+
Die Mitarbeiter des Roten Kreuzes hatten hatten auch Spielzeug dabei für Kinder, die mit ihren Eltern in die Akutbetreuungsstelle in die Grundschul-Aula kamen.

Sprengmeister ordnete schnellstmögliche Entschärfung an

Fliegerbombe: Keine Zeit für eine Evakuierung

  • schließen

Beim Fliegerbomben-Fund auf dem ehemaligen Hettlage-Gelände in Neuried hat es der Sprengmeister eilig gehabt. Für eine Evakuierung blieb keine Zeit.

Neuried – Kreisbrandinspektor Walter Probst erwischte der Alarm im Büro. Es war 14.24 Uhr. Der Planegger Dachdeckermeister ließ alles stehen und liegen, stieg ins Auto und machte sich auf den Weg nach Neuried. Die Bombe, die dort auf ihn wartete, war nicht seine erste. An die fünf Mal war er schon an einem solchen Einsatz beteiligt, aber diesmal war alles anders. „Die zeitliche Vorgabe war eine andere, als man es sonst gewohnt ist.“

Als Weihnachten 2016 in Augsburg eine Fliegerbombe entschärft wurde, wurde vorher tagelang geplant, über 50 000 Menschen wurden evakuiert. Auf dem ehemaligen Hettlage-Areal in Neuried ordnete der Sprengmeister an, die Bombe schnellstmöglich zu entschärfen. „Wäre die Lage stabil gewesen, wäre die Bombe vermutlich Freitagvormittag gesprengt worden.“ Dass sie mit Luft in Kontakt geraten war, hätte aber zum Problem werden können. Dass ein Baggerfahrer sie bereits bewegt hatte, war schon ein Problem. Die Folge: „Der Sprengmeister wollte so schnell wie möglich den Zünder raus haben“, erklärt Probst. Und so kam es, dass bei der Entschärfung der Bombe in Neuried kein Mensch evakuiert wurde. „Wir hätten eigentlich 2830 Leute evakuieren wollen. Aufgrund des engen Zeitfensters war das schier unmöglich“, sagt Probst.

Polizei und Feuerwehr geht von Haus zu Haus

Also gingen Polizei und Feuerwehr von Haus zu Haus und informierten die Bewohner. Sie sollten weg von ihren Fenstern bleiben. Wie damals in Schwabing im August 2012 hätte die Druckwelle dazu führen können, dass Glasscheiben kaputt gehen. Mehr hätte den Anwohnern aber nicht gedroht, meint er.

Wer sich in seinem Zuhause unwohl fühlte, der wurde in der Aula der Grundschule willkommen geheißen. 39 Personen nutzten diese Möglichkeit. Rettungsdienste hatten dort eine Akutbetreuungsstelle eingerichtet. Wie Einsatzleiter Oliver Schütz vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) berichtet, hatten die Helfer außer Sitzgelegenheiten auch Spiele, Zahnbürsten und Hygieneartikel dabei. Weil die Entschärfung schnell ging, „hatten wir aber nicht die Probleme, die man hat, wenn sich so eine Lage über Stunden und Tage hinzieht“, erklärt Schütz. Daher sei die Stimmung gut gewesen. Der Planegger Walter Mungel, Fachdienstleiter „Technik und Sicherheit“ im Kreisverband des BRK, war auch kurz vor Ort. Er hätte im Notfall Feldbetten liefern sollen. „Dadurch, dass alles so reibungslos ging, durfte ich aber wieder heimfahren“, sagt er.

Gegen 20 Uhr durfte auch Probst zurück ins Büro. Da war die Bombe bereits seit zwei Stunden entschärft. Für den Grundstückseigner wird der Einsatz mit 250 Rettungskräften weitgehend folgenlos bleiben. Probst: „Bei Gefahr für Leib und Leben wird keine Rechnung gestellt.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Weiter Weg für Würmtaler Förderschüler
Grundschüler aus dem Würmtal müssen weite Strecken zurücklegen, wenn sie zusätzlichen Förderbedarf haben. Der Versuch, das zu ändern, ist gerade gescheitert.
Weiter Weg für Würmtaler Förderschüler
Gemeinderäte stellen sich Wiederwahl
Die CSU Neuried hat ihre Kandidaten für die Kommunalwahl am 15. März 2020 aufgestellt. Auf der Liste finden sich neben bekannten Namen auch neue Gesichter, darunter zwei …
Gemeinderäte stellen sich Wiederwahl
Haushalt 2020: Von Krise keine Spur
Krise? Welche Krise? Die Gräfelfinger Gemeindefinanzen lassen nach wie vor keine Konjunkturdelle erkennen. Im Gegenteil. Die Kommune hat trotz hoher Investitionen prall …
Haushalt 2020: Von Krise keine Spur
Schülerrückgang am Feodor-Lynen-Gymnasium: „Die gehen woanders hin“
Die Schülerzahlen am Planegger Feodor-Lynen-Gymnasium sind seit Jahren Rückläufig. Obwohl Einwohner- und Geburtenzahlen sich kaum geändert haben. Dennoch hat die Schule …
Schülerrückgang am Feodor-Lynen-Gymnasium: „Die gehen woanders hin“

Kommentare