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Aufräumarbeiten nach dem Orkan Niklas im Wald bei Oberbrunn: Der Sturm hat große Schneisen in den Forst gerissen.

Nach Orkan Niklas

Das große Aufforsten beginnt

Würmtal - Was die Waldbesitzer im Würmtal üblicherweise in 20 Jahren gepflanzt hätten, müssen sie nun in einem Frühling erledigen. Ursache sind die Sturmschäden des Orkans Niklas.

Der Umbau war geplant. Die Waldbesitzer im Würmtal haben sich schon länger auf den Klimawandel eingestellt. Sie rechneten mit Stürmen, sie erwarteten trockene, heiße Sommer. Sie wollten ihre Wälder darauf einstellen und begannen, auch andere Bäume als die Fichte zu pflanzen. Dennoch traf der Orkan Niklas die meisten von ihnen hart. „Jetzt kriegen wir es von heute auf morgen“, sagt Jan Staugaard, Forstverwalter des Barons von Hirsch, über den Weg weg von der Fichte.

Der von ihm bewirtschaftete Wald sei Schadhauptgebiet des Sturmes. Rund 35 Hektar Waldfläche sei durch Niklas verloren gegangen. „Da stehen keine Bäume mehr“, erklärt Staugaard. Ein Grund: „Wir haben nur Fichten.“ Jetzt versuche er umso mehr, klimaangepasste Bäume zu pflanzen: Douglasien, Lärchen, Weißtannen, Eichen, Buchen, Kirschen und erstmals einige Elsbeeren. „Das, was wir für die nächsten 20 Jahre geplant hatten, müssen wir nun innerhalb von einem Frühjahr pflanzen“, sagt der Forstverwalter.

Die Bayerischen Staatsforsten mit Sitz in Forstenried waren etwas besser gerüstet, aber auch sie erlitten 96 Hektar Totalverlust. 17 Hektar davon im Kreuzlinger und im Königswieser Forst in Gauting und Krailling. Dennoch sei die Lage nicht so dramatisch. „Wir haben uns die vergangenen zehn Jahre auf das Szenario Klimawandel vorbereitet“, berichtet Wilhelm Seerieder, Betriebsleiter der Staatsforsten. Sein Betrieb habe unter 75 Prozent der nun verlorenen Fichtenbestände bereits die Buche eingebracht gehabt. „Davon profitieren wir jetzt“, sagt er. Die Fichten seien umgefallen, die jungen Buchen stünden noch. Auf der restlichen frei gewordenen Fläche würden nun vor allem Eichen, aber auch Lärchen und Douglasien gepflanzt. „Bis Anfang Mai sind die Kahlflächen weitgehend bestückt“, meint Seerieder.

Jan Niggemann, der die 40 Hektar Wald der Kongregation der Barmherzigen Schwestern rund um das Kraillinger Waldsanatorium bewirtschaftet, sagt: „Wir haben 1000 Festmeter Sturmholz, das entspricht dem vier- bis fünffachen Jahreseinschlag.“ Der Borkenkäfer habe seit September zusätzlich einen kompletten Jahreseinschlag zu Fall gebracht. Wie seine Kollegen hat jetzt auch Niggemann alle Hände voll zu tun. „Wenn man die Flächen liegen lässt, wachsen da sofort Unkraut und Brombeeren. Und dann wächst da nie wieder etwas.“ Also müsse jetzt aufgeforstet werden.

Auch bei ihm ist die Fichte weniger beliebt als zuvor. „Laubhölzer wachsen bei uns schlecht“, erklärt Niggemann. Daher bevorzuge auch er Douglasien und Lärchen. Aber er trennt sich nur schwer von der Fichte. „Die wächst verlässlich und pflegeleicht und ist von Jugend an gut verwertbar“, sagt er. Douglasien und Lärchen seien nach 20 Jahren nur Brennholz, die Fichte könne in dem Alter bereits zu Papier verarbeitet werden. Er bedauert, dass er nur wenig auf die Tanne als Alternative zurückgreifen kann. „Die Tanne wäre die Retterin“, ist er sich sicher. Aber: „Man kann eine Tanne nicht auf eine Kahlfläche pflanzen, weil sie die Sonnenstrahlen nicht verträgt.“ Es ist eine Herausforderung für die Forstwirte, dem Klimawandel zu trotzen.

Victoria Strachwitz

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