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Im Blitzlichtgewitter wie hier 2016 in München fühlt sich Jeanette Hain wohl.

Von Filmsets in die Heimat Neuried

Jeanette Hain: Rückkehr ins Idyll der Kindheit

„Wie aus der Welt gekippt“ findet Schauspielerin Jeanette Hain ihren Heimatort Neuried. Zwischen Dreharbeiten und Alltag in Berlin kommt sie immer wieder gerne zurück.

Neuried – In die Gautinger Straße einbiegen, rechts am Gasthaus Lorbeer vorbei – genau in diesem Moment fühlt sich Schauspielerin Jeanette Hain wie in einer Zeitmaschine. Dass sich Neuried, der Ort ihrer Kindheit, seine Mitte bewahrt hat, gefällt der Schauspielerin („Die Pfeiler der Macht“, ZDF-Zweiteiler) sehr: „Ich liebe es, wenn Orte sich treu bleiben.“

Aus dem Garten, über die Felder, in den Wald - Jeanette Hains Neuried von früher

Verändert hat sich freilich viel in den letzten 25 Jahren in der kleinen Gemeinde vor den Toren Münchens. „Aber trotz der vielen Neubauten ist der Herzschlag des Dorfes von einst geblieben“, findet die zierliche, blonde Frau, die mit ihren Eltern im Alter von drei Jahren nach Neuried gezogen und dort groß geworden ist.

Im Neuried ihrer Kindheit konnte man direkt aus dem Garten hinaus auf die Felder in Richtung Wald marschieren. „Wir haben Zwerghühner gehalten und waren stundenlang im Wald unterwegs und haben Baumhäuser gebaut“, erinnert sich Hain. „Im Herbst ließen wir Drachen steigen und im Winter konnte man sich die Langlaufskier anschnallen und einfach losfahren.“ Rückblickend eine sehr innige Verbindung zwischen Wohnen und Natur, findet sie. „Die ländliche Idylle war für mich jeden Tag aufs Neue ein Geschenk“, so die Schauspielerin.

Am „Bunker“ die Liebe zum Theater gefunden

Die Erinnerungen scheinen die 48-Jährige zu beflügeln, und ihr fällt plötzlich vieles wieder ein: Bilder, Gefühle, Gerüche. „Ich erinnere mich noch gut an den Geruch meiner Schule.“ Jeanette Hain besuchte, nach der Grundschule in Neuried, das Gymnasium im benachbarten Fürstenried-West, ob seiner Betonbauweise allgemein als „Bunker“ bekannt. Dass das Lernen nicht so ihre Sache war, gibt sie heute unumwunden zu.

Dafür umso mehr die Bunker-Theatergruppe. Sie beginnt zu schwärmen von Aufführungen wie Michael Endes „Gauklermärchen“ oder Stücke von Tschechow. „Damals war mir schon sehr klar: Das ist meins. Das bin ich.“ Die Theatergruppe damals habe sie sehr beflügelt.

Mit Devid Striesow drehte Jeanette Hain den ARD-Fernsehfilm „Göttliche Funken“.

Trotzdem studierte die Mutter zweier Kinder erst einmal Regie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Drei Jahre später wurde sie dann als Schauspielerin für den Fernsehfilm „Die Cellistin – Liebe und Verhängnis“ entdeckt. Es folgten viele Kino- und Fernsehproduktionen, unter anderem die Filmkomödie „Frau Rettich, die Czerni und ich“ oder an der Seite von Devid Striesow und Anna Maria Mühe der ARD-Fernsehfilm „Göttliche Funken“.

Neuried ist ihre Heimat, Berlin gehört das Herz

Jeanette Hain bekam mit Anfang Zwanzig ihren Sohn. Mit ihm lebte sie auch kurz in Neuried, bevor es sie dann nach Schwabing verschlug und später, als der Sohn ein Teenager wurde, nach Berlin. Denn seit sie fünfzehn Jahre alt war, musste Neuried mit einer richtigen Großstadt konkurrieren. „Damals besuchte ich Berlin und verliebte mich Hals über Kopf in diese Stadt.“ Es war klar, dass sie irgendwann dort leben wollte. Und das tut sie seit mehr als zehn Jahren und fühlt sich dort in Kreuzberg mit ihrer elfjährigen Tochter sehr wohl. Neuried bleibt aber auf jeden Fall immer Heimat, sagt sie. „Ich bin hier verwurzelt.“

Wenn sie im Elternhaus auf der Bank sitzt, die ihr Vater und ein Nachbar vor vierzig Jahren selbst gebaut haben, ist das eine der Momentaufnahmen, die ihr dieses Daheim-Gefühl bescheren. Ein Gefühl, das sie in sich trage, losgelöst von jeder Örtlichkeit. Sie träume viel von ihrem Haus in Neuried, indem heute ihre Schwester lebt und alles hegt und pflegt.

Eine Rückkehr ins Würmtal? - Warum nicht?

Ab und an kommt die Schauspielerin zu Besuch. „Ich drehe ja auch gelegentlich in München.“ Doch manchmal treibt sie auch einfach die Sehnsucht nach Hause. Hain: „In Bayern kann ich immer auftanken.“ Ob es sie irgendwann wieder hierher nach Neuried zurückzieht? „Ich bin eine Nomadin“, so Hain. „Allein in Berlin bin ich schon ein paar Mal umgezogen.“

Wo es sie mal hinverschlägt, vermag sie deshalb nicht zu sagen. Sie sei kein Typ, der groß im Voraus plant, und will sich nicht von Gedankengespenstern und Zukunftsvorstellungen jagen lassen. Alles ergebe sich aus dem Moment heraus.

Zum Beispiel begegnet ihr im Traum seit Jahren immer ein und derselbe Sehnsuchtsort. Wo der ist, weiß sie allerdings nicht. Der kann überall sein, meint die Schauspielerin. Also vielleicht auch in Neuried. Jener Ort, der in ihrer Kindheit so beruhigend, so entschleunigt auf sie gewirkt hat, dass er für sie „immer irgendwie wie aus der Welt gekippt“ schien.

Carolin Högel

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