Pech mit Teer, Teuerung und Firmentausch

Gräfelfing - Die Sanierung der Rottenbucher Straße in Gräfelfing kommt nochmal 90 000 Euro teurer, weil Gemeinde besten Bieter durch zweitbesten ersetzt.

Wenn jede Negativserie einmal ihr Ende finden muss, ist es im Fall der Sanierung der Rottenbucher Straße in Gräfelfing dringend zu wünschen, dass dieses bald eintreten möge. Denn die Baumaßnahme wird stetig teurer, dabei haben die Arbeiten noch gar nicht begonnen. Jetzt tauschte die Gemeinde die beauftragte Firma aus. Mehrkosten allein dadurch: weitere rund 90 000 Euro.

Im Oktober 2012 hatte Ingenieur Robert Haas die Kosten für den ersten Bauabschnitt zwischen Radlbäckplatz und Wandlhamerstraße noch auf 1,1 Millionen Euro geschätzt. Dieser Betrag fand auch Eingang in den Haushalt für 2013. Im Februar folgte der erste massive Kostenanstieg: Untersuchungen hatten ergeben, dass der Fahrbahnbelag Teer enthielt, der teuer als Sondermüll zu entsorgen ist. Somit kam die Kostenberechnung nun schon auf 1,45 Millionen Euro für den 540 Meter langen Straßenabschnitt (wir berichteten). Die nächste Hiobsbotschaft brachte die Ausschreibung: Das günstigste Angebot reichte die Firma Leitenmaier aus Günzburg ein - mit 1,54 Millionen Euro deutlich über der Berechnung. Nachdem der Bauausschuss dieser Vergabe zugestimmt hatte, folgte nun im Gemeinderat eine weitere schlechte Nachricht.

Wie Bauamtschefin Elisabeth Breiter ausführte, reichte das Unternehmen wichtige Unterlagen nicht fristgerecht nach. Dieses stelle einen „absoluten Ausschlussgrund“ dar, so Breiter. Der Gemeinderat folgte einstimmig und ohne Diskussion dem Verwaltungsvorschlag, den Nächstbietenden zum Zuge kommen zu lassen: die Münchner Firma Richard Schulz. Dass deren Gebot nochmal 90 000 Euro über jenem von Leitenmaier lag, kam in der Sitzung gar nicht mehr zur Sprache.

Ebensowenig der Umstand, dass die Unterlagen-Panne der Firma Leitenmaier der Gemeinde wohl nicht ganz ungelegen kam: Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat gegen vier Personen aus der Firmenleitung Anklage wegen gewerbsmäßigen Betrugs erhoben. Dabei geht es um sechsstellige Summen, die das Unternehmen unter anderem durch eingesparte Sozialversicherungsbeiträge auf dem Wege von Scheinselbständigkeit oder fiktiven 400-Euro-Jobs schuldig geblieben sein soll.

Zumindest soll es durch die Neuvergabe in Gräfelfing keinen zeitlichen Verzug geben. Am Montag beginnt die Firma Schulz mit der Einrichtung der Baustelle. Dann wird die Rottenbucher Straße für einige Wochen nur nordwärts als Einbahnstraße zu befahren sein. Der Verkehr Richtung Süden soll über die Schulstraße, am besten weiträumig über Lochhamer- und Pasinger Straße ausweichen.

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