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Zwei Überfälle und viele geschätzte Stammkunden erlebte Gertrud Eulenlehner während der 43 Jahre in ihrem Lotto-Laden. Zum Jahresende schließt sie ihr Geschäft.

Bahnhofstraße Planegg

Die Glücksfee schließt ihren Lotto-Laden

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43 Jahre lang hat Gertrud Eulenlehner ihren Lotto-Toto-Laden in der Planegger Bahnhofstraße 13 betrieben. Nun wurde das Gebäude verkauft und wird abgerissen. Eulenlehner muss genauso wie die benachbarte „Tee-Ecke Kiesel“ zusperren.

PlaneggGertrud Eulenlehner hatte zwar schon seit einiger Zeit geplant, zum Ende des Jahres in Rente zu gehen. „Ich hatte aber schon einen Nachfolger gefunden und wollte selbst noch einige Stunden in der Woche da sein“, sagt die 80-Jährige. Doch der Eigentümer verkaufte das Haus und der neue Besitzer möchte es abreißen. So musste Eulenlehner ihrem Nachfolger absagen – und wird sich selbst Ende Dezember komplett in die Rente verabschieden.

„Der Laden, das Verkaufen, das war mein Leben, es hat mir so großen Spaß gemacht, dass ich es mir nicht ohne vorstellen konnte“, begründet Eulenlehner, warum sie nach 65 Jahren Berufsleben nicht schon früher zu Arbeiten aufgehört hat. „Ich hatte viele ganz tolle Stammkunden, die ich seit Jahren und Jahrzehnten kenne, es hat alles gepasst.“ Bei vielen Kunden „wusste ich schon, wenn sie reinkamen, die wollen diese bestimmte Zeitschrift oder diese Zigarettenmarke und legte auch für viele Sachen zurück“, erzählt Eulenlehner. Von Mittwoch bis Samstag, vier Tage die Woche, stand die Planeggerin im Laden, für dienstags hatte sie eine Mitarbeiterin, montags war geschlossen. Urlaub gab es „nie länger als 14 Tage am Stück“. Vor allem früher hatte Eulenlehner einige prominente Kunden, etwa Gustl Bayrhammer sowie Lisa und Veronika Fitz.

1969 hat Gertrud Eulenlehner, gelernte Schuhverkäuferin, ein Lotto-Geschäft in Krailling eröffnet, 1975 die Filiale in Planegg. Zuvor arbeitete die gebürtige Österreicherin unter anderem in einem Spar-Markt und als Wirtin beim TV Planegg-Krailling. Eine Zeitlang, in den 1970er-Jahren, betrieb sie beide Läden parallel, bis sie sich ganz auf Planegg konzentrierte. Der kleine Laden führt heute Zeitungen und Zeitschriften, Zigaretten, Lotto und Lose, Glückwunsch- und andere Karten sowie Geldbeutel. Die kann Eulenlehner an den Großhändler zurückgeben. Die Karten hingegen nicht, weswegen es jetzt 30 Prozent Rabatt auf sie gibt, in der letzten Phase vor Schließung sogar 50 Prozent.

Viel geändert hat sich in den 49 Jahren, seit Gertrud Eulenlehner ihr erstes Geschäfte gründete. „Die Leute haben früher viel mehr Lotto gespielt, da gab es ja auch noch kein Internet, vor allem die Jungen spielen wenig. Auch Zigaretten gingen früher wesentlich besser, die Preise für die Packungen sind einfach zu hoch.“ Klatsch-Zeitschriften verkaufen sich hingegen nach wie vor gut. Auch die Arbeitsweise hat sich verändert: „Beim Lotto mussten wir immer wieder was Neues dazulernen.“ In den Zeiten vor der digitalen Online-Übertragung mussten Eulenlehner oder eine Kollegin die abgegebenen Scheine in die Zentrale nach München fahren, „und immer genau aufpassen, dass wir nicht einen Schein vergessen, der vielleicht sechs Richtige gewesen wäre“, erzählt Eulenlehner. Letzter Abgabetag war noch der jeweilige Freitag. Später holte ein Taxi die Spielscheine ab, heute geht die digitale Übertragung an die Lotto-Zentrale in Sekundenschnelle. Einmal schenkte ein glücklicher Lotto-Gewinner ihr und ihrer Mitarbeiterin jeweils 1000 Mark. Zweimal wurde das Geschäft überfallen. „Ein Ereignis, das einen prägt“, sagt Gertrud Eulenlehner.

In ihrem wohlverdienten Ruhestand möchte Eulenlehner „vor allem gesund bleiben“, außerdem ihre österreichische Heimat besuchen und auch sonst reisen. „Die ersten Wochen im Januar wird es mir erst mal wie ein langer Urlaub vorkommen und ich merke dann erst später, dass es wirklich vorbei ist“, sagt Eulenlehner, die gemeinsam mit Ehemann Helmut in Planegg lebt.

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