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Durch die neue Bebauung wird der Verkehr auf M4 und Forstenrieder Straße stark zunehmen.

An der Lärmgrenze

Verkehrsplanung für Hettlage gestaltet sich schwierig

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Die Neubebauung am Hettlage-Areal wird mehr Verkehr nach Neuried ziehen. Doch gerade deshalb scheinen Maßnahmen zur Verbesserung des Verkehrsflusses nicht umsetzbar.

Neuried – Noch steht der neue Bebauungsplan für das Hettlage-Areal nicht, viele Fragen sind offen. Die Debatte um Gebäudehöhen etwa kann die Dimension des Bauprojekts noch verändern. Doch sicher ist, dass das geplante Wohn- und Gewerbegebiet Verkehr anziehen wird. Auf der Forstenrieder Straße wird er ein Ausmaß erreichen, das die Planer zu Kompromissen zwingt. Von Wünschen wie zusätzlichen Ampeln oder Abbiegespuren raten Fachleute ab. Man solle „den Ball besser flach halten“, sagt etwa der beauftragte Verkehrsgutachter Till Burkhardt.

Das Kalkül dahinter: Wenn der Eindruck entsteht, dass die neue Bebauung die Straßenbaulastträger, die auch die Genehmigungsbehörden für die Verkehrserschließung sind, zum Handeln zwingt, könnte das das Bauprojekt erschweren. Deshalb rät Burkhardt auch davon ab, beim zuständigen Straßenbauamt eine zweite Linksabbiegespur von der Forstenrieder Straße auf die Kreisstraße M4 zu beantragen, die Bürgermeister Harald Zipfel gerne hätte. „Sonst sieht es so aus, als bräuchten wir es.“ Dabei wird auf die bestehende Abbiegespur mehr Belastung zukommen – und ein Umfahren des Ortskerns unattraktiver.

Das Gewerbegebiet im nördlichen Teil des Areals soll von der Forstenrieder Straße her erschlossen werden, über die existierende Zufahrt zum Hettlage-Gelände. Von dort soll eine Erschließungsstraße nach Süden führen und in eine Stichstraße münden, die von der M4 abzweigend zwischen Gewerbegebiet und der südlich angrenzend geplanten Wohnbebauung verlaufen soll. Voraussetzung für diese Planung ist, dass das Straßenbauamt zu dem Schluss kommt, die Forstenrieder Straße könne den zusätzlichen Ein- und Ausfahrtsverkehr aufnehmen. Einen entsprechenden Bescheid gibt es zwar, aber nur für den Bestand. Auch deshalb rät Burkhardt, die bestehende straßenbauliche Situation möglichst wenig zu verändern. Nur ist bisher ein Linksabbiegen von der Staatsstraße auf das Areal verboten. So wird, wer aus München kommt, erst auf die M4 müssen.

Ein zweites Argument gegen eine Ampel an dieser Stelle, die ein Abbiegen ermöglichen und den Umweg über die M4 überflüssig machen würde, ist der Lärm. Für Anfahrgeräusche müssten die Lärmgutachter drei weitere Dezibel auf ihre Berechnung aufschlagen. Damit wäre für die stark befahrene Forstenrieder Straße eine Grenze überschritten und für die Umgebung ein umfassender Lärmaktionsplan fällig. Insgesamt rechnen die Verkehrsplaner mit täglich 1900 Fahrten zusätzlich auf der Staatsstraße und 1400 zusätzlichen Fahrten auf der M4.

Die Kreisstraße dürfte die Mehrbelastung verkraften. Erstaunt war man in der Gemeinde aber dennoch, was die aktuelle Zählung im Zuge des Verkehrsgutachtens ergab. „Die Belastung der M4 ist um 46 Prozent höher als gedacht“, erklärte Burkhardt kürzlich vor dem Bauausschuss. Über 12 000 Fahrten täglich zählte er im Dezember 2016.

Bis 2030 soll die Zahl alleine durch allgemeine Verkehrszunahme um zehn Prozent steigen. Hinzu könnten neben dem Quell- und Zielverkehr des Hettlage-Areals noch 2000 zusätzliche Fahrten durch Verlagerung kommen, wenn Neuried sich zu einer Verkehrsberuhigung der Gautinger Straße entschließt. Auf der Forstenrieder Straße könnte die Zahl der täglichen Fahrten durch das Bauprojekt und allgemeine Verkehrszunahme von heute 27 700 auf über 32 000 im Jahr 2030 steigen.

sr

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