Neuaufstellung des Flächennutzungsplans

„Man setzt sich über Maßgaben des Bürgergutachtens hinweg“

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Die Idee, den Acker zwischen Münchner Straße und Im Grund in ein Wohngebiet umzuwandeln, ist nicht neu. CSU und FDP brachten die Fläche 2013 ins Gespräch. Die beiden Fraktionen scheiterten damals im Planegger Gemeinderat auch am Widerstand der SPD.

Planegg – „Mir war klar, dass die Diskussion weitergehen würde. Wir brauchen Wohnraum. Schade, dass schon wieder fünf Jahre ins Land gegangen sind“, sagt CSU-Gemeinderat Hermann Nafziger. Als Bürgermeisterkandidat präsentierte er Ende Februar 2013 gemeinsam mit dem FDP-Vorsitzenden Fritz Haugg in nichtöffentlicher Sitzung eine Vision: Im Grund sollten 50 bis 80 Einfamilienhäuser, vom Reihenhaus bis zur Villa, Platz finden. Gleichzeitig sollte die Butenandt-Siedlung östlich des Friedhofs um Geschosswohnungsbau mit 300 Wohneinheiten erweitert werden. „Wir wollten erreichen, dass für jede Bevölkerungsschicht etwas da ist“, so Nafziger. Das Projekt sei auf zehn Jahre ausgelegt gewesen. „Pro Jahr sollten bis zu 100 Neubürger kommen.“

Bei den Bewohnern des Grunds formierte sich Widerstand, auch die damalige SPD-Bürgermeisterin Annemarie Detsch, 2014 verstorben, sah den Vorstoß kritisch und sprach von gewaltigen Auswirkungen auf die Infrastruktur, die 850 bis 1000 zusätzliche Einwohner mit sich brächten.

Einen Monat nach der ersten Vorstellung verschwand das Projekt schon wieder in der Schublade. Der Gemeinderat lehnte es nicht ab, folgte aber mehrheitlich einem Antrag der Grünen Gruppe 21, die Entscheidung zu vertagen, bis die Ortsentwicklungsplanung abgeschlossen sei. Die zog sich noch einige Jahre. 2016 wurden schließlich die Leitlinien der Ortsentwicklung präsentiert, in die auch die Erkenntnisse eines Bürgergutachtens eingeflossen waren. Darin hatten sich die Planegger für ein maßvolles Wachstum – zwischen 0,5 und ein Prozent jährlich vornehmlich durch Innenverdichtung – und den Erhalt des Grüns ausgesprochen.

Nun stellt die Gemeinde erstmals nach über 40 Jahren einen neuen Flächennutzungsplan auf. Das Bauamt hatte dem Gemeinderat empfohlen 1,4 Hektar des Ackers zwischen Münchner Straße und Im Grund als Wohngebiet auszuweisen. Der Vorschlag der Freien Wähler Dynamischen (FWD), das Areal in südöstliche Richtung bis zum Bauhofgrundstück hin abzurunden und damit fast zu verdoppeln, wurde mit 13:7 Stimmen angenommen. Um die 220 Neubürger könnten dort eines Tages in Geschosswohnungsbau unterkommen. Diesmal stimmte die SPD-Fraktion dafür und ermöglichte damit die Mehrheit. Peter von Schall-Riaucour (FDP-Fraktion) hatte 2013 für ein Wohngebiet votiert, vollzog inzwischen aber eine Kehrtwende. Er schloss sich der Grünen Gruppe 21 an. Von Schall-Riaucour: „Ich lerne aus meinen Fehlern.“

Der Stimmungsumschwung bei der SPD traf die Grüne Gruppe 21 unvorbereitet. „Wir sind überrascht, durchaus auch konsterniert“, sagt der Fraktionsvorsitzende Herbert Stepp. „So, wie das Bürgergutachten zu lesen ist, setzt man sich über dessen Maßgaben hinweg.“ Mit Wohnbebauung im Bahnhofsgebiet, das der Gemeinde gehört, und am Wall in Martinsried, ebenfalls Gemeindeeigentum, lasse sich in vernünftigem Rahmen Wohnraum beschaffen, „ohne irgendeine Neuausweisung von nennenswerten Flächen in den nächsten 15, 20 Jahren“, so Stepp. Zumal auf dem in Privatbesitz befindlichen Acker an der Straße Im Grund maximal 30 Prozent vergünstigter Wohnraum für begrenzte Zeit durchzusetzen sei.

Während Stepp ein Abweichen von den Vorgaben des Bürgergutachtens erkennt, sieht SPD-Fraktionssprecher und Ortsvereinsvorsitzender Felix Kempf „keinen so radikalen Sinneswandel in unserer Position, es geht ja bei der Maßnahme nicht nur um das Ob sondern ganz entscheidend auch um das Wie. Außerdem ist die Problematik der Wohnraumknappheit in den letzten fünf Jahren nochmals akuter geworden, der Handlungsbedarf also dringlicher.“

Die von CSU und FDP vorgeschlagene Bebauung sei größer gewesen als die jetzt im Flächennutzungsplan vorgesehene Fläche. Auch seien keine Ein- und Zweifamilienhäuser mehr vorgesehen. „Heute haben wir die Satzung zur sozialen Bodennutzung und, zumindest wir als SPD, auch die Absicht, eine andere Bebauung zu errichten, den Boden also sozialverträglicher und effizienter zu nutzen.“ Zudem sei die Fläche im Bürgergutachten als gut geeignet bewertet worden. Tatsächlich landete der Acker im Grund auf Platz fünf der Potenzialflächen für den Wohnungsbau.

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