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Die Vereine hatten Fahnenabordnungen entsandt.

Trauerfeier für Ehrenbürger Alfred Pfeiffer

„Der Fredi war schon echt“

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Planegg hat Abschied genommen von seinem Ehrenbürger Alfred Pfeiffer. 300 Gäste kamen am Freitag zum Trauergottesdienst in St. Elisabeth und der anschließenden Trauerfeier in der Aussegnungshalle auf dem Friedhof. Darunter viele Wegbegleiter aus Politik und Vereinsleben.

Planegg– „Ganz wichtig war dir, dass es gerecht zugeht.“ Astrid Pfeiffer, Tochter des mit 90 Jahren verstorbenen Sozialdemokraten, trat als Letzte ans Rednerpult in der Aussegnungshalle. Endlose Texte habe sie in den vergangenen Tagen geschrieben, Tonbandaufnahmen abgehört, aufgenommen in der Sorge, dass irgendwann verloren geht, was ihren Vater bewegte und antrieb. Nichts davon könne sie jetzt vortragen. „Ich kann nur versprechen, dass wir alles geben werden“, sagte sie. Bildung sei ihrem Vater ein wichtiges Thema gewesen, dem Sohn einer Arbeiterfamilie, der bei Großeltern aufwuchs, die ihn nicht einmal dann aufs Gymnasium gehen lassen wollten, als der Pfarrer sie drängte.

Alfred Pfeiffer wurde 1929 in Planegg geboren, „war Lehrbub bei der Eisenbahn und gerade mal 16, als der Krieg vorbei war“, sagte SPD-Gemeinderat Roman Brugger, Sohn von Alfred Pfeiffers Freund Rudi Brugger. Drei Jahre nach Wiedergründung des SPD-Ortsvereins sei Alfred Pfeiffer 1949 in die Partei eingetreten. Beim nächsten Neujahrsempfang wollte man seine 70-jährige Mitgliedschaft feiern. „Unser Fredi war ein nachdenklicher und streitbarer Freund, ein leidenschaftlicher und solidarischer Kamerad“, sagte Brugger. „Du wirst uns Verpflichtung und Ansporn sein. Pfüat di, Fredi.“

Pfeiffer wurde 1956 in den Gemeinderat gewählt, dessen Mitglied er bis 2014 blieb, 58 Jahre lang. Unterbrochen wurde seine Zeit als Gemeinderat nur von seinen Jahren als 1. Bürgermeister von 1990 bis 1996. „Fredi Pfeiffer konnte überzeugen und andere Menschen mitnehmen. Hartnäckig konnte er sein, der Fredi, und hartnäckig hat er sich für das Wohl unserer Gemeinde eingesetzt“, sagte Bürgermeister Heinrich Hofmann. Im Herbst habe man über den im Februar anstehenden 91. Geburtstag geredet. Er gebe sein Bestes, bis dahin bei guter Gesundheit durchzuhalten, habe Alfred Pfeiffer gesagt. Doch dann stürzte er die Treppe hinunter und erlag knapp zwei Monate vor dem Geburtstag in einem Münchner Krankenhaus den Folgen der Verletzungen. „In einer Zeit, in der bezahlbarer Wohnraum und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch nicht in aller Munde war, setzte Fredi Pfeiffer die Messlatte für diese Ziele hoch“, so Hofmann weiter, der an Wohnungen, Einheimischenmodelle und Kinderbetreuungseinrichtungen erinnerte, die Pfeiffer in seiner Zeit als Bürgermeister neben dem Bau des neuen Rathauses realisierte.

Trotz Verpflichtungen als Bürgermeister nicht die Vereine vergessen

Dass er trotz seiner Verpflichtungen als Bürgermeister nicht die Vereine vergaß, daran erinnerte Max Häringer, der 2004 die Nachfolge Pfeiffers an der Spitze des SV Planegg-Krailling angetreten hatte und inzwischen wie sein Vorgänger Ehrenpräsident ist. Das Vereinsheim habe Pfeiffer gebaut, dazu das Tennisheim und einen dritten Fußballplatz. „Er war sich nicht zu schade, in die Baugrube zu steigen und eine Schaufel in die Hand zu nehmen.“ Und weiter: „Du warst uns und vor allem mir ein guter Lehrmeister.“ Bei der Amtsübergabe habe Pfeiffer zu ihm gesagt: „Max, mach mir bloß keine Schulden.“ Daran habe er sich gehalten.

Nicht nur der SV Planegg hatte eine Fahnenabordnung geschickt, die Freiwillige Feuerwehr, deren Ehrenmitglied Pfeiffer war, die DJK Würmtal, der Trachtenverein D’Almarösler, die Hubertusschützen, der SPD-Ortsverein, die Schützengesellschaft Martinslust und das BRK Planegg erwiesen dem Verstorbenen mit ihren Fahnen erst in der Pfarrkirche, dann in der Aussegnungshalle die letzte Ehre. Auch der Verein Miteinander e.V. nahm an den Trauerfeierlichkeiten teil, dazu die Bürgermeister der Nachbargemeinden Uta Wüst (Gräfelfing), Brigitte Kössinger (Gauting), Veronika Sanftl (Krailling), Pfeiffers Vorgänger im Bürgermeisteramt Günther Schuppler, Gräfelfings Altbürgermeister Eberhard Reichert, Neurieds Altbürgermeister Otto Götz, Planeggs angehende SPD-Bundestagsabgeordnete Bela Bach, die stellvertretende Münchner Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche sowie etliche Planegger Gemeinderäte und Vertreter von Parteien und politischen Gruppierungen.

Zelt aufgebaut vor Aussegnungshalle

In der Aussegnungshalle, die für 100 Besucher bestuhlt war, standen die Trauergäste an die Wand des Vorraums gedrückt. Auf dem Vorplatz war ein Zelt mit 40 Bierbänken als Sitzgelegenheit aufgebaut, die nicht ganz ausreichten. Sie alle waren gekommen, um Abschied von dem Mann zu nehmen, über den in den vergangenen Tagen im Gespräch mit Pfarrer Johannes von Bonhorst ein Wegbegleiter gesagt hatte: „Der Fredi war schon echt.“ Von Bonhorst weiter: „Es ist nicht leicht, immer den Klopfzeichen gerecht zu werden.“ Alfred Pfeiffer habe viele Klopfzeichen wahrgenommen. „Er hat versucht, nicht nur für sich zu leben, sondern zu geben, sich zu mühen, danach zu schauen: Was kann ich tun.“

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