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Zumindest bei Blöcken und Notizbüchern ist das Internet keine Konkurrenz für Susanne Trenkle. 

Konkurrenz aus dem Internet

Geschäftsleute an der Planegger Bahnhofstraße vorsichtig optimistisch

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Mit dem Käfer-Delikatessenmarkt hat binnen eines knappen Jahres das vierte Geschäft auf der Planegger Bahnhofstraße aus Umsatzgründen geschlossen. Auch andere Einzelhändler in der Straße beobachten eine zurückgehende Kundenfrequenz, sind aber optimistisch.

Planegg– Die Parfümerie Nöth machte den Anfang und schloss im vergangenen September, es folgten im Winter das Schreibwarengeschäft „kakadu“ und die Boutique „Conceptlos“. Nach gerade eineinhalb Jahren gab Feinkost Käfer Ende Juli die Planegger Filiale auf, da die Umsätze hinter den Erwartungen zurückblieben. Nach Merkur-Informationen lief der Bistro-Bereich ordentlich, die speziellen Käfer-Produkte im Geschäft wurden jedoch von den Würmtalern kaum angenommen. Die Delikatessen-Kette nutzte daher trotz hoher Investitionen eine entsprechende Ausstiegsklausel im Mietvertrag, zahlt derzeit aber noch Miete.

Auch andere Geschäfte an der Bahnhofstraße merken, dass die Kunden weniger werden. „Die Frequenz geht bei uns wie bei vielen stationären Läden zurück. Früher informierte man sich über Neues in Geschäften, heute passiert das bei vielen im Netz“, sagt Andreas Haindl, Geschäftsführer der gleichnamigen Intersport-Filiale. Viele andere Planegger Kunden würden jedoch bewusst im Ort einkaufen. Haindl ist daher für die Zukunft optimistisch und würde seine Fläche angesichts der Sport-Konkurrenz mit großen Läden gerne sogar deutlich vergrößern, was aber noch nicht geklappt hat. Nach einem Räumungsverkauf baut das Intersport-Team in der zweiten August-Hälfte den Laden um. Dies habe aber nichts mit der aktuellen Situation zu tun. „Wir räumen um, da wir zum einen eine „AquaNovoBoot“-Maßskischuhmaschine bekommen, zum anderen unsere Schwerpunkte wie Ski Alpin, Outdoor und Fitness weiter herausheben“, sagt Haindl. Anfang September wird wieder eröffnet.

Schreibwaren und Spielsachen werden noch vor Ort gekauft

„Die Frequenz geht zurück, dafür steigt der Umsatz pro Kunde“, sagt Susanne Trenkle, Geschäftsführerin der Kinder-Buchhandlung „Phantasia“. „Ein gewisser Teil der Kunden ist weg und im Internet unterwegs, andere kaufen dafür bewusst und mehr in den lokalen Geschäften ein“, so Trenkle. Sie profitiere auch davon, dass sich im Sortiment viele Kleinigkeiten wie Schreibwaren und kleine Spielsachen finden, die kaum online gekauft würden.

Trenkle glaubt an die Zukunft der Bahnhofstraße, beobachtet aber weitere Veränderungen: „Manchmal habe ich überlegt, erst ab 13 Uhr bis 20 Uhr zu öffnen“, da die Vormittage ruhiger seien und sie vor allem kaum Personal dafür bekomme. Insgesamt hält Trenkle Kernöffnungszeiten, die alle Geschäfte einhalten, für sinnvoll. „Ich werde immer wieder angesprochen, dass wir Mittwochnachmittag geschlossen hätten. Das machen andere Geschäfte, wir nicht.“ Trotzdem käme das im Kopf mancher Kunden so an.

Wunsch nach mehr verkaufsoffenen Sonntagen

„Wir bemerken Veränderungen, es ist ruhiger geworden“, sagt Stefanie Ludwig vom gleichnamigen Interieurgeschäft. Die „ständigen Baustellen und fehlenden Parkplätze in der letzten Zeit“ haben nach Ludwigs Ansicht der Bahnhofstraße geschadet. Sie selbst habe schon einen Strafzettel bekommen und sich an die Gemeinde gewandt, die aber auch nichts tun konnte oder wollte. Das Geschäft entwickelt komplette Wohnkonzepte und lebt daher weniger von Laufkundschaft, sondern spezieller Mund-zu-Mund-Propaganda. Trotzdem „würde es uns helfen, wenn es mehr verkaufsoffene Sonntage im Jahr gibt, die nicht zeitgleich mit anderen Gemeinden stattfinden“, sagt Ludwig. Bei solchen Gelegenheiten gewinne sie neue Kunden.

Kunden mit Rabatten locken

„Bei uns geht es wieder in die andere Richtung, einige Leute kommen vom Internet zurück, die beiden Eisdielen und das wiedereröffnete ,Mi Casa Su Casa’ haben geholfen“, sagt Jens Toepel, Geschäftsführer des „Halleluja“-Klamottenladen. Toepel hält die Geschäfte der Bahnhofstraße „für einen guten Mix. Dass immer mal wieder ein Wechsel ist, ist normal.“ Das Aus etwa der Parfümerie Nöth lag seiner Ansicht nach daran, „dass die und andere zu sehr auf ihre Preise beharrt haben. Manchmal muss man bestimmten Kunden auch Rabatte geben, sonst sind die weg“, so Toepel. Es gebe aber natürlich auch Kunden, die trotz langer Beratung drohen, günstiger online einzukaufen. Toepel: „Das macht keinen Spaß.“

Wer in die Räume von Käfer kommt, steht noch nicht fest. Der rund 200 Quadratmeter große Laden sei wohl schwierig zu vermitteln, meint Bärbel Zeller, Wirtschaftsreferentin der Gemeinde Planegg. „Für den kleinen Einzelhändler ist er zu groß, für einen Supermarkt zu klein.“

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