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Die moderne Wallfahrtskirche hat es Bruder Philipp (l.) und Bruder Michael (r.), hier mit Prior Pater Matthäus, besonders angetan. Am 1. September legen sie dort die Erste Profess ab.

Erste Profess im Kloster Maria Eich

Entscheidung für ein Leben als Augustiner

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Aus Felix Katzenberger ist Bruder Philipp geworden, aus Michael Clemens Bruder Michael. Ein Jahr haben sie als Novizen im Augustinerkonvent Maria Eich gelebt. Am Samstag, 1. September, legen sie die Erste Profess ab. Das gab es noch nie in Planegg.

Planegg– 57 Mitglieder an sieben Orten zählt derzeit die deutsche Provinz des Augustinerordens, der einer der großen Bettelorden des Spätmittelalters war und sich auf Kirchenvater Augustinus von Hippo beruft. Seit 2013 ist das Kloster Maria Eich in Planegg Noviziatskonvent und damit der einzige Ort in Deutschland, an dem angehende Augustiner als Mitbrüder im Kloster leben und versuchen, ihren Platz in der Gemeinschaft zu finden. Vier Jahre sollte es dauern, bis im vergangenen August mit dem heute 23-jährigen Bruder Philipp und Bruder Michael (29) die ersten Kandidaten in der Wallfahrtskirche Maria Eich ihren Willen erklärten, das Leben in augustinischer Gemeinschaft kennenzulernen. Als äußeres Zeichen der Zugehörigkeit erhielten sie das Ordensgewand.

Im Vorfeld hatte in Maria Eich ein Klausurtag mit Unterstützung des deutschen Novizenmeisters der Jesuiten aus Nürnberg stattgefunden. „Das war ganz fruchtbar“, sagt Pater Matthäus, Prior des Klosters und Novizenmeister der Augustiner. „Für den Konvent ist es eine neue Aufgabe gewesen, plötzlich für die Ausbildung zuständig und letztlich auch ein Stück Vorbild zu sein für die augustinische Lebensweise.“

Felix Katzenberger stammt aus dem unterfränkischen Münnerstadt, wo es ebenfalls ein Augustinerkloster gibt. Nach einer Ausbildung als Erzieher arbeitete er in einer Einrichtung für behinderte Menschen. In Münnerstadt absolvierte er eine erste Phase des Mitlebens im Konvent, bevor er sich zum Noviziat entschloss. Da in der Planegger Gemeinschaft mit Pater Felix Meckl bereits ein Felix lebt, entschied er sich für einen anderen Ordensnamen. „Ich fand es ganz passend, für so einen Lebensanfang einen neuen Namen zu wählen, mit dem ich mich identifizieren kann“, sagt Bruder Philipp. „Wichtig ist dabei, dass man kein anderer ist. Die Persönlichkeit bleibt ja.“ Pater Matthäus nennt den Namen „Philipp“ eine „gute Wahl“. Über den 23-Jährigen und dessen Vorbild sagt er: „Er ist so ein fröhliches Naturtalent, und der Philipp Neri war halt ein fröhlicher Heiliger.“

Michael Clemens wuchs im Sauerland auf, legte 2015 an der juristischen Fakultät in Würzburg das erste Staatsexamen ab und war dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt. Er lebte zunächst im Augustinerkloster in Würzburg, bevor er nach Planegg kam.

„Die augustinische Spiritualität lässt sehr viel Spielraum für Individualität“, sagt Bruder Philipp, der mit dem Orden in Kontakt kam, als er sich in der kirchlichen Jugendarbeit engagierte. Mit 15 Jahren begann er, sich mit seinem Glauben auseinanderzusetzen. Wie bei Bruder Michael war es nicht das Elternhaus, das ihm die Richtung wies. „Meine Eltern waren da sehr zurückhaltend und haben keine große Nähe zur Kirche gehabt. Ich auch nicht als Jugendlicher. Das kam dann erst später“, sagt Bruder Michael, der es zu schätzen weiß, dass die Eltern ihm stets seinen Freiraum ließen.

