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Lehrbild für Biologie: Gemeindearchivarin Erika Klemt und Planeggs Bürgermeister Heinrich Hofmann zeigen bei der Ausstellungseröffnung eine Schautafel mit einem Vogel Strauß.  

Letzte Ausstellung von Gemeindearchivarin Erika Klemt

Ein Stück Planegger Schulgeschichte

Schulwandbilder als Exponate: Bevor Erika Klemt sich aus dem Gemeindearchiv verabschiedet, hat sie noch einmal eine ungewöhnliche Ausstellung konzipiert. 

Planegg – Bilder zur Vermittlung von Geschichte und Wissen sind eine althergebrachte Methode. Schon in vorchristlicher Zeit fertigten die Menschen Höhlenbilder und Felszeichnungen an, um zu dokumentieren, wie ihr Leben oder ihre Träume ausgesehen haben. Viel später, im ausgehenden 19. Jahrhundert, übernahmen diese visuelle Funktion in Deutschland neben den illustrierten Schulbüchern die sogenannten Schulwandbilder. Großformatige Bilder, die speziell in den Volksschulen als didaktische Lehr- und Anschauungsmittel verwendet wurden. Die Schulen hatten oft einen reichen Fundus an diesen von Künstlern angefertigten Zeichnungen und Drucken, die vorwiegend politische Ereignisse, Technologien, Weltanschauungen und zoologische Besonderheiten darstellten. Auch die Planegger Volksschule besaß über Jahrzehnte solche Originalexponate. Als diese Sammlung von Schulwandbildern 2015 aufgelöst wurde, übernahm die Gemeindearchivarin Erika Klemt über 130 noch gut erhaltene Exemplare, archivierte sie und kuratierte nun eine Ausstellung. Diese wurde jetzt unter dem Titel „Wie die Welt erklärt wurde“ in den Räumlichkeiten des Planegger Gemeindearchivs eröffnet.

Dem einen oder anderen Besucher, so hofft die Archivarin, kommt vielleicht das eine oder andere Wandbild bekannt vor. Schließlich wurden sie in den Jahren von 1890 bis 1970 zur umfassenden Bildung der Planegger Schüler eingesetzt. So sieht man Schiller und Goethe in Jena Seite an Seite spazieren oder aus der Sammlung „Lehmann’s Tierbilder für den ersten Anschauungsunterricht“ das Schulwandbild „Maikäfer und Schmetterling mit Verwandlung (1920)“. Sehr farbenprächtig und anschaulich auch die Märchen-Darstellungen, wie etwa „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ von der Künstlerin Renate Koser im Jahr 1951 gezeichnet. Seit der Erfindung der Lithografie, dem Steindruck, um 1800, konnten die Tafeln auch in höherer Stückzahl produziert und günstiger von den Lernanstalten erworben werden.

„Durch die Abkehr vom Frontalunterricht und den Einsatz neuer Medien, wie Dia-Projektor oder später Beamer, verloren die Schulwandbilder im Laufe der letzten Jahre ihre Bedeutung“, so Klemt. Durch die Archivierung bleibe jedoch ein Stück Planegger Schulgeschichte erhalten.

Für Erika Klemt ist es die letzte Ausstellung als Leiterin des Gemeindearchivs. Die langjährige Archivarin geht danach in den Vorruhestand. Sie möchte noch mehr Energie in ihr eigenes künstlerisches Schaffen stecken, wie sie sagt. 

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. März 2018, Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr in der Galerie im Archiv, Pasinger Straße 22 in Planegg, zu sehen sowie nach telefonischer Vereinbarung.

Carolin Högel

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