Pflasterfläche mit grüner Intarsie

Gräfelfing - Ist die Bahnhofstraße Gräfelfings gute Stube, gleicht der Eichendorffplatz einer angrenzenden Geheimkammer. Der Gräfelfinger Architekt Klaus Molenaar möchte die Türe dazwischen weit aufstoßen, und der Gemeinderat sucht schon nach dem Schlüssel.

Es soll zugereiste Gräfelfinger geben, die nach sechs Jahren in der Gartenstadt immer noch nicht wissen, wo der Eichendorffplatz liegt. Oder dass es ihn gibt. Passend zu seinem Namenspatron, dem großen Romantiker, führt Gräfelfings zentraler Platz ein verträumtes Dornröschendasein - hinter Hecken, Büschen, Bäumen kaum einsehbar. Und das, obwohl er an der belebten Bahnhofstraße liegt.

Nun gibt es einen (weiteren) Versuch, dieses grüne Rechteck, das bis auf das Kriegerdenkmal mit dem mächtigen Eisenkreuz keine Attraktion noch Nutzung aufweist, in den Wahrnehmungs- und Tageskreis der Gräfelfinger rückzuführen. Nachdem sich eine Ideensammlung der Ratsfraktionen zur Zukunft des Platzes als Rohrkrepierer erwies, betraute die Verwaltung einen Profi mit der Aufgabe einer Überplanung.

Klaus Molenaar, Gräfelfinger Architekt und Stadtplaner und unter anderem Schöpfer des Bürgerhauses, legte in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung einen Entwurf vor. Er und seine Frau, die Landschaftsarchitektin Claudia Weber-Molenaar, würden den Platz weitläufig als so genannten Shared Space gestalten - einen glatt gepflasterten Bereich, den sich die Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt teilen, und der langfristig sogar den Kirchplatz anschließen könnte. Die Wiesenfläche würde, auf gleiches Niveau gebracht, als streng rechteckige Intarsie dieser Verkehrsfläche erhalten bleiben, umgeben an drei Seiten von den alten, großen Bäumen, an der vierten Seite, der Bahnhofstraße zu, dagegen geöffnet. Hier sehen Molenaars ein Wasserspiel, Sitzgelegenheiten und sogar einige Kinderspielgeräte vor.

Das Kreuz würde, leicht nach Süden versetzt und abgesenkt, erhalten bleiben. Davor könnten Rasenstufen zum Verweilen einladen, vom Kreuz durch eine ruhige, kleine Wasserfläche getrennt. Eine künstlerisch gestaltete Mauer hinter dem Kreuz soll dem Entwurf zufolge die Namen der Gefallenen aufnehmen.

Der Entwurf, der mit oder ohne Tiefgarage denkbar ist, fand vor allem bei Molenaars Architektenkollegen, die den Bauausschuss beraten, großen Anklang. Christian Arlt fand den Entwurf ausgesprochen gelungen, bezweifelte aber den Bedarf einer Tiefgarage. Reinhard Moosmang befand, der Eichendorffplatz solle „mehr sein als ein Restgrün, ein ausgelassenes Bebauungsfeld“, und empfahl dem Gemeinderat, „unbedingt einen ersten Schritt in diese Richtung zu machen“.

Kai Reichert (BVGL) dankte Molenaar für die „wunderbare Vorstellung“. Auch wenn die Umgestaltung des Eichendorffplatzes nicht oberste Priorität habe, solle etwa die Sanierung der Rottenbucher Straße Süd bereits nach diesem Konzept erfolgen, ebenso die Öffnung des Platzes zur Bahnhofstraße hin vollzogen werden.

Dagegen sahen andere Gemeinderäte wie Florian Ernstberger (IGG) und Walter Frank (CSU) keinen Handlungsbedarf. Ernstberger: „Der Platz hat doch gerade Charme, weil da nichts ist.“ Bürgermeister Christoph Göbel hielt sich mit Wertungen zurück, betonte jedoch die Möglichkeit, sich diesem Konzept in Schritten zu nähern. Nun sollen die Fraktionen sich über den Sommer mit dem Entwurf befassen, ehe das Thema im Herbst wieder auf den Tisch kommt.

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