die Sicherheitsauflagen zu hoch wären. Man hätte in der Karwendelstraße alle Häuser räumen müssen.“

So wird nun ein Bagger mit einer mächtigen Zange an einem langen Greifarm das Skelett aus Stahlbeton zerschneiden, sobald innen entkernt und außen die Verkleidung abgenommen ist. Das muss allerdings noch warten. Noch ist das Hettlage-Gebäude möglicherweise bewohnt.

Das Erdgeschoss und der Keller, in dem schon lange das Wasser steht, gelten als Winterquartier für Fledermäuse und dürfen vor April nicht angetastet werden. Trotzdem soll der Abriss bis August erledigt sein. Bis zum nächsten Winter sollen die Spundwände für die Tiefgarage gesetzt und eine Baugrube ausgehoben sein. „Über der Geländeoberfläche wird aber in diesem Jahr sicher nichts Neues zu sehen sein“, sagt Lesser.

Dazu bräuchte es auch erst einmal eine Baugenehmigung, für die zunächst der neue Bebauungsplan Rechtskraft erlangen muss. Dessen zweite öffentliche Auslegung steht noch aus, und es fehlen weiterhin Gutachten zur Verkehrserschließung. Zudem haben Bürger bereits Klagen g angekündigt. Mit der Ruhe auf dem Hettlage-Areal ist es trotzdem bald vorbei.

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