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Johannisfeuer in Planegg: Die Veranstaltung auf der Wiese in der Nähe des Feodor-Lynen-Gymnasiums wurde immer anspruchsvoller, die Holzstöße immer höher.

Blick in die Historie

50 Jahre Planegger Johannisfeuer: So fing damals alles an

Vor 50 Jahren hat das Johannisfeuer in Planegg erstmals stattgefunden. Ein Rückblick in die Geschichte - und ein Aufruf an alle, Erinnerungen oder Fotos zu teilen.

Planegg – Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Auch wenn es noch einige Zeit bis zum Johannistag im Juni dauert, die Vorbereitungen für das Jubiläums-Feuer laufen in Planegg bereits auf Hochtouren. Wie schnell die Zeit vergeht: Kaum zu glauben, über 50 Jahre ist es her, seit die Katholische Jugend von St. Elisabeth zum ersten Mal um ein Johannisfeuer zusammensaß.

Feucht-fröhlich ging es beim ersten Fest zu

Die Erinnerung daran ist etwas vage und sehr verschwommen, im wahrsten Sinne des Wortes. Es war in einer Kiesgrube, auf einem Traktoranhänger mit Holzbänken darauf. Unter einer Plane drängte sich ein Grüppchen Jugendlicher, ausgelassen und sehr feuchtfröhlich. Feucht-fröhlich aus zwei Gründen: einmal wegen des Fässchens Bier auf dem Anhänger und zweitens wegen des strömenden Regens rundherum. Es goss wie aus Kannen, aber das Feuer prasselte trotzdem lustig und hell.

Der Traktor kam vom „Bauer Bauer“, aber wer war sonst dabei? Von den frühen Jahren gibt es wenig Berichte und gar keine Fotos. Eine ehemalige Jugendgruppenleiterin erzählt: „Ein besonderes Feuer hat sich mir eingeprägt. Es war 1971 nach meiner Promotion. Da wurden feierlich alle erledigten Notizen und Entwürfe für meine Doktorarbeit „den Flammen übergeben“ – keine gute Idee, wie sich gleich herausstellte. Von der heißen Luft hochgerissen verteilten sich die brennenden Papierblätter weit über den Ort. Mir wurde selbst ganz heiß vor Schreck. Gott sei Dank landeten sie nur als Asche in der Umgebung, ohne Schaden anzurichten. So kann man seine wissenschaftlichen Werke auch verbreiten!“

Nicht nur positiv sind die Erinnerungen

Die eindringlichsten Erinnerungen stammen von Leuten, die unliebsame Bekanntschaft mit den Flammen machten, sei es beim Anzünden oder beim versuchten Sprung über die Glut. Zum Glück kam niemand ernstlich zu Schaden. Und seit Langem wacht die Freiwillige Feuerwehr vorbildlich über das Feuer.

Aus dem „elitären“ Gruppenerlebnis von einst wurde immer mehr ein großes Jugend-Happening. Eine Zeit lang kam es zu Eifersüchteleien mit anderen Feuerveranstaltern. Kritik wurde laut, Parallelen zu germanischen Bräuchen gezogen. Eine Mitarbeiterin berichtet: „Einmal gab es einen tüchtigen Schreck. Die Presse hatte im Vorfeld von nationalsozialistischen Vorbildern geschwafelt und vor Umtrieben von Neonazis gewarnt. Ich arbeitete im Spülmobil, da stand in der Tür ein schwarz gekleideter Hüne in Lederstiefeln, glatzköpfig, mit einem Ring im Ohr. Blass starrte ich ihn an, fürchtete um das Geschirr der Gemeinde. „Ja kennst mi nimma? Ich bin für die nächste Schicht eingeteilt!“ tönte eine bekannte Stimme. Seitdem weiß ich, dass man nie nach dem ersten Eindruck urteilen darf!“

Mit der Zeit entwickelt sich das Johannisfeuer zum Familienfest

Als die Jugendlichen der ersten Stunde älter und gesetzter wurden, mutierte das Ereignis allmählich zu einem Familienfest und Generationen- und Freundetreffen. Eine Familie berichtet: „Viele Jahre stiefelten wir mit Kind und Kegel zum Johannisfeuer, bei jedem Wetter. Gummistiefel, Regenjacken und Matschhosen gehörten meist zur obligatorischen Ausstattung. Dann wurden die Kinder selbst aktiv. Sohn und späterer Schwiegersohn türmten die Holzstöße in schwindelerregende Höhen. Unsere Jüngste konnte jahrelang kein Sauerkraut mehr riechen, nachdem sie stundenlang darin gerührt hatte. Inzwischen arbeiten die Enkel schon mit.“

Genial war die Idee, durch ein Kinderprogramm am Nachmittag und eine bayerische Blaskapelle Saufkumpanen und Störern jedes Interesse an der Sache zu vermiesen. Die Veranstaltung wurde immer anspruchsvoller, die Holzstöße immer höher, und die Auflagen und Sicherheitsanforderungen der Gemeinde ebenfalls. Zum Glück konnte die Vorschrift abgewendet werden, den Platz ständig mit Flutlicht zu beleuchten.

Aufruf: Wer hat Fotos oder sonstige Erinnerungen aus den letzten 50 Jahren?

Immer noch ist das Planegger Johannisfeuer ein Fest für den ganzen Ort, immense Arbeit, ein Treffen vieler „Ehemaliger“ mit Kindern und Kindeskindern. Zum Jubiläum, der 50. Auflage, ist am 16. Juni eine kleine Rückschau geplant. Schon heute ergeht die Einladung an alle, die in den Jahren mitgearbeitet und „mitgefeuert“ haben. Wer Erinnerungen oder gar Fotos hat, schickt sie bitte per E-Mail an johannisfeuer.kjp.2018@gmail.com.

Friederike Tschochner

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