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Die Fichten sind weg: Förster Gerhard Walter inspiziert im Kreuzlinger Forst junge Buchen, die standhielten.

Sturmbilanz der staatlichen Forstbetriebe München fürs Würmtal

Niklas ist noch nicht vergessen

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Orkan Niklas hat im Würmtal vor allem den Kreuzlinger Forst getroffen. Die Staatsforsten haben inzwischen einen guten Überblick über die Folgen. Die könnten sich aber auch jetzt noch verschlimmern.

Den Kreuzlinger Forst hatte es besonders schlimm erwischt. Die mächtigen Fichten hatten keine Chance in dem flachen Boden der Münchner Schotterebene. Gerade einmal 30 Zentimeter dick ist das Erdreich hier über dem Kies und Geröll, das Gletscher und Schmelzwasser der letzten Eiszeit abgelagert haben. Viel zu wenig für die Gewalt, mit der Orkan Niklas im vergangenen Frühjahr an den Kronen zerrte. „Niklas war ungefähr 20 Stundenkilometer zu schnell unterwegs“, sagt Wilhelm Seerieder. Jetzt, über ein Jahr nach dem Sturm, kann der Leiter der staatlichen Forstbetriebe München die wirtschaftlichen und ökologischen Folgen erst so richtig überblicken. Auf der jährlichen Informationsveranstaltung für Gemeinden und Verbände zog er eine Bilanz.

Zwischen 60 und 70 Jahre alt waren die meisten Bäume, die Niklas im Kreuzlinger Forst umfegte. Mehrere heftige Stürme hatten sie zuvor schon überstanden: Vivian und Wiebke im Spätwinter 1990, Lothar 1999 und zuletzt Kyrill im Jahr 2007. Doch nun waren sie zu hoch gewachsen. Die Hebelwirkung des Windes, der mit 120 Stundenkilometern über das Würmtal fegte, war an den Wipfeln nun zu stark für das immer noch flache Wurzelwerk. Im Forstenrieder Park, wo der Boden teilweise nur 20 Zentimeter mächtiger ist, fielen die Schäden durch Niklas wesentlich geringer aus. Große Flächenwürfe wie im Kreuzlinger Forst gab es hier nicht.

Die großen Schadflächen mussten zügig von den umgestürzten Bäumen befreit werden. Eine riesige Borkenkäferplage drohte. Das verlangte den Waldarbeitern in wenigen Monaten die Arbeit eines ganzen Jahres ab. Jetzt ist auf den Lichtungen der Blick frei auf die Arbeit, die die zuständigen Förster in den zehn Jahren zuvor geleistet hatten. Überall stehen hüft- bis brusthohe junge Buchen, die einmal einen wesentlichen Teil des Baumbestandes ausmachen sollen. Zigtausende hatten die Forstbetriebe im Kreuzlinger Forst gepflanzt, nachdem starker Schneebruch im Winter 2010 das Kronendach aufgelichtet und die Bedingungen für Setzlinge begünstigt hatte.

Bis die einmal gefällt werden, wird noch viel Zeit vergehen. Was ein junger Förster pflanzt, erntet nicht selten erst sein Nachfolger. So denken auch die staatlichen Forstbetriebe in Bayern bei der Planung ihrer Aktivitäten nicht in einzelnen Jahren, sondern in Zehnjahres-Zeiträumen. Der letzte dieser Zehnjahrespläne, der sogenannten Forsteeinrichtungen, umfasste bei den Forstbetrieben München die Geschäftsjahre 2006 bis 2015. Dass in eine solche, für Förster recht kurze Zeitspanne gleich zwei Orkane fallen können, ist für bayerische Waldbewirtschafter immer noch gewöhnungsbedürftig. Den wirtschaftlichen Schaden durch Niklas konnten die Staatsforsten trotzdem klein halten. Durch langfristige Verträge mit der Holzindustrie und einen sofortigen Stopp des Holzeinschlages in weniger betroffenen Staatswäldern im nördlichen Oberbayern und in Franken habe sich der Holzpreis trotz des plötzlichen lokalen Überangebotes einigermaßen stabil halten lassen, sagt Seerieder.

Die verheerenden Schäden durch Kyrill und Niklas bestärkten die staatlichen Forstbetriebe aber in ihrem Vorhaben, die jahrzehntelang favorisierten Fichtenmonokulturen weiter zurückzubauen. Die neue Forsteinrichtung, die die Forstbetriebe München wegen Niklas erst jetzt, mit einem Jahr Verspätung vorgestellt haben, hat eine weitere Reduzierung der Fichtenbestände zum Ziel. Die sind seit 2005 von 60 auf 54 Prozent des gesamten Baumbestandes zurückgegangen. Gleichzeitig hat sich der Buchenanteil von 13 auf 16 Prozent erhöht. In den nächsten zehn Jahren sollen nun andere Laubbaumarten, aber auch die Tanne, bevorzugt gepflanzt werden.

Die Folgeschäden durch den Borkenkäfer hielten sich in Grenzen, dank der schnellen Aufräumarbeiten, aber auch dank des Wetters in diesem Sommer. Doch weil der Käfer im letzten Jahr kurzzeitig so gute Bedingungen vorfand, ist die Gefahr noch nicht vorüber. Überall sitzen die Tiere noch unter der Rinde und warten auf heißes Wetter, um auszuschwärmen. Ein warmer Spätsommer, so Seerieder, und man steht noch mal vor einem echten Problem.

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