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In der Eichenstraße in Neuried senken sich der Fahrbahnbelag und der darunter liegende Kanal stellenweise ab. Auch andere Stellen im Gemeindegebiet bereiten Sorgen.

Teure Reparatur nötig

Spätfolgen der Müllverklappung in Neuried

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Teile Neurieds stehen auf einer alten Hausmülldeponie. Über 60 Jahre nach der Schließung sacken immer noch Straßen und Abwasserkanäle ab.

Neuried – Nicht einmal 25 Jahre ist es her, dass in der Eichenstraße im Neurieder Gewerbegebiet neue Abwasserleitungen verlegt wurden. Jetzt muss die Straße erneut für umfangreiche Arbeiten am Kanalsystem aufgerissen werden. Ob anderswo im Gemeindegebiet ähnliche Probleme bestehen, will das Bauamt demnächst erkunden lassen. Und hofft, dass sie, falls vorhanden, nicht so drastisch sind wie im Gewerbegebiet. Denn allein für den Bereich der Kreuzung von Eichenstraße und Erlenweg rechnet die Gemeinde mit Kosten von 250 000 Euro.

Fällig werden die Sanierungsarbeiten, weil sich in der Eichenstraße der Untergrund absenkt. Das Gewerbegebiet steht auf einer ehemaligen Mülldeponie der Landeshauptstadt München. Vermutlich mehr als zehn Meter mächtig ist die in den 1950ern in einer alten Kiesgrube angehäufte Abfallschicht. Das Material hat sich auch über 60 Jahre nach dem Ende der Verfüllung offenbar noch immer nicht vollständig gesetzt.

Dass der Boden in Bewegung ist, wusste man 1995, als die Kanalrohre in der Eichenstraße verlegt wurden. Deshalb wählte man damals biegsame Kunststoffrohre statt eines gemauerten Kanals oder starren Betonrohren. Doch alle Vorsorge half nichts. Der Boden senkt sich so stark ab, dass sich die Leitungen weiter durchbiegen als für möglich gehalten.

„Eine akute Gefahr, dass die Rohre brechen könnten, sehen wir nicht“, sagt Matthias Breuer, zuständiger Mitarbeiter im Neurieder Bauamt. Doch das Abwasser staue sich, und Rückstände würden sich in den Leitungen absetzen. Das verursache langfristig hohe Reinigungskosten. Nicht nur der Kanal, auch der darüber liegende Straßenbelag sackt inzwischen ab. An einer umfangreichen Nachbesserung kommt die Gemeinde nicht vorbei.

Die eigentlichen Baumaßnahmen werden voraussichtlich erst 2018 beginnen. Dann wird der Kreuzungsbereich vollständig gesperrt. Autos und zwei Buslinien müssen umgeleitet und für einige Gewerbebetriebe provisorische Zufahrten von der Umgehungsstraße M 4 geschaffen werden. Straßenbelag und Rohre müssen entfernt werden, damit der Untergrund stabilisiert werden kann. Wie das technisch funktionieren soll, steht noch nicht fest.

Eine Möglichkeit wäre ein sogenanntes Geogitter, erläutert Breuer. Ein solches Gitter verteilt den Gewichtsdruck der aufliegenden Lasten auf eine größere Fläche. Zudem verhindert es ein Nachrutschen bei Setzungen in tiefer liegenden Bereichen.

Untersuchen lassen will die Gemeinde auch die Situation im Laubenweg und im Heimgartenweg, die ebenfalls über der Mülldeponie liegen. Auch dort liegen Kunststoffrohre im Boden. Und wenn die Setzungen hier weniger stark ausfallen, so die Hoffnung, muss man die Straßen nicht aufreißen. Die sind, anders als im Gewerbegebiet, noch in einem recht guten Zustand.

sr

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