Erst haben sich Jäger gemeldet, jetzt schlagen die Bayerischen Staatsforsten Alarm. Der Wald im Würmtal leidet unter Corona: Menschen haben dort Lager gebaut, die kleinen Festungen gleichen.
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Bänke, ein Tisch, eine überquellende Mülltonne und ein Palisadenzaun: In Waldlager wie dieses bei Neuried stecken ihre Erbauer viel Arbeit. Illegal sind sie trotzdem; sie verstoßen gegen mehrere Gesetze. Gemeindemitarbeiter müssen mit ebenfalls viel Aufwand alles wegräumen.

Lager im Wald

Hausen wie Räuber Hotzenplotz

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Erst haben sich Jäger gemeldet, jetzt schlagen die Bayerischen Staatsforsten Alarm. Der Wald im Würmtal leidet unter Corona: Menschen haben dort Lager gebaut, die kleinen Festungen gleichen.

Neuried Sie sind keine Kinder, und sie bauen keine Tipis. Sie sind groß und stark und errichten in der Abgeschiedenheit des Waldes beachtliche Lager. Jägern und Förstern gefällt das gar nicht. Bei Neuried entdeckte der dort zuständige Revierleiter der Bayerischen Staatsforsten gleich zwei der Einrichtungen mitten im Wald. Bänke, Tische, sogar eine Mülltonne stehen fernab der Wege. Die Möbel sind in einem ausgehobenen Erdloch vertieft untergebracht. Das Lager schützt ein Palisadenzaun.

Lager sind dem Revierleiter neu

„Müll finden wir öfter“, sagt der Revierleiter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Auch die Hinterlassenschaften von Partys, wie Verpackungsreste und Bierflaschen, hat er in seinem Gebiet schon oft gesehen. Aber Lager sind ihm neu. Er hat bereits dem Landratsamt München geschrieben. Der Revierleiter meint, die coronabedingte Ausgangsbeschränkung habe im Wald ihre Spuren hinterlassen. „Seitdem sind dort viel mehr Leute unterwegs.“ Er weiß von zwei weiteren Lagern, die seine Kollegen im Forstenrieder Park und im Perlacher Forst entdeckt hätten.

Auch Thomas Prell, Jäger im Würmtal und Hegeringleiter von München-West, stieß kürzlich auf ein Lager im Wald bei Planegg. Damit wurden im Südwesten von München bislang insgesamt fünf Lager bekannt. Der Revierleiter meint, in jedes sei einiges an Arbeit gesteckt worden. „Die sind 200 Meter vom nächsten Weg entfernt.“ Mobiliar musste dorthin getragen werden. Zudem seien Löcher gegraben worden, eines der Lager sei von einem Holzzaun umgeben, dessen Lücken mit Moos gestopft worden seien.

Gemeindemitarbeiter müssen aufräumen

Viel Arbeit hatten aber nicht nur die Erbauer; auch die Bauhofmitarbeiter der zuständigen Gemeinden haben damit zu schaffen, wenn sie die dorthin verbrachten Sachen wieder wegbringen müssen. Denn bleiben können die Lager nicht. Sie kämen baulichen Anlagen gleich. „Wir tragen als Grundeigentümer die Verantwortung. Wenn einer in das Loch reinfällt, sind wir schuld, obwohl wir es gar nicht gegraben haben. Wir haben die Verkehrssicherungspflicht“, erklärt der Revierleiter. Er müsse sich jetzt Gedanken machen, wie er das gegrabene Loch wieder füllen könne. „Der nächste Schwammerlsucher muss nicht mit einem Loch im Wald rechnen“, sagt er.

Für Jäger und Waldarbeiter seien Lager fernab der Wege problematisch. „Ich weiß nicht, wo einer mit dem Liegestuhl liegt.“ Das mache die Arbeit schwierig und gefährlich. Konzentriere sich der Erholungsverkehr auf die Wege, wüssten Jäger und Förster, wo sie aufpassen müssten. „Jeder Erholungsuchende ist bei uns willkommen“, sagt der Revierleiter. Wenn Kinder ein Tipi bauten, drücke er gerne ein Auge zu. „Aber wenn es überhandnimmt, dann wird es schwierig.“ Er bittet die Menschen, sich im Wald an die Regeln zu halten und dort keinen Müll zu hinterlassen.

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