In ihrem Jahr in Planegg haben sich die beiden Novizen mit der Geschichte des Ordens beschäftigt, der Augustinerregel, deren Kern ein von Liebe und Eintracht geprägtes Leben in der Ordensgemeinschaft ist, aber auch Augustinus allgemein. Täglich von 9.30 bis 11 Uhr kommen sie mit Pater Matthäus zum Unterricht zusammen. „Wir haben viel Zeit mit den Gelübden verbracht: Armut, Gehorsam und Keuschheit, Ehelosigkeit. Das war ein breites Thema“, sagt Pater Matthäus. In dem Versprechen, das die beiden am 1. September für ein Jahr ablegen, der Ersten Profess, werden sie eine Rolle spielen.

Die Kandidaten engagieren sich außerdem sozial, Bruder Philipp in einer Wohngruppe für behinderte Menschen in Pasing, Bruder Michael im Kraillinger Altenheim. Einmal pro Woche nehmen sie Gesangsunterricht. Beide sind musikalisch. Bruder Michael spielt Saxofon, Bruder Philipp Ukulele und Trompete. Gerade lernt er Orgel.

Bruder Philipp und Bruder Michael nahmen an einer Noviziatsschulung mit Anwärtern und Anwärterinnen anderer Orden aus dem bayerischen Raum in Friedberg bei Augsburg teil und besuchten verschiedene Konvente in der deutschen Ordensprovinz.

Ein Höhepunkt des Jahres dürfte eine zehntägige Bildungsreise Anfang Juni gewesen sein. Startpunkt war Mailand, wo Augustinus getauft wurde. Über dessen Grabstätte in Pavia und Umbrien ging es nach San Gimignano in die Toskana. Pater Matthäus: „Spannende Orte unserer Geschichte, die wir da besucht haben.“ Ein Klosterausflug: Bruder Christian, Pater Felix und Pater Dominik begleiteten die Novizen und ihn.

„Der wirklich einschneidende Schritt war die Einkleidung zu Beginn des Noviziates“, sagt Bruder Michael. „Es hat erst mal Zeit gedauert, sich da zurechtzufinden. Jetzt ist es selbstverständlicher, dass man Augustiner ist und die Entscheidung trifft: Ich bleibe dabei.“ Als sich die beiden sicher waren, stellten sie einen schriftlichen Antrag an den Leiter der deutschen Ordensprovinz. Dann folgten mit allen Brüdern aus dem Konvent Maria Eich Vier-Augen-Gespräche. Der Konvent gab sein Votum ab, und die Leitung der deutschen Abteilung entschied schließlich positiv über den Verbleib.

Zur Erstprofess am 1. September kommen Familien und Freunde. In den vergangenen Monaten hielt man Kontakt via Telefon. Die enge Familie konnte vorbeischauen, nach Weihnachten verbrachten die beiden Novizen einige Tage in ihrem ehemaligen Zuhause. „Man musste erst einmal viel aushalten an Enttäuschung und an Unsicherheit. Inzwischen, glaube ich, freuen sich meine Eltern, die Profess mitzuerleben“, sagt Bruder Michael. Und Bruder Philipp: „Tröstlich war für meine Eltern, dass sie die Augustiner in Münnerstadt schon kannten. Sie wussten ungefähr, wo ich da hingehe und dass ich gut aufgehoben bin.“

Das erste Versprechen verpflichtet für ein Jahr. Es wird regelmäßig wiederholt, bis dann nach etwa vier Jahren die feierliche Profess abgelegt wird, die endgültig an den Orden bindet. Bruder Philipp und Bruder Christian werden dann längst nicht mehr in Maria Eich leben. Nach ihrer Erstprofess wechseln sie in den Würzburger Konvent. Bruder Philipp möchte zunächst wieder als Erzieher arbeiten, Bruder Michael schließt mit der Juristerei ab und beginnt ein Theologiestudium.

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