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Führung durch den Klosterwald: Forstbetriebsleiter Wilhelm Seerieder (vorne) erläuterte Michael Wagner vom Landratsamt München (li.) und anderen Teilnehmern die Pflegmaßnahmen. Im Umfeld von 600 Eichen sollen Gehölzkonkurrenten, sogenannte Bedränger, gefällt werden

Klosterwald Maria Eich

Ersatz für die Methusalembäume

In der nächsten Woche wird der Parkplatz bei Maria Eich für Besucher gesperrt sein. Das hat einen besonderen Grund: Der Forstbetrieb München der Bayerischen Staatsforsten unternimmt im Klosterwald Maria Eich eine ganz besondere Durchforstung.

Planegg Nicht die absterbenden Bäume werden – wie sonst üblich in Wirtschaftswäldern – hier gefällt, sondern gerade diese gezielt geschützt und gepflegt. So werden im Umfeld von ungefähr 600 Eichen Gehölzkonkurrenten, sogenannte Bedränger, in den kommenden Tagen abgesägt, berichtete Forstbetriebsleiter Wilhelm Seerieder am Montag bei einer Ortsbegehung.

Diese schützenswerten Hölzer seien gekennzeichnet durch Höhlenstrukturen, Spalten und abgebrochene Äste. Genau die Art von „Zukunftsbaum“, die gefördert werden muss, so Seerieder. Damit seien sie prädestiniert in 100 Jahren, und damit mit einem viel dickeren Umfang als heute, die Rolle der aktuellen Methusalem-Bäume in diesem Waldgebiet um Maria Eich einzunehmen. Eine Sicherungsmaßnahme für die Zukunft.

Hintergrund der Aktion ist der spektakuläre Fund von 220 Holzkäfer- und neun Fledermausarten vor gut zwei Jahren in der Waldzone direkt um das Kloster (wir berichteten). Äußerst spannend war damals, gerade aus Sicht des Naturschutzes, die Entdeckung von acht Urwaldreliktkäferarten, insbesondere die des Eremiten. Die Käfer bewohnen die dort stehenden, bis zu 300 Jahre alten Methusalem-Eichen. Damit diese Holzkäferarten auch nach dem natürlichen Zerfall ihrer jetzigen Behausung, den Methusalem-Bäumen, in neuen adäquaten Lebensräumen weiterleben können, werden jüngere, 100 bis 120-jährige Eichen in dem angrenzenden 6,8 Hektar großen Waldstück jetzt nach und nach diesen Pflegemaßnahmen unterzogen. Dabei verbleiben die Kronen und einige Stammteile auf dem Waldboden. „Damit vermehrt sich der Totholzanteil, der essenziell für die Strukturvielfalt ist“, erläuterte Seerieder.

Wichtig ist ihm in diesem Zusammenhang, dass die Waldspaziergänger nicht auf die Idee kommen, die Holzreste als Brennholz für den heimischen Kamin zu nutzen. Die Naturschutzwacht und der Forstbetrieb würden dies ständig kontrollieren. Den Abtransport der abgesägten Bäume übernehmen übrigens Pferde. Maschinen würden eine Trasse benötigen, die die wertvollen Kleinstrukturen des Bestandes zerstörte. Die Maßnahmen beginnen in dieser Woche und dauern ungefähr sieben Tage. So lange bleibt auch der Parkplatz Maria Eich gesperrt.

Carolin Högel

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