Volker von Lepel vor Krippe aus Tansania
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„Es kommt so viel Schönes zu uns“: Volker von Lepel vor seiner Krippe aus Tansania.

Wegen der Corona-Pandemie ohne Besucher

Im Altenheim Weihnachten feiern

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Das Altenheim ist liebevoll geschmückt. Doch kaum einer kommt rein. Dieses Jahr wird Weihnachten nicht ohne Sorge gefeiert. Ein Wohlgefühl kann sich trotzdem einstellen.

Planegg – Das Haus ist weihnachtlich geschmückt. Gemeinsam werden Weihnachtslieder gehört. Volker von Lepel (82) wohnt seit fünf Jahren im Evangelischen Alten- und Pflegeheim Planegg. Und er genießt die Weihnachtszeit in der Einrichtung. Wohltuend sei sie. Daran kann die Corona-Pandemie nichts ändern.

Wer heuer die Schlagzeilen gelesen hat weiß, dass das Planegger Altenheim harte Zeiten hinter sich hat. Im Frühjahr wütete dort das Coronavirus. Die Situation war bedrohlich. Mehrere Bewohner starben. Man könnte sagen, für die Einrichtung war es ein bitteres Jahr. Auch für von Lepel war die Situation belastend. Wenn vor einem Zimmer eine Kerze steht, weiß er, dass sich wieder jemand aus der Großfamilie, wie er seine Gemeinschaft nennt, verabschiedet hat. „Das bedrückt natürlich, aber es dominiert nicht die Atmosphäre“, sagt er. Lepel lobt die Pflegekräfte. „Wir sind gut versorgt.“ Wo die Betreuer seien, finde Begegnung statt, da werde gespielt, geredet, da sei Musik, gerade an Weihnachten, aber nicht nur. „Es gibt hier trotz der bitteren Situation jede Menge Lichtblicke. Ich hätte nie gedacht, dass es in einer Situation in der viele todkrank sind, auch so viele herzliche, freundliche, ärgerliche, tröstende und heitere Begegnungen gibt“, erzählt er.

An Heiligabend wird im Evangelischen Altenheim Planegg stets ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert; für von Lepel ist das der Höhepunkt des Weihnachtsfestes. Doch heuer wird dieser anders, als er es gewohnt ist. Heimleiterin Astrid Ühlein kündigte bereits im Vorfeld an, dass der Gottesdienst in anderer Form und schon gar nicht mit Angehörigen der Bewohner stattfinden kann.

Jeder Wohnbereich hat separat gefeiert

Um das Infektionsrisiko gering zu halten, waren diesmal auch die Weihnachtsfeiern anders. Jeder Wohnbereich habe separat gefeiert, mit Kaffee, Maskenpflicht und Abstand. „Die Angehörigen waren nicht eingeladen, sonst feiern wir solche Feste immer mit Angehörigen“, erklärt Ühlein. Einige von Lepels Pflegegeschwistern können über die Feiertage ihre Liebsten besuchen. Ühlein freut sich mit ihnen. Gleichzeitig ist sie aber unsicher: „Ich habe Sorge, die Infektionszahlen sind enorm hoch.“ Das Haus sei nun schon länger coronafrei. Sie wünscht sich, dass es so bleibt und dass Weihnachten nichts daran ändert.

Der Großteil der Pflegefamilie wird Heiligabend zuhause im Altenheim verbringen. „Ich denke, heuer werden an Weihnachten viele in ihrem Zimmer alleine sein“, meint von Lepel. Denn viele Angehörige teilen Ühleins Sorge. Die Stimmung wird dann ein bisschen aufgehellt, wenn alte Weihnachtslieder gehört werden, meint der 82-Jährige. Er bläst nicht gerne Trübsal.

„Wir kommen nicht mehr in die Welt, aber die Welt kommt zu uns“, sagt er und hält eine Krippe aus Tansania in die Kamera des Fotografen aus dem Würmtal. Verschiedenartige Bewohner und Beschäftigte aus vielen Ländern der Erde bilden im Evangelischen Alten- und Pflegeheim Planegg eine Gemeinschaft, so vielfältig wie die, die zu Weihnachten das Kind in der Krippe bewundert. „Es kommt so viel Schönes zu uns“, sagt von Lepel nicht nur in Bezug auf die Krippe. Er fühlt sich wohl in seinem Altenheim – nicht nur an Weihnachten.

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