AWO-Beratungsstelle zieht nach dem Pandemie-Jahr 2020 Bilanz

Die Ängste nehmen zu

  • Peter Seybold
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Die Planegger Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) für Eltern, Kinder und Jugendliche Planegg hat ihren Jahresbericht für 2020 vorgelegt. Die Corona-Pandemie hat einiges verändert.

Für die Planegger Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) für Eltern, Kinder und Jugendliche stand das vergangene Jahr ganz im Zeichen der Pandemie. Im Vergleich zu 2019 waren wohl coronabedingt 7,7 Prozent weniger Kinder und Jugendliche angemeldet. Die Eltern gaben als häufigsten Anlass, warum sie zur Beratungsstelle kamen, erneut Probleme in der Partnerschaft beziehungsweise bei der Trennung oder Scheidung an.„ Hier verzeichneten wir eine Zunahme im Vergleich zu den Vorjahren. Möglicherweise sind durch Kontaktbeschränkungen Probleme in den Paarbeziehungen deutlicher hervorgetreten“, schreibt Monika Koch, Leiterin der Stelle, in ihrem aktuellen Tätigkeitsbericht für 2020.

Zahl der betreuten Fälle gesunken

Insgesamt waren im letzten Jahr 416 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bei der Beratungsstelle angemeldet. In dem Beratungsprozess waren zudem 564 Familienangehörige sowie 99 Bezugspersonen wie Lehrer eingebunden. Da 236 Beratungen beendet wurden, es aber „nur“ 133 Erstanmeldungen gab, sank die Zahl der Fälle insgesamt. 44 der 236 abgeschlossenen Beratungen nahmen mehr als zwölf Monate in Anspruch, 116 Fälle aber nur ein bis drei Monate. 24 Prozent dieser Kinder und Jugendlichen waren zwischen neun und zwölf Jahre alt, 19 Prozent sechs bis neun Jahre, 17 Prozent zwischen zwölf und 15. Der Rückgang insgesamt „lag vermutlich daran, dass Eltern, wie sie uns vielfach berichteten, keine Kraft und Zeit hatten, sich um Hilfen zu kümmern“, schreibt Monika Koch. „Da die Kinder und Jugendlichen zeitweise nicht in Einrichtungen betreut waren, fanden auch weniger Zuweisungen von pädagogischen Fachkräften in unsere Beratungsstelle statt. Auch mögen Ängste vor einer Infektion manche Familie abgehalten haben, uns zu kontaktieren“, so Monika Koch.

Weniger Beziehungsprobleme

154 Betroffene gaben als Grund für den Besuch in der Beratungsstelle Probleme in der Partnerschaft, Trennung oder Scheidung an. Auffälligkeiten im emotionalen Bereich wie Ängste oder Stimmungslabilität nannten 115 Betroffene. Von Beziehungsproblemen berichteten 108 Personen und damit weniger als in den Vorjahren. Koch: „Wir registrierten aber mehr Anmeldungen wegen Ängsten, auch Ängsten vor Corona.“

Lockdown führt zu extremer Belastung

Die Zeit der Schulschließungen war für alle Familien eine Sondersituation: „Dort, wo viele Ressourcen vorhanden waren, berichteten Familien von neuer Familienzeit, von Geschwistern, die wieder mehr zueinander finden, und von Entschleunigung. Dort, wo es vorher schon schwierig war, verschärfte sich die Situation noch“, erklärt Kerstin Meier, Psychologin der Beratungsstelle, in dem Tätigkeitsbericht. Die teilweise Rückkehr in die Normalität, vor allem die vorübergehenden Schulöffnungen im September, hätten für viele Entlastung gebracht. „Der erneute Lockdown wurde für viele, die es gerade geschafft hatten sich neu zu orientieren und zu stabilisieren, dann zu einer extremen Belastung. Die Ressourcen scheinen oft aufgebraucht“, berichtet Meier. 

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