Unter dem Titel „Würdig leben bis zuletzt“ diskutierten im Heide-Volm (v.li.) Irene Schuster, Barbara Hartmann, Staatssekretärin Melanie Huml , Landtagsabgeordnete Kerstin Schreyer-Stäblein, Pfarrer Traugott Roser und Dr. Juri Gewitsch über die palliativmedizinische Versorgung im Landkreis München . Foto: Dagmar Rutt

Palliativmedizin im Landkreis München: Versorgung gut, aber verbesserungswürdig

Planegg - Wie steht es um die palliativmedizinische Versorgung im Landkreis München? Dieser Frage ging eine Experten-Runde bei einer Podiumsdiskussion in Planegg nach.

"Heute wird der Tod aus unserer Gesellschaft nur zu gerne verdrängt - doch dieses Thema betrifft uns schlichtweg alle.“ Mit diesen Worten eröffnete Melanie Huml, Staatssekretärin im Ministerium für Umwelt und Gesundheit, eine Diskussionsrunde, die am Dienstag auf Einladung der Landtagsabgeordneten Kerstin Schreyer-Stäblein und des CSU-Ortsverbandes in der Planegger Gaststätte Heide-Volm stattfand.

Allein mit der Arbeit professioneller Pfleger und Ärzte könnte der Bedarf bei der Versorgung Todkranker nicht abgedeckt werden. Hier ist der Einsatz ehrenamtlicher Hospizbegleiter unabdingbar. Im Landkreis München sind momentan 15 Hospizdienste mit insgesamt 250 Begleitern tätig. Die Ehrenamtlichen sind für viele Menschen oft der letzte Rettungsanker: „Die Menschen, die bei uns anrufen, sind verzweifelt und wissen kaum mehr, an wen sie sich wenden sollen“, berichtete Irene Schuster, die beim Hospiz- und Palliativberatungsdienst der Malteser in Gräfelfing arbeitet. Doch wie so oft: Auch hier fehlt die Zeit, und trotz intensiver Schulungen sind auch die Ehrenamtlichen manchmal überfordert. Zudem fehlt das Geld. „Leider werden die Dienste und Beratungen gar nicht oder nur teilweise bezuschusst - eine Refinanzierung fehlt“, bedauerte Schuster.

Derweil sieht die Gesamt-Lage der Hospiz- und Palliativversorgung in Bayern und in München nicht allzu schlecht aus: Insgesamt gibt es im Freistaat 48 Palliativstationen mit 436 Betten, in München bieten das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, das Schwabinger Krankenhaus, das Harlachinger Krankenhaus und das Klinikum Großhadern solche Stationen an. Daneben existieren an 32 bayerischen Krankenhäusern palliativmedizinische Dienste. Ein Problem bleibt jedoch der ambulante Bereich, der mittlerweile eine immer größere Rolle spielt, „denn viele Menschen haben heute den zunehmenden Wunsch, daheim gepflegt zu werden“, so Huml. Hier werden die Hausärzte tätig. Doch denjenigen, die in diesem Bereich arbeiten, wird es nicht einfach gemacht: „Wer sich in Bayern als Palliativarzt ausbilden lassen möchte, muss hohe Hürden in Kauf nehmen“, sagte Juri Gewitsch, der als palliativer Arzt in Planegg tätig ist. Extra-Kurse, eine Facharzt-Prüfung und ein Jahr Tätigkeit auf einer Station werden den Medizinern abverlangt. Ebenso schwierig ist es, eine Zulassung als Arzt eines Teams in der „spezialisierten ambulanten Palliativversorgung“ zu erhalten - der Teil der Fachkräfte, die sich ambulant um die Schwerstkranken kümmert. Wer zu diesen so genannten „SAPV-Teams“ gehören will, muss nicht nur viel Bürokratie in Kauf nehmen, sondern auch in Vorleistung gehen. „Bis zu 10 000 Euro müssen Ärzte auslegen, die ein SAPV-Team gründen wollen“, berichtete Monika Aiblinger, niedergelassene Hausärztin in Obermenzing.

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