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Wirtsfamilie Heide im Fokus der Kameras: Viele Medienvertreter kamen am Montag zur Pressekonferenz nach Planegg, auf der Georg und seine Tochter Daniela Heide (Mitte) den schweren Abschied von der Wiesn erklärten.

Nach 83 Jahren endet eine Ära

Heides schwerer Abschied von der Bräurosl

  • Peter Seybold
    vonPeter Seybold
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Es ist das Ende einer 83-jährigen Ära: Die Planegger Familie Heide verabschiedet sich vom Oktoberfest und ihrem Bräurosl-Zelt. Die Entscheidung fiel auch, um ein mögliches Aus für die Traditionsgaststätte Heide-Volm zu verhindern – in die nun alle Kraft gelegt wird.

Planegg Daniela und insbesondere Vater Georg Heide waren sichtlich angegriffen, als sie auf einer Pressekonferenz am Montagmittag im Heide-Volm das Wiesn-Aus verkündeten. Er fühle sich „müde und schwer, auch wenn es die richtige Entscheidung war“, sagte ein zeitweise den Tränen naher Georg Heide. Gedankenspiele über eine Neuausrichtung habe es „nicht erst seit wenigen Monaten“ gegeben, erklärte Daniela Heide. Die Coronakrise habe dann den letzten Ausschlag gegeben, dass sich die Familie Heide nach 83 Jahren auf der Wiesn nicht mehr für die Bräurosl bewirbt.

Gewaltiger Medienandrang

Das Medien-Interesse an der Pressekonferenz war groß. Rund 20 Journalisten, Kamera-Teams und Fotografen waren in das Heide-Volm gekommen, um den Erklärungen der Familie Heide zu lauschen. Die Gründe für ihre Entscheidung seien vielfältig, sagten Georg und Daniela Heide: Das Oktoberfest wurde zwar heuer rechtzeitig abgesagt, sodass die Kosten überschaubar blieben. Natürlich fehlten aber die Einnahmen. Im nächsten Jahr wären hohe Investitionen unter anderem „für ein Facelifting“ nötig gewesen. Zudem hätten „die Versicherungen signalisiert“, dass sie einen Wiesn-Ausfall im kommenden Jahr nicht versichert hätten.

Es fehlt die Planungssicherheit

„Für das Wiesn-Zelt haben wir einen Stamm von zehn Mitarbeitern, die alles vorbereiten“, erklärte Daniela Heide. Es habe der Familie „an Planungssicherheit“ gefehlt, wie zum Beispiel diese Personalkosten bei einem Wiesn-Ausfall gegenfinanziert hätten werden können. Heides könnten sich bei den derzeitigen Corona-Auflagen auch keinen vernünftigen Ablauf in einem Festzelt mit 6500 Plätzen vorstellen. Schlimm wäre es auch geworden, wenn die Bräurosl während der Wiesn wegen eines Corona-Falls hätte zumachen müssen. Die Familie habe daher Sorge gehabt, dass durch solche Kosten und Ausfälle „wir unter Umständen am Ende das Heide-Volm nächstes Jahr hätten aufgeben müssen. Dabei hängt hier unser Herz und unser Herzblut daran, wir wohnen und leben hier. Es ist daher der richtige Zeitpunkt“, sagte Daniela Heide.

Volle Konzentration auf Heide-Volm

Georg und Mutter Renate haben sich aus dem operativen Geschäft der Heides zurückgezogen. Tochter Daniela und ihr Mann Pascal Heide-Nigg wollen nun alle Kraft in das Heide-Volm legen. „Unser Plan ist, uns gesund zu schrumpfen“, sagte Daniela Heide. Aus der ehemaligen Großgaststätte soll ein gemütliches Kleinod und noch mehr „das Wirtshaus vor Ort“ und der Biergarten für junge Familien werden. „Wir halten dafür an unserem Konzept grundsätzlich fest, wo wir bereits auf gutem Weg sind, wollen es aber moderner interpretieren und auch spezielle Events organisieren, die zum Beispiel in die gehobenere Richtung gehen“, sagte Daniela Heide. Bekanntermaßen wird der große Saal des Heide-Volm abgerissen, der kleine Saal stillgelegt. Der Neubau unter anderem für Einzelhandel (Wir berichteten) ist weiter geplant.

Wiesn-Mitarbeiter entlassen

Auch im Heide-Volm liegen die Umsatz-Zahlen infolge der Corona-Ausnahmesituation nur noch bei „50 Prozent des Vorjahreswertes – und das auch nur, weil es wegen des schönen Wetters draußen gut läuft. Nach drinnen will derzeit fast niemand“, berichtete Georg Heide. Die für die Wiesn zuständigen Mitarbeiter mussten entlassen werden, andere Mitarbeiter waren oder sind in Kurzarbeit. Die Situation im Heide-Volm habe aber nichts mit der Entscheidung betreffend der Bräurosl zu tun.

Keine Kerzenweihe mehr in Maria Eich

Mit den Wiesn-Erlösen der letzten Jahre finanzierte Familie Heide Renovierungen in der Planegger Gaststätte. Ob auch in den nächsten Jahren Renovierungen ohne die Bräurosl-Erlöse möglich sind, „hängt davon ab, ob unser erneuertes Konzept im Heide-Volm funktioniert“, sagte Daniela Heide. Natürlich wird es auch die traditionelle Kerzenweihe bei der Planegger Wallfahrtskirche Maria Eich nun nicht mehr geben.

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