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Der lang ersehnte Moment: Karl Rieder, seit 2014 Eigentümer des „mi casa su casa“, hält endlich die Schlüssel in der Hand. Die hatte Altpächter Andre Bahlo wegen eines Rechtsstreits mit der Gemeinde lange nicht herausgegeben.  

Rechtsstreit ums Misu beigelegt

Ex-Pächter Bahlo übergibt Schlüssel

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Planegg - Mit der Übergabe der Schlüssel ist der Streit ums „mi casa su casa“ endlich zu Ende. Im Frühjahr 2017 will der neue Eigentümer wieder eröffnen.

Die Zeit schien stehen geblieben in der Bahnhofstraße 22 in Planegg. Die Stühle im Obergeschoss stehen noch so an ihren angestammten Plätzen, als hätten die letzten Gäste das Restaurant gerade erst verlassen. Doch jahrelang hat kaum noch jemand die Räume betreten, abgesehen von Anwälten und Gutachtern.

Auf die Tische hat sich eine feine Staubschicht gelegt. Und noch tanzen zwischen den Stuhlbeinen Staubfäden im Sonnenlicht, das durch die inzwischen trüben Scheiben fällt. Doch bald soll der Dornröschenschlaf vorbei sein. Am Montag übergab Altpächter Andre Bahlo die Schlüssel des „mi casa su casa“ an den neuen Eigentümer, den Münchner Gastronomen Karl Rieder.

Auf der großen schwarzen Tafel an der Wand steht immer noch das letzte Tagesangebot. Nudeln mit Lachs und Scampi und ein Sommersalat mit Büffelmozzarella. Geschrieben wurde es an einem sonnigen Augusttag im Jahr 2013. Damals hatte Pächter Ande Bahlo die Türen zum letzten Mal für seine Gäste geöffnet. Das Geschäft sei massiv eingebrochen, nachdem die Gemeinde Planegg, damals Eigentümerin der Räumlichkeiten, ihn als Mietnomaden diffamiert habe, hatte er damals gesagt. Doch es sollte noch über drei Jahre dauern, bis das Kapitel „mi casa su casa“ für Bahlo beendet war.

Die Gemeinde hatte das ehemalige Café Macher kurz nach der Jahrtausendwende erworben, renoviert und ab 2003 an Bahlo verpachtet. 2014 folgte der Verkauf an Rieder. Der Streit, der erst mit der Schlüsselübergabe am Montag endete, begann 2010.

Bahlo klagte nach einer weiteren Sanierung über Mängel, minderte zunächst die Pacht, zahlte ab 2012 gar nicht mehr. Die daraufhin wiederholt ausgesprochenen Kündigungen erachtete er als unwirksam, sah sich bis zum gerichtlichen Vergleich im Herbst 2016 als rechtmäßiger Pächter. Und der Zustand des Lokals sei wesentlicher Teil des Rechtsstreits gewesen. Es habe gegolten, Beweise zu sichern. Immer neue Gutachten sollten klären, wie es tatsächlich um die von Bahlo angeführten technischen Probleme bestellt war, mit denen er die Zurückhaltung von insgesamt mehr als 300 000 Euro Pacht begründet hatte.

„Das hätte sich noch Jahre ziehen können“, sagt Bahlos Anwalt Vlad Sandulache. Im Januar 2017 hätte der nächste Gutachter-Termin angestanden. Auch deshalb war die Gemeinde nun bereit, auf den allergrößten Teil der Forderungen zu verzichten. „Aber auch Herr Bahlo hat auf etwas verzichtet“, sagt Sandulache. „Es hätte durchaus auch auf Schadensersatz für ihn herauslaufen können.“ Bahlo selbst sagt, er sei froh, dass das Kapitel vorbei sei. Es habe viel Energie gekostet. Rieder sei ein guter Nachfolger.

Karl Rieder, der unter anderem das „Romans“ in München und das „Il Mulino“ in Gräfelfing betreibt, will zügig mit dem Umbau beginnen. „Wir wollen im Frühjahr 2017 eröffnen“, sagt er. Am bewährten Konzept will der Südtiroler festhalten: unten ein typisch italienischer Barbereich mit Getränken und Tramezzini, oben das Restaurant, in dem es mittags auch kleine Gerichte und nachmittags Kuchen geben soll. Ob Rieder auch an dem Namen „mi casa su casa“ festhalten will, hat er noch nicht entschieden.

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