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In der Josef-Beyerl-Straße hinter dem Planegger Rathaus entstehen derzeit zehn Einzimmerwohnungen und acht Zweizimmerwohnungen für Senioren. Die werden jedoch hinten und vorne nicht reichen, um den Bedarf zu decken.

Lange Wartelisten in Planegg

Fehlbeleger verknappen Sozialwohnungsmarkt

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Die Situation auf dem Markt für Sozialwohnungen in Planegg ist angespannt; die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Die Folge sind lange Wartelisten.

Planegg – Wer in Planegg eine gemeindeeigene Wohnung bekommt oder eine Wohnung, für die die Gemeinde ein Belegungsrecht hat, zahlt eine reduzierte Miete. Auch dann noch, wenn das Einkommen im Laufe der Zeit steigt und die Höchstgrenze für die Vergabe irgendwann überschreitet. Die CSU-Fraktion möchte dies ändern und fordert, eine Umstellung der Systematik der Wohnungsmieten zu prüfen. Das eigentliche Problem kann so aber nicht gelöst werden: Es gibt deutlich mehr Planegger, die ein Anrecht auf sozial gebundene Wohnungen haben, als zur Verfügung stehen. Und es gibt kaum noch Mieter, die, sofern sie einmal eine solche Wohnung ergattert haben, freiwillig wieder ausziehen.

In Planegg gibt es 50 Sozialwohnungen für Fälle der Dringlichkeitsstufe 1, die vom Landratsamt vergeben werden, in Absprache mit der Gemeindeverwaltung. Außerdem befinden sich 41 Wohnungen im Eigentum der Gemeinde, die von der Baugesellschaft München-Land verwaltet werden. Hier entscheidet die Gemeinde alleine, wer den Zuschlag bekommt. Bei weiteren 93 Wohnungen der Baugesellschaft München-Land hat Planegg ein Vorschlagsrecht, aber die Baugesellschaft darf ein Veto einlegen.

„Es ist abartig im Moment“, sagt Susanne Keil, seit zehn Jahren in der Gemeindeverwaltung für Liegenschaften und Versicherungswesen zuständig. Bis etwa 2014 hatte sie im Jahr zehn bis zwölf Wohnungen zu vergeben, nun sind es zwei bis drei, die jährlich frei werden. „Die Leute wechseln nicht mehr. Da läuft einiges auf“, so Keil.

Wer Interesse an einer günstigen Wohnung hat, stellt einen Antrag. Sofern er berechtigt ist, also unter einer bestimmten Einkommensgrenze liegt, landet er auf einer Interessenten-Liste, gestaffelt nach Ein-, Zwei-, Drei- oder Vierzimmerwohnungen. Sobald eine Wohnung frei wird, schreibt Keil alle auf der Liste Eingeschriebenen an.

Die größten Chancen hat, wer neben einem niedrigen Einkommen noch viele Punkte über ein Bewertungssystem sammeln kann. „Soziale Aspekte wirken auch mit“, sagt Keil. Wer kurz vor der Obdachlosikkeit steht, kann unter Umständen den Zuschlag erhalten, obwohl er noch nicht so lange in der Gemeinde wohnt wie andere Bewerber. Die Wartezeit kann mehrere Jahre betragen.

52 Planegger stehen auf der Liste für ein Zimmer, 18 auf der für zwei Zimmer und 22 auf der für drei Zimmer. „Bei den Einzimmerwohnungen treffen sich beide Generationen: die Älteren, die sich verkleinern möchten, und die Jungen, die ausziehen möchten“, so Keil. Im Sommer kommenden Jahres sollen in der Josef-Beyerl-Straße zehn neue Einzimmer- und acht Zweizimmerwohnungen für Senioren von der Baugesellschaft München-Land fertiggestellt sein. Auch die reichen hinten und vorne nicht.

Die CSU will abstellen, dass sogenannte Fehlbeleger weiter in den Genuss niedriger Mieten kommen. Deswegen schwebt ihr ein System vor, in dem für die Wohnungen, über die die Gemeinde verfügen kann, eine ortsübliche Miete verlangt wird und sozial Schwache einen Zuschuss durch die Gemeinde erhalten. Das würde bedeuten, dass die Baugesellschaft München-Land einen Teil ihrer dann höheren Mieten durch Planegger Zuschüsse finanziert bekommt.

Bereits bestehende Verträge sind laut Keil nicht umstellbar. Seit 2010 gibt es zudem Richtlinien für die Vergabe von Mietwohnungen durch die Gemeinde. Alle drei Jahre wird das Einkommen des Wohnungsinhabers überprüft. Überschreitet es inzwischen die Grenze, wird die Miete entsprechend erhöht. Weigert sich der Mieter, sein Einkommen offenzulegen, wird die ortsübliche Vergleichsmiete fällig. Die Richtlinien werden im Augenblick überarbeitet, um auch auf die 18 Seniorenwohnungen anwendbar zu sein, die gerade im Entstehen sind.

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