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Aus Oxford zurück: Korbinian Rüger arbeitet nun in Planegg an seiner Doktorarbeit über Verteilungsgerechtigkeit weiter.

SPD-Kandidat für Strassburg

„Europa geht uns alle an“

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Zehn Minuten für seine Vision eines neuen, demokratischen und föderalen Europas: Viel Zeit bleibt Korbinian Rüger auf dem Europaparteitag der SPD Oberbayern nicht, um die Delegierten für sich zu gewinnen. Der Planegger will es auf die SPD-Bundesliste für die Europawahl im Mai 2019 schaffen.

Planegg– „Ich habe so viel Glück gehabt. Ich bin in Planegg wie die Made im Speck aufgewachsen und hatte tolle Möglichkeiten, in Europa zu studieren. Ich sehe mich in der Verantwortung, der Gesellschaft etwas zurückzugeben“, sagt Rüger. Der 29-jährige Doktorand der Politischen Philosophie ist der erste Kandidat, den die SPD München-Land für den Europawahlkampf aufgestellt hat. Nächster Schritt ist eine Nominierung durch die SPD Oberbayern, die am Sonntag, 16. September, zu diesem Zweck in Penzberg zusammenkommt.

Derzeit wird der Bezirk durch die Rosenheimerin Maria Noichl in Straßburg vertreten. Rüger schätzt, dass es zwei Oberbayern auf die Bundesliste schaffen werden, die auf einer Bundesdelegiertenkonferenz Anfang Dezember festgelegt wird. Rüger möchte den Platz neben Noichl. Doch auch wenn sich ein anderer Konkurrent am Ende durchsetzt, will sich der Planegger ab Anfang des kommenden Jahres im Europawahlkampf engagieren. „Ich halte Europa für wahnsinnig wichtig und habe die Befürchtung, dass das bei vielen außer- und innerhalb der Partei noch nicht so richtig angekommen ist.“

Rüger vertritt die Idee eines „integrierten Europa“, in dem die Nationalstaaten wesentlich enger zusammenwachsen und die „großen Dinge“ auf europäischer Ebene geregelt werden. „Dazu gehören die Verteidigungspolitik, die Außenpolitik, die Kontrolle über die gemeinsamen Außengrenzen inklusive der gesamten Immigrations- und Asylpolitik sowie weite Teile der Finanzpolitik. Das bedeutet, dass wir die Schaffung einer europäischen Armee, eines gemeinsamen diplomatischen Dienstes, eines europäischen Finanzministeriums und europäischer Steuern fordern müssen.“ Dass alle 27 Mitgliederstaaten bei der Verwirklichung mitwirken, bezweifelt er, deswegen schweben ihm ein tief integrierter und ein zweiter Ring vor, „der sich ähnlich der jetzigen EU vor allem auf den gemeinsamen Wirtschaftsraum beschränkt“.

Rüger trat der SPD 2012 bei, als er gerade ein Auslandssemester in Kanada verbrachte, wo auch ein Teil seiner Familie lebt. „Mir ging es immer um die Werte Gerechtigkeit und individuelle Freiheit. Die SPD-Parteiideologie fußt auf Gerechtigkeit und entspricht meiner Einstellung am meisten.“ Gerechtigkeit ist auch Thema seiner Promotion, die sich mit der Frage auseinandersetzt, wie man knappe Ressourcen fair verteilen kann.

2013 zählte er zu den Mitbegründern des Vereins „Project for Democratic Union e.V.“, der die Menschen für ein föderal strukturiertes Europa begeistern möchte. „Ich muss zugeben, das war bis jetzt mäßig erfolgreich. Eigentlich hat sich an den Zuständen in Europa nichts wirklich geändert“, sagt Rüger.

Der Planegger studierte in München, Bayreuth, Vancouver und London Volkswirtschaftslehre und Philosophie. Als er 2016 an der Universität Oxford mit seiner Promotion begann, hatte er auf einmal mehr Freiraum und begann, sich in der SPD einzubringen. Vorsitzender des Planegger Ortsvereins ist Felix Kempf, mit dem Rüger 2008 am Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasium Abitur machte. Seit 2017 ist Rüger im Planegger SPD-Vorstand, seit Anfang dieses Jahres stellvertretender Vorsitzender. „Es ist wichtig, auch die großen Themen in den Ortsvereinen zu diskutieren. Europa geht uns alle an“, sagt er. Auf seine Initiative hin lud die SPD als Rednerin zu ihrem Neujahrsempfang Gisela Müller-Brandeck-Bocquet ein, Professorin für Europaforschung und Internationale Beziehungen in Würzburg.

Im Juli kehrte Rüger, der neben der Promotion als freier Dozent arbeitet, nach Planegg zurück. Ein Jahr läuft sein Stipendium der Stiftung der Deutschen Wirtschaft noch. Dann soll die Doktorarbeit abgeschlossen sein. Der 29-Jährige will an der Universität bleiben. „Unterrichten macht mir wahnsinnig Spaß“, sagt er. Politik inzwischen auch. Dabei war das weder in der Schule noch im Elternhaus ein Thema. „Meine Politisierung hat erst im Studium angefangen“, sagt Rüger. „Parteienideologien basieren auf geisteswissenschaftlichen Überlegungen.“ Er findet: „Die vermeintlich abstrakten Fragen betreffen uns alle. Und ich mache mir gerne Gedanken über große Zusammenhänge.“ Zum Beispiel über Europa.

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