MVG-Bus im Würmtal: Der Kreisausschuss will das Tarifsystem vereinfachen. a-f: hf

Plädoyer für transparenteres MVV-Tarifsystem

Würmtal - Schluss mit überforderten Fahrgästen im Speckgürtel: Der Kreisausschuss fordert eine grundlegende Reform des MVV-Tarifsystems - es soll einfacher, transparenter und gerechter werden.

Es war Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle (CSU), der im Kreisausschuss beim Thema MVV-Tarifreform besonders engagiert auftrat. Kein Wunder, schließlich hat er selbst schon Bekanntschaft mit den Tücken des unübersichtlichen Systems gemacht. Nur anders, als man denkt: Neulich klingelte das Diensttelefon des Rathauschefs, in der Leitung zwei aufgebrachte ältere Damen, der Verzweiflung nahe. „Sie sagten, sie brächten nichts aus dem Ticket-Automaten am Deisenhofener Bahnhof raus und baten mich zu bezeugen, dass sie nicht absichtlich schwarzfahren“, sagte Schelle.

Als ebenso skurril wie entlarvend befand der Bürgermeister den Antrag im eigenen Gemeinderat, zukünftig einen VHS-Kurs „Wie fahre ich mit der MVG“ anzubieten. „Wir brauchen ein Bezahlsystem nach dem Vorbild des Südtirol-Tickets oder der Londoner Oyster-Card“, bilanzierte er. Beim Ein- und Aussteigen werden diese personalisierten Tickets automatisch registriert und streckenbezogen abgerechnet.

So amüsiert die Kreisausschussmitglieder auf Schelles Anekdoten reagierten - dem Bürgermeister ist es ernst mit der Forderung nach einer Reform: Seit Februar leitet er eine Arbeitsgruppe, die bis 2016 Lösungen für ein besseres System ausarbeiten will. 2016 wird der Betrieb der Münchner S-Bahn neu ausgeschrieben. Dabei geht es Schelle nicht nur um eine Vereinfachung für überforderte S-Bahnfahrer - der CSUler denkt in größeren Dimensionen: Überhöhte Miet- und Grundstückspreise im Landkreis sollen durch eine Ausweitung des ländlichen Raums abgeschwächt und das Oberland gestärkt werden. Im Kreisausschuss plädierte er deshalb auch dafür, das MVV-Tarifsystem auf den gesamten Bereich der Europäischen Metropolregion München (EMM) zu erweitern.

Gräfelfings Bürgermeister Christoph Göbel gab dem Fraktionskollegen Recht: „Eine größere Mobilität vergrößert den Siedlungsraum - das würde viele Probleme lösen“, so der Vize-Landrat.

Schelles Aussage, das Ticketing der S-Bahn könne sowieso nicht schlechter werden als jetzt, wollte Norbert Specht, der Abteilungsleiter „Marketing und Tarife“ der MVV, nicht auf sich sitzen lassen. „Wir konnten 2012 einen Anstieg des Gewinns um fünf Prozent auf 726 Millionen Euro erzielen.“ Bundesweit gebe es keinen anderen Verkehrsverbund, der so stark genutzt würde, berichtet Specht. „Im Bereich Online- und Handytickets sind wir auf einem guten Weg. Ein neues Semesterticket ist auch beschlossene Sache.“ Das E-Ticketing, wie Schelle es fordert, würde laut Specht 20 Millionen Euro kosten.

Die Kreisausschussmitglieder waren am Ende auf Schelles Seite und beschlossen einstimmig, auf der kommenden MVV-Generalversammlung ein einfaches und streckennutzungsorientiertes Tarifsystem zu beantragen. „Ein Trippelschritt in die richtige Richtung“, befand Schelle. Dass der Einfluss des Landkreises jedoch gering ist, weiß Landrätin Johanna Rumschöttel (SPD): „Alle acht Landkreise haben zusammen nur eine Stimme, die Stadt München und der Freistaat dagegen eine Zwei-Drittel-Mehrheit.“

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