Infostand der SPD an der Georgenstraße: Ulrich Braun, Vorsitzender des Planegger Ortsvereins (5.v.li.), stellte sich dem Protest der Bürger. Foto: Sauer

1000 Unterschriften für Erhalt der Würm-Auen

Gegen die geplante Asylunterkunft an der Planegger Georgenstraße formiert sich zunehmend Widerstand. Mehr als 1000 Bürger haben sich für den Erhalt der Würm-Auen in Unterschriftenlisten eingetragen.

Bürgerprotest

1000 Unterschriften für Erhalt der Würm-Auen

Gegen die geplante Asylunterkunft an der Planegger Georgenstraße formiert sich zunehmend Widerstand. Mehr als 1000 Bürger haben sich für den Erhalt der Würm-Auen in Unterschriftenlisten eingetragen.

von Christine Cless-Wesle

Planegg – „Hände weg von den Würm-Auen“. Beim SPD-Nachbargespräch auf der Wiese an der Georgenstraße hielt Fritz Baer ein Plakat in die Höhe. An die 180 Bürger brachten am Samstagvormittag ihre Bedenken gegen die dort geplanten vier Fertighäuser für 120 Asylbewerber vor. Die SPD hatte die Bürger zu einem so genannten Nachbarschaftsgespräch eingeladen.

Mehr als 1000 Protest-Unterschriften hatte Edeltraud Miller bis 12 Uhr zwischen Gräfelfing und Krailling bereits gesammelt. Dieser Standort sei für eine Asylunterkunft überhaupt nicht geeignet, erklärte die Planeggerin. „Wir sind friedlich und hoffen, dass der Planegger Gemeinderat noch einsichtig wird“, so Miller. Doch diese letzte öffentliche Grünfläche in der Nähe der Steinkirchner Kirche müsse erhalten bleiben. Im Sommer gingen hier badende Kinder, die sich vom Planegger Wellenbad die Würm hinab treiben ließen, an Land. Wenn der Planegger Rat zulasse, dass an diese Stelle vier Häuser für Flüchtlinge gebaut werden, verlören die Einheimischen „ein Stück Lebensqualität“. Das Bauvorhaben an der Grünfläche widerspreche auch dem aktuellen Masterplan der Münchner SPD-Stadtrats-Fraktion „Renaturierung“ der Würm zwischen Pasing und Starnberg. Außerdem sei der Fluss schon etwas weiter nördlich reißend. Für Nichtschwimmer unter den Flüchtlingskindern sei der Standort Georgenstraße daher gefährlich.

„Mit vier Häusern für 120 Flüchtlinge sind die Probleme von vornherein programmiert“, fürchtet Günter Ottmar (87) ein Ghetto vor seiner Haustür. Es gebe schließlich Alternativen.

„Wenn das hier durchgedrückt wird, gibt es einen Krieg im Planegger Gemeinderat“, prophezeit der parteifreie Gemeinderat Peter von Schall-Riaucour. Die SPD-Fraktion hätte „aus dem Debakel“ um die Asylbewerberunterkunft im Park de Meylan in Martinsried nichts gelernt, munter plane sie mit Rathauschef Hofmann weiter am Bürger vorbei. Derweil gebe es nirgends so viel Widerstand wie gegen diesen Bauplatz im Grünzug der Flussaue. „Das ist wie ein Dolchstoß ins Herz von Planegg“, erklärt sein CSU-Kollege Gerhard Schleburg.

„Alle SPD-Bürgermeister haben sich bisher für freie Würmauen eingesetzt“, empört sich Anwohner Alexander von Götz. Doch mit den Häusern an der Georgenstraße werfe Rathauschef Hofmann sogar den Flächennutzungsplan über Bord. Auch die Planegger Grünen-Fraktion sei inzwischen „Sargträger“ des Naturschutzes. Es gebe in Planegg weitaus geeignetere Flächen. Etwa hinter dem Gewerbegebiet Steinkirchen.

SPD-Gemeinderat Roman Brugger hielt dagegen: Der Magerrasen beim Gewerbegebiet sei „ökologische, teils naturschutzrechtlich geschützte Ausgleichsfläche“. Deshalb habe die Rats-Mehrheit den Standort an der Georgenstraße beschlossen, denn: In einer Flüchtlingsunterkunft innerorts gebe es auch „mehr soziale Kontrolle“, betonte der SPD-Ortsvorsitzende Ulrich Braun.

„Hier sind aber 1000 Leute dagegen.“ Und an der Semmelweißwiese nur 20 bis 30 Leute, ärgert sich Hubertus Draesner. Der Architekt befürchtet, dass die Gemeinde von den vier geplanten Häusern in der Würm-Aue eines auf Dauer für bedürftige Bürger erhält – für immer.

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