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Das Podium: Margarete Stadlbauer (Mitte) moderierte die Gesprächsrunde mit (v.l.) Ute Eiling-Hütig, Tina Pickert, Prof. Ursula Männle und Julia Obermeier. 

100 Jahre Frauenwahlrecht

„Wir müssen an uns glauben“

„100 Jahre Frauenwahlrecht“ hat die der CSU nahestehende Hanns-Seidel-Stiftung jetzt mit einer lebendigen Podiumsdiskussion im gut gefüllten Wintergarten der Großgaststätte Heide-Volm gefeiert.

Planegg – „Frauen sind heute in politischer Verantwortung, aber noch nicht am Ziel“, betonte die Ex-Landtagsabgeordnete, Professorin Ursula Männle. „Unter uns: Jetzt sind wir Frauen dran“, blickte Ute Eiling-Hüting, frauenpolitische Sprecherin der CSU-Fraktion im Landtag, auf die Dauerkampfhähne Söder und Seehofer an der CSU-Spitze.

„Wir Frauen brauchen Vorbilder“, sagte Sozialwissenschaftlerin Männle, die Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung. Zum Beispiel Ellen Ammann (1870 bis 1932): Die gebürtige Schwedin, Mutter von sechs Kindern, war Gründerin der Bahnhofsmission München, der sozial-caritativen Frauenschule, des Katholischen Frauenbunds Bayern – und eine der Vorkämpferinnen fürs Frauenwahlrecht im Freistaat, so Professorin Daniela Neri-Ultsch von der Universität Regensburg im Einführungsreferat. Doch damit nicht genug: Im Januar 1919 zog Sozial- und Bildungspolitikerin Ellen Ammann mit sechs weiteren Frauen als Pionierin in den Landtag ein. Die Wogen schlugen hoch: Fast alle Fraktionsmitglieder der Bayerischen Volkspartei waren gegen Parlamentarierinnen – und erst recht gegen die Ausländerin. „Weitsichtig und couragiert“, so Neri-Ultsch, habe die überzeugte Katholikin Ellen Ammann den Hitlerputsch vom 9. November 1923 vereitelt. Die Abgeordnete trommelte nämlich in der Nacht vor dem Marsch auf die Feldherrnhalle demokratische Minister zusammen: In einer gemeinsamen Resolution verurteilen sie Hitlers Putsch als Staatsverbrechen – mit Erfolg: „Die Kollegin hat damals mehr Mut bewiesen, als manche Herren in Männerhosen“, so der einstige Vize-Ministerpräsident Franz Matt.

Nach dem 2. Weltkrieg waren die Frauen nach dem Grundgesetz gleichberechtigt, aber nur auf dem Papier. Denn bis in die späten 1970er Jahre hatte der Ehemann noch die Möglichkeit, den Arbeitsplatz seiner Gattin zu kündigen, so Neri-Ultsch. Diese Zeit sei überwunden.

„Wegbereiterin“ bei der CSU der Nachkriegszeit war die spätere bayerische Justizministerin Mathilde Berghofer-Weichner (1931 bis 2008), die bekanntlich im Gautinger Ortsteil Stockdorf wohnte. Von der energischen Ministerin, „die ihre schützende Hand über mich hielt“, so Männle, stamme das berühmte Zitat: „Ohne Frauen ist kein Staat zu machen.“

Eiling-Hütig bekannte: „Vorbild für mich war wiederum Professorin Ursula Männle.“ Bildungsthemen habe sie sich daher auf ihre Fahnen geschrieben, so die CSU- Wahlkämpferin. Nur weil in ihrer Heimatgemeinde Feldafing die Kandidatur gegen den Amtsinhaber Bernhard Sontheim nach einer Periode „aussichtslos“ war, sei sie von ihrem Ortsverband überhaupt als Bürgermeister-Kandidatin nominiert worden, so Eiling-Hütig – nach dem Motto: „Da kannst du auch einen Besenstiel hinstellen.“ Doch Ursula Männles „Gradlinigkeit, mit Vehemenz“, die Dinge voranzubringen, „ist mir ein Vorbild“, so die CSU-Bildungspolitikerin.

Das bayerische Wahlrecht biete Frauen eine große Chance, über die Zweitstimme als Direktkandidatin ins Parlament einzurücken, betonte Tina Pickert aus dem Stimmkreis München-Milbertshofen: „Ich habe Platz 39“, warb die junge Christsoziale deshalb unter den Teilnehmerinnen.

„Wir müssen an uns glauben, mit mehr Mut zur Lücke“, appellierte Eiling-Hütig. Denn obwohl die Gesellschaft zu je 50 Prozent aus Frauen und Männern bestehe, seien die realen Verhältnisse in den Parlamenten bis heute nicht abgebildet.

Christine Cless-Wesle

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