Zwölf bis 16 Stunden täglich verbringt Künstler Martin Blumöhr im Tunnel am Hermann-Hesse-Weg in Pasing, wo er die 90 Meter lange Wand bemalt. foto: sauer

Phantasiewelt aus Alltäglichem

Pasing - Für Passanten und Radfahrer ist es zurzeit eng im Tunnel am Hermann-Hesse-Weg in Pasing. Der Künstler Martin Blumöhr aus München gestaltet die 90 Meter lange Tunnelwand neu.

Bei modernen Wandmalereien denken viele sofort an Graffitis: meist anonym aufgesprühte Schriftzüge, Kürzel und Zeichen. Das Projekt Tunnelblick von Martin Blumöhr, das seit Juni läuft, ist mehr als das. Mit Acrylfarben, Farbpistole und Pinsel lässt er ganze Welten und Geschichten aus Pasing und von den Bewohnern des Viertels aufleben. Erinnerungen und Anekdoten von vorbeikommenden Passanten, Elemente aus der Stadtgeschichte und alltägliche Begegnungen verdichten sich in seinem Werk zu einem besonderen visuellen Erlebnis.

Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München war der 33-Jährige bereits an einem ähnlichen Projekt am U-Bahnhof Marienplatz beteiligt. Nachbarn und Fußgänger beobachten nun täglich die Fortschritte im Tunnel, Schulklassen haben schon auf der Kunstbaustelle vorbeigeschaut, und so mancher kommt immer wieder vorbei, um mit dem Künstler zu sprechen.

So erfährt Blumöhr täglich von persönlichen Erlebnissen in Pasing und Umgebung, die er in das Wandbild aufnimmt und in leuchtenden Farben ausgestaltet. Im Bild tummeln sich bereits Schlittenfahrer, Badende im Westbad, Fußball spielende Kinder, der Pasinger Knödelschütze, Einkäufer in den Arcaden und viele mehr an der Würm. Blumöhr erschafft aus Alltäglichem eine einmalige Phantasiewelt, die zum Betrachten einlädt. Zwölf bis 16 Stunden täglich verbringt er dafür im Tunnel: „Ich hänge mich schon rein. Meine Arbeit liegt mir am Herzen.“

Sorgen bereiten Blumöhr im Moment die Wasserschäden in einigen Tunnelabschnitten. „Die Wand ist komplett feucht, da hält keine Farbe“, bedauert der Künstler. Die Bahn, die für die Instandhaltung des Tunnels zuständig ist, sieht keine Möglichkeit die Wände zu trocknen. „Wir werden jetzt selbst nach einer Lösung suchen“, so Blumöhr, dessen Arbeit vom Baureferat und Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing gefördert wird. Bis 1. September soll das Panoramabild an der Tunnelwand fertig sein, bis dahin wird weiter bis in die Nacht laute Musik durch den Tunnel schallen, die Blumöhr bei seiner Arbeit begleitet.

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