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Typisierungsaktion : In Gauting kamen im vergangenen Jahr 432 Freiwillige ins Rathaus, um sich als potenzielle Spender für eine erkrankte Mitbürgerin testen zu lassen. In Neuried hofft man auf eine ähnlich große Resonanz. 

Typisierungsaktion

Kinderhaus will Großmutter retten

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Zwei Kinder aus Neuried könnten ihre Oma verlieren. Das hat ihre Erzieher im Kindergarten so mitgenommen, dass sie versuchen, der Großmutter das Leben zu retten – und jeder ist aufgerufen, mitzuhelfen. 

Neuried– Die Kinder sind zwei und fünf Jahre alt. Der Große weiß, dass seine Oma sehr krank ist. Aber wie krank sie wirklich ist, das kann er kaum erahnen. Seine Oma hat Leukämie. Dass für sie bislang kein Stammzellenspender gefunden werden konnte, wollen die Erzieher der beiden Kinder vom Kinderhaus an der Zugspitzstraße in Neuried so nicht stehen lassen. Um ihr Leben zu retten, legen sie sich jetzt ins Zeug. Sie nutzen ihre Kontakte und ihre Räumlichkeiten, laden die DKMS ((ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) ein und geben damit am Freitag, 8. Dezember, zwischen 16 und 19 Uhr, jedem die Möglichkeit, die Großmutter der beiden Kinder zu retten. Jeder zwischen 17 und 55 Jahre kann sich dort als potenzieller Stammzellspender registrieren lassen.

Das geht einfach und schnell: Dazu braucht es nur ein Wattestäbchen. Mit diesem wird ein Abstrich der Wangenschleimhaut durchgeführt. Dann werden die Gewebemerkmale im Labor bestimmt. Das war es. Wird ein Mensch mit nahezu den gleichen Gewebemerkmalen im Blut gefunden, wie denen der Neurieder Oma, und ist dieser Mensch auch noch zu einer Stammzellspende bereit, naht die Rettung für die Frau.

Die DKMS weist darauf hin, dass es nur sehr selten vorkommt, dass zwei Menschen nahezu identische Gewebemerkmale haben. Im günstigsten Fall liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:20 000, bei seltenen Gewebemerkmalen findet sich eventuell unter mehreren Millionen kein genetischer Zwilling, so steht es in einem Flugblatt der DKMS, das diese Woche in Neuried verteilt werden soll.

Die Oma der beiden Kinder liegt den Erziehern in Neuried am Herzen. Früher sei die etwa 70 Jahre alte Frau immer mal wieder ins Kinderhaus an der Zugspitzstraße gekommen, um ihre Enkel abzuholen. Jetzt sei sie schon länger nicht mehr da gewesen. Sie befinde sich schon eine Zeit lang im Krankenhaus. „Es geht ihr richtig schlecht“, sagt die Leiterin des Kinderhauses, Svenja Seiler. „Seit Ewigkeiten sucht sie verzweifelt einen Spender.“ Aus der Familie komme keiner in Frage.

Durch die Aktion des Kinderhauses in Neuried wächst die Datenbank der DKMS jetzt ein Stück weiter. Damit steigt am 8. Dezember die Hoffnung für weitere Blutkrebspatienten – nicht nur für die Neurieder Familie. Betreuer und Leitung des Kinderhauses hatten zunächst überlegt, nur sich selbst typisieren, sprich testen zu lassen, ob sie als Spender in Frage kommen. „Dann haben wir gedacht, das ist zu wenig“, sagt Seiler. Jetzt werden sämtliche Eltern in Neuried auf den Plan gebracht, die Mitglieder der Feuerwehr alarmiert und an die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung appelliert, die Werbetrommel zu rühren. Es werden E-Mails verschickt und Flugblätter verteilt. Jeder, der im Würmtal und darüber hinaus bereit ist, sich als Spender registrieren zu lassen, ist eingeladen. „Wir hoffen auf möglichst großen Zulauf“, sagt Seiler.

Stammzellenspende - Wie es abläuft:

Wer nach seiner Registrierung tatsächlich als Spender in Frage kommt, den erwartet laut DBMS folgendes: Die periphere Stammzellenentnahme wird in 80 Prozent der Fälle angewandt. Dabei wird dem Spender über fünf Tage der Wachstumsfaktor G-CSF verabreicht, der auch natürlich im Körper vorhanden ist. Dieses Medikament steigert die Anzahl der Stammzellen im Blut, die dann über ein spezielles Verfahren direkt aus dem Blut gewonnen werden. Während der Gabe des Medikaments können grippeähnliche Symptome auftreten. Die Knochenmarkentnahme wird in 20 Prozent der Fälle angewandt. Bei dieser Methode werden dem Spender unter Vollnarkose aus dem Beckenkamm etwa fünf Prozent seines Knochenmarks entnommen. Dieses regeneriert sich nach etwa zwei bis vier Wochen wieder. Nach der Entnahme kann für wenige Tage ein lokaler Wundschmerz entstehen– ähnlich dem einer Prellung. Zur Knochenmarkentnahme bleibt der Spender für zwei bis drei Tage im Krankenhaus. Anschließend sollte er nach Rücksprache mit der Entnahmeklinik zur Erholung für ein paar Tage zu Hause bleiben. Das Risiko der Knochenmarkentnahme sei gering. Es beschränke sich im Wesentlichen auf das Narkoserisiko, so die DKMS.

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