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Stein des Anstoßes: Ein Audi-Fahrer übersah den Felsbrocken bei Schneetreiben und rammte ihn mit seinem Q7.

Aus dem Gerichtssaal

Kleiner Fels, großer Schaden

Ein Stein aus Neuried hat jetzt überregional Bedeutung erlangt. Er ist nicht besonders wertvoll oder groß, war aber einem Autofahrer im Weg – der zog vor Gericht.

Neuried – Das Amtsgericht München kürt jede Woche ein „Zivilurteil der Woche“. Diesmal hat es ein Streit aus Neuried unter die interessantesten Fälle geschafft und damit einem kleinen Felsbrocken zu größerer Beachtung verholfen.

Bei starkem Schneetreiben war der Fahrer eines Q7 abends zur „Tengelmann“-Filiale in Neuried gefahren. Zuhause habe er am nächsten Tag entdeckt, dass das linke Vorderrad im Bereich des linken Kotflügels und die linke Fahrertür seines Autos beschädigt seien, heißt es in einer Mitteilung des Amtsgerichts.

3600 Euro Schaden - Der Autofahrer forderte das Geld von Tengelmann

Der Mann war überzeugt, dass er nach dem Einkaufen beim Ausparken gegen einen Felsbrocken neben seiner Parkbucht gestoßen war. Wegen des Schnees habe er den Stein nicht gesehen. Den Schaden in Höhe von 3601,89 Euro wollte er Grundstückseigentümer und Supermarkt anlasten.

Das Amtsgericht München aber befand anders. Der Q7-Fahrer war der Auffassung, Grundstückseigentümer und Supermarkt hätten ihre Verkehrssicherungspflichten durch falsche Lagerung des Felsbrockens, ungenügende Räumung des Parkplatzes sowie fehlende Anbringung von sichtbaren Markierungen verletzt. Er forderte sie deshalb auf, den Schaden zu ersetzen. Beide weigerten sich jedoch zu zahlen. So kam es zum Prozess.

Das Gericht weist die Anklage zurück

Das Gericht gab den Beklagten Recht. Es stellte fest, dass der Grundstückseigentümer regelmäßig kontrolliert habe, ob der Parkplatz geräumt und in einem ordnungsgemäßen Zustand sei. Der Felsbrocken hätte weder von Schnee befreit noch als Gefahrenquelle beseitigt oder besonders gesichert werden müssen.

Der Stein habe sich in der Grünanlage neben den Parklücken befunden. Diese werde wiederum durch eine Bordsteinkante begrenzt. „Randsteine (dienen) der Begrenzung der eigentlichen Parkfläche (…). Sie sind entsprechend ihrer Begrenzungsfunktion nicht zum ,Darüber-Fahren’ konzipiert…“, heißt es laut Mitteilung im Urteil. Der Fahrer hätte sein Verhalten den besonderen Wetterverhältnissen anpassen müssen. Er sei überwiegend selbst Schuld an dem Unfall.

Ein kleiner Einkauf kann also teuer enden. Und das nicht nur auf der Maximilianstraße in München, sondern auch bei „Tengelmann“ in Neuried.

Victoria Strachwitz

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