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630 Euro für den Verein „EinDollarBrille“: Der Ob erschleißheimer Dieter Jahr, ehrenamtlich als Trainer und technischer Berater bei „EinDollarBrille“ aktiv, kam in Planegg vorbei, um dem SPD-Ortsverein, hier (v.l.) Matthias Grath, Felix Kempf und Roman Brugger, zu zeigen, wie aus Federstahldraht ein Brillengestell gebogen wird, das die Gläser umfasst. 

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Entwicklungshilfe: SPD finanziert „EinDollarBrillen“

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Planegg – Vorgefertigte Gläser aus Polycarbonat, ein Stück Federstahldraht und eine Biegemaschine: Mehr braucht es nicht, um einfache Brillen für Menschen herzustellen, die fast nichts haben. Der gemeinützige Verein „EinDollarBrille“ hat seit seiner Gründung 2012 in Erlangen 100 000 solcher Brillen verkauft und dabei in Entwicklungsländern zwei neue Berufsbilder geschaffen. Der Planegger SPD-Ortsverein spendete jetzt die Einnahmen vom Christkindlmarkt 2016, insgesamt 630 Euro. Sie helfen, weitere Brillenmacher und Hilfsoptiker auszubilden. Bei der Übergabe am Mittwoch zeigte der Oberschleißheimer Dieter Jahr, als Trainer beziehungsweise technischer Berater für „EinDollarBrille“ aktiv, wie leicht sich die Brillen fertigen lassen.

„Man kann sich nicht vorstellen, dass so etwas Lächerliches wie eine Brille über das ganze Leben entscheidet“, sagt Jahr. Näherinnen können bei nachlassender Sehstärke nicht mehr ihren Beruf ausüben, Bauern nicht das beste Saatgut erkennen, Kinder mit Augenschwäche das Tafelbild nicht lesen. In Klassen mit 80 bis 100 Schülern droht die Ausmusterung.

Der Erlanger Martin Aufmuth wollte sich damit nicht abfinden und entwickelte eine Brille, deren Materialwert einen Dollar beträgt, die vor Ort gefertigt, angepasst und für den Gegenwert von zwei, drei ortsüblichen Tageslöhnen verkauft werden kann. Im April 2012 startete er mit einer selbst gebauten Biegemaschine, die ohne Strom funktioniert, einen ersten Versuch in Uganda, bildete einheimische Arbeiter aus und versorgte 500 Menschen mit Brillen. Inzwischen hat die Ein-Dollar-Brille etliche Preise gewonnen und hunderten Menschen in Entwicklungsländern eine berufliche Perspektive gegeben. Linsen und Federstahldraht werden aus Deutschland geliefert. Brillenbauer werden an den Biegemaschinen geschult, die ihnen der Verein zur Verfügung stellt. „Von zehn Brillen am Tag kann ein Brillenbauer mit seiner Familie gut leben“, sagt Jahr, der selbst schon in Malawi ausbildete. Hilfsoptiker lernen innerhalb von drei Wochen, wie sie die richtige Linsenstärke ermitteln. Mit Gestellen und Gläsern zwischen minus sechs und plus sechs Dioptrien im Rucksack machen sie sich auf den Weg zu Dörfern, deren Bewohner häufig noch nie einen Optiker zu Gesicht bekommen haben. Nach einem kostenlosen Sehtest können sich die Menschen zum Kauf einer Brille entschließen. In Malawi kostet eine Brille so viel wie ein Huhn. Jahr begegnete dort einem 60-Jährigen, der begeistert seine neue Brille trug. Konnte er doch endlich die Vögel sehen, die er bis dahin nur gehört hatte.

Informationen

zum Verein „EinDollarBrille“ gibt es im Internet unter https://www.eindollarbrille.de/.

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