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Von der Kanzel der Waldkirche predigte Pfarrer Bernhard Liess am Sonntag letztmals. Die Besucher bedankten sich bei ihm mit Standing Ovations.

Waldkirche Planegg

Abschied von Pfarrer Bernhard Liess

Bernhard Liess, evangelischer Pfarrer der Waldkirche Planegg, hat sich nach achteinhalb Jahren verabschiedet. Die Katholiken überraschen ihn mit einem Geschenk. 

Planegg– Es ist viel passiert, seitdem Pfarrer Bernhard Liess vor achteinhalb Jahren seine neue Stelle im Würmtal angetreten hat. Er hat als geschäftsleitender Pfarrer nicht nur die Fusion der Gemeinden Planegg und Stockdorf konfliktfrei über die Bühne gebracht, sondern bekleidet seit 2018 zusätzlich das Amt des stellvertretenden Dekans von Fürstenfeldbruck. Ab 1. September geht für den promovierten Theologen die Reise weiter: Liess wird Münchens neuer Stadtdekan. Am Sonntag verabschiedete sich der Pfarrer in der Planegger Waldkirche in zwei Gottesdiensten von seiner Kirchengemeinde im Würmtal.

Bach, Vivaldi und Mendelssohn

Gerne hätte er dies in einem großen Festgottesdienst mit anschließender Feier gemacht, so Liess. Doch die derzeitigen Umstände ließen das eben nicht zu. So gab es zum Abschied stattdessen noch einmal eine von den Predigten, wie sie die Gläubigen an ihrem Seelsorger über die fast neun Jahre schätzen gelernt haben und an der sich sein Nachfolger wohl messen lassen muss. Außerdem „genehmigte“ der Pfarrer sich und seiner Kirchengemeinde auch ein wenig Kirchenmusik: Isabella Stettner (Sopran), Katharina Lindenbaum (Violine) und Organistin Sabine Herrmann sorgten mit Werken von Bach, Vivaldi und Mendelssohn für eine festliche Stimmung.

Geschuldet war diese freilich auch dem besonderen Tag, den sich Bernhard Liess für seinen Abschiedsgottesdienst ausgesucht hatte: Pfingsten. Ein Fest, das so „ganz nebenbei“ auch noch eine Botschaft in sich trägt, die auch als Metapher für Liess’ Abschied aus dem Würmtal taugt. An Pfingsten gründete sich die erste christliche Gemeinschaft. Es war die Geburtsstunde der Kirche, in der der Grundstein für die Mission gelegt wurde. Nun bricht also auch der Würmtaler Pfarrer auf, um woanders Gottes Botschaft zu verkünden.

Protestantisch nüchtern

In seiner Predigt interpretierte der Theologe die Pfingstbotschaft nicht nur im christlichen Sinne, sondern kristallisierte auch das „Protestantische“ heraus. So mache der Heilige Geist protestantisch nüchtern. Im Gegensatz zu einem Ungeist, der herrsche, wenn alle wie besoffen sind von schlechten Dingen wie Ehrgeiz, Arbeit, Selbstmitleid oder Überheblichkeit. Diese Nüchternheit habe nichts mit Langeweile oder Lebensfremdheit zu tun, sei auch nicht „unfroh“. Im Gegenteil vermag uns der Heilige Geist zu beleben und zu begeistern. Diesen Geist möchte Liess nun auch nach München tragen. „Jetzt gilt es weiterzuziehen“, sagte er am Sonntag zu den Anwesenden in der Kirche und per Livestream auch den übrigen Gläubigen, die Corona-bedingt nicht bei der Zeremonie dabei sein konnten. Rührseligkeit wollte der scheidende Pfarrer nicht aufkommen lassen. Er habe sicher nicht die Erwartungen aller Würmtaler erfüllen können. Deswegen sei es gut, dass auch andere Pfarrer kämen. Ganz so einfach wollte seine Kirchengemeinde das dann doch nicht stehen lassen. Zum Abschied brauste spontan Applaus für den Geistlichen auf, der noch lange nachhallte.

Erinnerung an den ersten ökumenischen Gottesdienst

Auch bei der katholischen „Konkurrenz“ hat der evangelische Geistliche bleibenden Eindruck hinterlassen. Denn in St. Elisabeth gab es im Rahmen des ökumenischen Gottesdienstes am Montag ebenfalls großen Beifall für ihn. Pfarrgemeinderatsvorsitzender Achim Thomas sorgte dann dafür, dass bei Liess doch noch Wehmut aufkam: Er überreichte zum Abschied ein Erinnerungsfoto, das den Pfarrer bei seinem erstem ökumenischen Gottesdienst im Würmtal zusammen mit dem damaligen katholischen Amtskollegen Anicet Mutonkole zeigt.    mdy

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