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Der Grund der Sperrung: Die Unterkonstruktion der Hallendecke, hier auf einem Bild aus der Bauzeit noch ohne Verkleidung, soll fehlerhaft installiert worden sein. Insgesamt zählt die Gemeinde in dem Bauwerk 460 Mängel, die bei der Abnahme übersehen worden seien. 

Sperrung mindestens bis Oktober

Rechtsstreit verhindert Hallennutzung

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Die Neurieder Mehrzweckhalle bleibt noch monatelang gesperrt. Aus Beweissicherungsgründen will die Gemeinde, die sich mit Architekten und Baufirmen im Rechtsstreit befindet, am momentanen Zustand nichts ändern.

Neuried – Die Neurieder Vereine können die Mehrzweckhalle weiterhin nicht nutzen. Auch Schulsport wird zum Beginn des neuen Schuljahres im September noch nicht möglich sein. In der Gemeindeverwaltung rechnet man derzeit mit einer Sperrung bis Oktober oder November.

Die Deckenverkleidung in der Halle wird wegen scheinbar fehlerhafter Montage wie berichtet als Sicherheitsrisiko gesehen. Sie wäre zwar schnell entfernt, doch weil die Firma, die sie angebracht hat, jeden Fehler bestreitet, soll die Konstruktion mindestens so lange hängen bleiben, bis ein unabhängiger Gutachter den Zustand in Augenschein genommen hat. Das mit dem Streit befasste Landgericht München habe zwar mittlerweile einen Gutachter bestellt, berichtet Neurieds Bürgermeister Harald Zipfel. „Konkrete Termine gibt es aber nicht.“

Für die Gemeinde geht die Aufarbeitung der Bauphase über das Problem mit der Hallendecke hinaus. Auch gegen die Firma, die die Außenfassade des 2016 eröffneten Gebäudes angebracht hat, geht man wegen Mängeln juristisch vor.

In der Sitzung des Bauausschusses am Dienstag berichtete ein Mitarbeiter des Bauamtes von insgesamt 460 Mängeln, die man nach Übergabe der Halle gefunden habe. Nicht einmal ein Drittel ist bisher behoben. Für rund 160 Punkte der Liste hat die Abwicklung noch gar nicht begonnen. In 70 weiteren Fällen habe man mit den betroffenen Firmen vereinbart, die Schäden zunächst weiter zu beobachten, etwa bei Rissen im Sichtbeton, die sich noch ausweiten könnten.

Kleinere optische und technische Mängel wie unsauber ausgeführte Malerarbeiten oder nicht funktionierende Steckdosen machen den größten Teil der Beanstandungen aus. Aber es gibt auch eine Reihe von Mängeln, die die Gemeinde als gravierend einstuft. Neben der Verkleidung der Hallendecke und der Außenfassade ist das etwa nicht ausreichend bruchsicheres Glas in bodentiefen Fenstern auf Fluren, auf denen auch Kinder laufen. Hier hat man sich mit provisorischen Sicherungen beholfen, die ausführende Firma hat mittlerweile den Austausch zugesagt.

Viele der Mängel seien so offensichtlich, dss das mit der Hallenplanung und der Bauleitung beauftragte Architekturbüro sie eigentlich hätte sehen müssen, sagt Neurieds Bauamtsleiterin Dagmar Hasler. Aufgrund des Zeitdrucks habe sich auch die Gemeinde zu Nachlässigkeit verleiten lassen, sagt Hasler. Einige Abnahmen hat die Gemeinde aus Termingründen scheinbar letztlich alleine gemacht. Bei Protokollen zu anderen Abnahmen fehlen offenbar die Unterschriften der anwesenden Mitarbeiter des Architekturbüros. Die technische Abnahme sei aber wie die Bauleitung trotz allem Aufgabe des Büros gewesen. „Wir haben eine fertige Halle bestellt.“ Deshalb richten sich die Klagen zu Hallendecke und Fassade jeweils auch gegen das Architekturbüro. Das Büro aus Nürnberg will sich dazu derzeit nicht äußern. Man kenne die öffentlich erhobenen Vorwürfe im Detail nicht.

Das Problem für die Gemeinde ist, dass ab dem Zeitpunkt der Abnahme eines Gewerks die Beweislast für eine Mangelhaftigkeit erstmal bei der Gemeinde liegt. Betroffene Firmen würden eine Mangelhaftigkeit ihrer Arbeit aber schlicht abstreiten, sagt Hasler. In einem Fall habe eine Firma, der die Gemeinde gravierende Fehler vorwirft, sogar um ein Zertifikat für ihre ausgezeichnete Arbeit gebeten.

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