Notunterkunft im ausgebrannten Schloss

Würmtal - Im Rahmen einer Geschichte-Seminararbeit trafen Pasinger Gymnasiasten mit Zeitzeugen der Kriegs- und Nachkriegszeit aus dem Würmtal zusammen.

Zwölf Schülerinnen des Pasinger Bert-Brecht-Gymnasiums haben sich am Donnerstag gemeinsam mit ihrer Lehrerin und der Gräfelfinger Gemeindarchivarin Friederike Tschochner im Rahmen eines Geschichtsseminars mit Zeitzeugen aus dem vergangenen Jahrhundert im Bürgerhaus getroffen. Die Ergebnisse der Arbeiten sollen ein Beitrag zum Münchner Dokumentationszentrum für Nationalsozialismus im Jahr 2013 werden.

Gebannt hängt Jacqueline an den Lippen von Helga Schlayer. Die 17-jährige Gymnasiastin verfolgt gespannt die Erzählungen der Würmtalerin, die 1940 in Lochham geboren wurde und dort aufwuchs. Die ältere Dame wirkt nicht nur körperlich, sondern auch geistig topfit und ist mit Herz und Seele dabei, wenn sie der Jüngeren aus der schwierigen Zeit während des Zweiten Weltkriegs erzählt und ihre Erlebnisse auch noch mit einem Fotoalbum dokumentiert.

„Ich bin als kleines Mädchen oft im Lager der kriegsgefangenen Franzosen gewesen, weil wir gegenüber gewohnt haben“, erinnert sich Helga Schlayer, die auch die Freundlichkeit dieser Männer nie vergessen hat. Allerdings gibt es auch andere Dinge aus dieser Zeit, die sie fürs Leben geprägt haben. „Ledermäntel und Stiefel sind mir immer noch ein Graus.“ Für Jacqueline jedenfalls ist Geschichtsunterricht auf diese Art besonders reizvoll. „Das ist natürlich was Anderes als trockene Fakten aus Büchern“, so die Schülerin, die sich mit elf Klassenkameradinnen für dieses Geschichtsseminar entschieden hat.

Da viele der Jugendlichen aus dem Würmtal stammen, lag es nahe, sich mit der Gräfelfinger Gemeindearchivarin Friederike Tschochner in Verbindung zu setzen. Deren Wissen und vor allem ihre „Sammlung“ von Zeitzeugen war es, was Lehrerin Marianne Mischung dann gerne nutzte.

Dabei teilten sich die Mädchen in verschiedene Gruppen mit jeweils anderen Schwerpunkten. Und die gingen weit über die gängigen und bekannten Themen aus der NS-Zeit hinaus. So stellten sie Fragen zum Alltag der Kinder und Jugendlichen in den 30er und 40er Jahren, befassten sich mit dem Siedlungsbau (Heitmeier, Dankopfer) und widmeten sich dem Schicksal der Würmtaler Familie von Hirsch.

Und auch hier stand den Schülerinnen eine interessante Zeitzeugin zur Verfügung. Erika Weichelt arbeitete von 1955 bis 1965 als Sekretärin für Baron von Hirsch, wohnte dann als Frau des späteren Verwalters noch einmal zehn Jahre in der Dienstwohnung auf dem Gelände des Planegger Schlosses und erlebte so hautnah die Ära, als die Verwandten der weitverzweigten Familie nach dem Krieg zurückkamen.

„Im ausgebrannten Schloss wurde ein Benefizium eingerichtet, und sogar im Pförtnerhäuschen waren die Verwandten untergebracht“, erinnert sich die 72-Jährige, die für den Baron Briefe übertrug, immerhin noch in Sütterlin-Schrift verfasst.

Ein durchweg positives Resumee des gemeinsamen Nachmittags mit über 50 Zeitzeugen zog am Ende nicht nur Geschichtslehrerin Marianne Mischung. „Für die Jugendlichen ist diese Art der Recherche eine willkommene Ergänzung zu ihren Besuchen der Bibliotheken und Staatsarchive“, waren sich die Pädagogin und auch Archivarin Tschochner sicher.

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